Bei ei­nem Scha­den haf­tet der Gast­wirt

Das Au­to ei­nes Gas­tes wur­de auf dem Ho­tel­park­platz von un­be­kann­ten Tä­tern be­schä­digt. Weil kei­ne Anzeige er­folg­te, ist die Er­satz­leis­tung durch das Ho­tel frag­lich.

Kleine Zeitung Steiermark - - BESSER LEBEN -

Un­ser Le­ser hat bei sei­nem letz­ten Ur­laub mit dem Au­to in Ita­li­en Pech ge­habt. Die­ses wur­de auf ei­nem Ho­tel­park­platz durch ei­nen un­be­kann­ten Tä­ter be­schä­digt. Der Scha­den be­trägt rund 1400 Eu­ro. Der Be­trof­fe­ne hat aber kei­ne Anzeige bei der Po­li­zei er­stat­tet, weil die Da­men bei der Re­zep­ti­on ge­meint hät­ten, das wä­re für das Ho­tel sehr un­an­ge­nehm und „man wür­de schon schau­en, dass der Gast auf dem Scha­den nicht sit­zen bleibt“. Jetzt will das Ho­tel aber für den Park­scha­den doch nicht ge­ra­de­ste­hen und der Ur­lau­ber fragt sich, wer ihm nun die Re­pa­ra­tur sei­nes Au­tos be­zahlt. Im ös­ter­rei­chi­schen Recht gibt es die so­ge­nann­te Gast­wir­te­haf­tung (§ 970 ABGB), wo­nach der (Über­nach­tungs-)gast­wirt für die ein­ge­brach­ten Sa­chen des Gas­tes haf­tet. Da­zu ge­hö­ren je­ne Sa­chen, die der Gast mit auf sein Zim­mer nimmt, und auch je­ne Sa­chen, für die ihm vom Gast­wirt ein be­son­de­rer Platz zu­ge­wie­sen wird, z. B. Park­platz für das Au­to, Skis­tall für die Skier oder Ähn­li­ches.

„Wenn die­se Sa­chen be­schä­digt wer­den oder ab­han­den­kom­men, so ist der Re­pa­ra­turo­der Zeit­wert der Sa­chen vom Gast­wirt zu er­set­zen“, er­klärt da­zu der Ver­si­che­rungs- und Scha­den­ex­per­te Rein­hard Je­se­ni­tsch­nig. Da die­se Haf­tung sehr streng sei (der Gast­wirt haf­tet oh­ne ei­ge­nes Ver­schul­den auch für sein Per­so­nal und für al­le Leu­te, die im Ho­tel be­rech­tig­ter­wei­se ein- und aus­ge­hen), sei die Haf­tung aber nach

„Weil kei­ne Anzeige er­folg­te, wird die Durch­set­zung des Rechts auf Scha­den­er­satz mi­ni­miert.“Rein­hard Je­se­ni­tsch­nig, Ver­si­che­rungs- und Scha­den­ex­per­te BERN­HARD HORST

oben hin be­grenzt. Sie be­trägt der­zeit für all­ge­mei­ne Sa­chen pro Er­eig­nis 1100 und für Wert­sa­chen 550 Eu­ro. Die­ses Ri­si­ko kann vom Gast­wirt aber im Rah­men sei­ner Ver­si­che­rung für die Be­triebs­haft­pflicht ab­ge­deckt wer­den. Vor­aus­set­zung für ei­ne Ver­si­che­rungs­leis­tung ist je­doch die Anzeige bei der Po­li­zei“, fügt Je­se­ni­tsch­nig an. In Ita­li­en ist die Rechts­la­ge laut dem Ex­per­ten ähn­lich. Im ita­lie­ni­schen Zi­vil­ge­setz­buch (Co­di­ce Ci­vi­le) sei im Ar­ti­kel 1783 die Haf­tung für die in ei­nem Be­her­ber­gungs­be­trieb ein­ge­brach­ten Sa­chen ge­re­gelt.

„Die Prü­fung der Durch­set­zung von For­de­run­gen ge­gen­über dem Ho­tel kann nur durch ein mit ita­lie­ni­schem Recht ver­trau­tes An­walts­bü­ro er­fol­gen. Dies wä­re im Rah­men ei­ner Kfz-rechts­schutz­ver­si­che­rung ge­deckt, wo­bei sich Ver­si­che­rer be­din­gungs­ge­mäß die Prü­fung der Durch­setz­bar­keit vor­be­hal­ten“, er­klärt Je­se­ni­tsch­nig.

SINISA PISMESTROVIC

Ei­ne Haf­tung bei Schä­den auf dem Ho­tel­park­platz be­steht, aber Vor­aus­set­zung ist ei­ne Anzeige

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