„Größ­tes Ri­si­ko sind die Zin­sen“

Kleine Zeitung Steiermark - - WIRTSCHAFT - Von Micha­el Csok­lich

Seit ei­nem Jahr ist Eli­sa­beth Stad­ler Vor­stands­che­fin der Vi­en­na In­suran­ce Group. Die Ma­na­ge­rin über ih­re Soll- und Ha­ben-sei­te, Bü­ro­kra­tie, Ost­eu­ro­pa, Ri­si­ken und po­li­ti­schen Ein­fluss.

INTERVIEW.

Frau Ge­ne­ral­di­rek­to­rin Stad­ler, es gibt we­nig Per­sön­li­ches über Sie zu fin­den, Per­fek­tio­nis­mus sei ei­ne Ih­rer Ei­gen­schaf­ten. Wie cha­rak­te­ri­sie­ren Sie sich denn selbst? ELI­SA­BETH STAD­LER: Ich re­de nicht so ger­ne über mei­ne Per­son. Ich bin Ma­the­ma­ti­ke­rin, das prägt mich auch. Ich bin ein sehr stra­te­gisch den­ken­der Mensch, sehr struk­tu­riert, im­mer or­ga­ni­siert.

Wenn Sie Ihr ers­tes Jahr im Chef­ses­sel der Vi­en­na In­suran­ce Group (VIG) Re­vue pas­sie­ren las­sen, was ver­bu­chen Sie auf der Ha­ben­sei­te? Zu­al­ler­erst wür­de ich sa­gen, ich ha­be ein ex­trem gu­tes Ma­nage­ment­team. Hier im Vor­stand der VIG und auch in den lo­ka­len Ge­sell­schaf­ten, die mit lo­ka­len Ma­na­gern be­setzt sind und die wis­sen, was in den Län­dern läuft und be­nö­tigt wird. Wir wer­den die Stra­te­gie nicht ver­än­dern, wir wer­den sie nur ein biss­chen schär­fen.

Was steht auf der Soll­sei­te? Nicht Wachs­tum ist im Mo­ment das pri­mä­re Ziel, der Fo­kus liegt auf ei­ner Er­geb­nis­ver­bes­se­rung, auf bis zu zu­min­dest 400 Mil­lio­nen Eu­ro 2016. Wir füh­ren ein Län­der-scree­ning in al­len un­se­ren 25 Län­dern durch. Ich möch­te pro Land zwei, drei kon­kre­te Schwer­punk­te set­zen, wie wir un­se­re Po­si­ti­on dort wei­ter aus­bau­en kön­nen.

Sie sind Ma­the­ma­ti­ke­rin mit Hang zum Ri­si­ko, ha­be ich ge­le­sen. Was ist denn der­zeit das größ­te Ri­si­ko für die Vi­en­na In­suran­ce Group? Un­ser größ­tes Ri­si­ko ist im Mo­ment ganz klar die Ent­wick­lung der Zin­sen. Wir ver­wal­ten der­zeit Ka­pi­tal­an­la­gen von rund 36 Mil­li­ar­den Eu­ro – in­klu­si­ve Kun­den­gel­dern. Sie kön­nen sich vor­stel­len, dass bei die­ser Sum­me ein hal­ber Pro­zent­punkt mehr oder we­ni­ger Er­trag ei­ne ent­spre­chen­de Aus­wir­kung hat.

Ab­seits des Zins­ri­si­kos sind Sie in Län­dern mit po­li­ti­schem Ri­si­ko tä­tig. Tür­kei, Ukrai­ne, Weiß­russ­land, Po­len und Un­garn. Wie ge­hen Sie denn mit dem Län­der­ri­si­ko um? Das po­li­ti­sche Ri­si­ko in die­sen Län­dern ist si­cher auch ein sehr gro­ßes. Da hilft uns, dass wir in so vie­len Län­dern ver­tre­ten sind. Wenn in ei­nem Land et­was pas­siert, kön­nen wir das so aus­glei­chen.

Ne­ben dem po­li­ti­schen und dem Zins­ri­si­ko wird ein drit­tes Ri­si­ko im­mer rea­ler: die Di­gi­ta­li­sie­rung. Sind an­ge­sichts des­sen, was sich im In­ter­net tut, die Ge­schäfts­mo­del­le der Ver­si­che­rer über­haupt zu­kunfts­fä­hig? Das glau­be ich ab­so­lut. Das Ver­si­che­rungs­ri­si­ko will ja kaum ei­ner der neu­en An­bie­ter auf sich neh­men. Ge­fähr­det sind eher die Ver­mitt­lung ei­ner Ver- si­che­rung und die Leis­tungs­er­brin­gung. Wir wer­den un­se­re Ge­schäfts­mo­del­le an­pas­sen und ver­än­dern müs­sen. Wir ver­su­chen, uns hier mög­lichst gut auf­zu­stel­len, und ha­ben po­si­ti­ve Bei­spie­le in Ost­eu­ro­pa. Dort sind wir deut­lich di­gi­ta­ler ent­wi­ckelt als in Ös­ter­reich. In Po­len zum Bei­spiel kann man ganz ein­fach ei­ne Au­to­ver­si­che­rung am Au­to­ma­ten oder via App ab­schlie­ßen. Das ist in Ös­ter­reich nicht mög­lich. Da ist Ost­eu­ro­pa viel fle­xi­bler und mo­der­ner auf­ge­stellt.

Ein Ap­pell an die Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung in Ös­ter­reich? Ja, das ist si­cher et­was, was uns sehr zu schaf­fen macht.

Ihr Vor­gän­ger hat we­gen Auf­fas­sungs­un­ter­schie­den über die wei­te­re stra­te­gi­sche Aus­rich­tung des Kon­zerns sei­nen Ses­sel ge­räumt. Wie kön­nen Sie denn mit Auf­sichts­rats­chef Gey­er?

Wir ha­ben ein sehr of­fe­nes und gu­tes Ver­hält­nis, kön­nen sehr gut mit­ein­an­der dis­ku­tie­ren, ich glau­be, wir sind uns bei gro­ßen Ent­schei­dun­gen im­mer ei­nig.

Sie sind be­kannt da­für, dass Sie Ide­en, von de­nen Sie über­zeugt sind, auch um­set­zen. Auch Gey­er ist be­kannt da­für, sei­nen Kopf durch­zu­set­zen. Kracht es da oft? Bis jetzt ha­ben wir of­fen­sicht­lich die glei­chen Ide­en ge­habt, auf je­den Fall sind al­le mei­ne Vor­ha­ben um­ge­setzt wor­den.

Muss­ten Sie auch Din­ge um­set­zen, die Sie nicht woll­ten? Nein, muss­te ich noch nicht. Und wür­de mir wahr­schein­lich auch sehr schwer­fal­len.

Der Wie­ner Städ­ti­sche Ver­si­che­rungs­ver­ein be­sitzt 70 Pro­zent der Ak­ti­en der VIG, für vie­le Jah­re war der je­wei­li­ge Wie­ner Spö-bür­ger­meis­ter Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats des Ver­eins. Wie groß ist denn der po­li­ti­sche Ein­fluss heu­te noch? Ich mei­ne, dass sich das sehr stark re­du­ziert hat in den letz­ten Jah­ren. Denn wir sind po­li­tisch sehr un­ab­hän­gig.

Ist es al­so Zu­fall, dass die Ex­spö-po­li­ti­ker Wer­ner Fay­mann und Son­ja Steßl für die Wie­ner Städ­ti­sche Ver­si­che­rung ar­bei­ten? Frau Steßl ist ei­ne er­prob­te Ma­na­ge­rin und hat ei­ne Füh­rungs­auf­ga­be in der 2. Füh­rungs­ebe­ne der Wie­ner Städ­ti­schen Ver­si­che­rung. So­weit ich weiß, funk­tio­niert das per­fekt. Wer­ner Fay­mann hat ei­nen Be­ra­tungs­auf­trag mit dem Ver­si­che­rungs­ver­ein, wo er in der Eu­ro­päi­schen Uni­on bzw. in­ter­na­tio­nal für uns tä­tig ist. Das kann durch­aus hilf­reich sein.

Par­tei­po­li­ti­sche Nä­he ist für Sie und für den Kon­zern al­so kein The­ma. Ich wür­de mei­nen, dass sich der Kon­zern in den letz­ten Jah­ren in ei­ne sehr neu­tra­le Po­si­ti­on ent­wi­ckelt hat. Und für mich ist es si­cher kein The­ma.

Die Vig­vor­stands­vor­sit­zen­de Eli­sa­beth Stad­ler über die Bü­ro­kra­tie im Land: „Das ist si­cher et­was, was uns sehr zu schaf­fen macht“APA/PFARR­HO­FER

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