Zu viel Fleisch ver­kürzt das Le­ben

Stu­die zeigt: Wer zu viel Fleisch isst, stirbt frü­her. Flei­sch­arme Er­näh­rung hilft Ge­sund­heit und Um­welt.

Kleine Zeitung Steiermark - - INTERNATIONAL - Von Son­ja Saurug­ger

65,5 Ki­lo: Auf die­se Men­ge Fleisch – kon­su­miert in Form von Schnit­zerl, Schin­ken­we­ckerl oder Le­ber­käs­sem­mel – kommt der durch­schnitt­li­che Ös­ter­rei­cher pro Jahr. Und isst da­mit bei­na­he drei Mal mehr Fleisch, als er ei­gent­lich soll­te. Wel­che Fol­gen die­se Flei­sches­lust auf die Ge­sund­heit ha­ben kann, zeig­te nun ei­ne Stu­die aus Schwe­den: Ho­her Fleisch­kon­sum ver­kürzt die Le­bens­er­war­tung. Da­zu wur­den knapp 75.000 Men­schen je nach Fleisch­kon­sum in Grup­pen ein­ge­teilt. Nach 16 Jah­ren zeig­te sich, dass die Ster­be­ra­te in der Grup­pe mit dem höchs­ten Fleisch­kon­sum um 21 Pro­zent hö­her lag als in je­ner mit dem nied­rigs­ten. „Vor al­lem To­des­fäl­le durch Herz­in­farkt und Schlag­an­fall tra­ten viel häu­fi­ger auf“, sag­te Kurt Wid­halm, Prä­si­dent des In­sti­tuts für Er­näh­rungs­me­di­zin. Und füg­te be­denk­li­che Fak­ten hin­zu: „Zwei Wurst­sem­meln oder ein Schnit­zel am Tag rei­chen aus, um ei­ne sta­tis­tisch deut­lich ge­rin­ge­re Le­bens­er­war­tung zu ha­ben.“

Es ist nicht das ers­te Mal, dass das Le­bens­mit­tel Fleisch scharf in der Kri­tik steht: Schon im Jahr 2015 stuf­te die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ver­ar­bei­te­te Fleisch- und Wurst­pro­duk­te als krebs­er­re­gend ein. Je mehr man da­von es­se, des­to grö­ßer sei das Ri­si­ko, an Darm­krebs zu er­kran­ken. Und: Ro­tes Fleisch (al­so Rind, Lamm, Tei­le vom Schwein) ste­he im Ver­dacht, die Ent­ste­hung von Darm-, Bauch­spei­chel­drü­sen­und Pro­sta­ta­krebs zu för­dern.

Be­vor nun die fleischlie­ben­den Ös­ter­rei­cher – 78 Pro­zent es­sen ein­mal täg­lich Fleisch – zu Pro­test­stür­men an­set­zen, sei ge­sagt: „Für den Fleisch­kon­sum gilt: Auf die Men­ge kommt es an“, sagt Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin Son­ja Lack­ner. Die­se Men­ge soll­te drei Por­tio­nen Fleisch und Wurst­wa­ren pro Wo­che nicht über­stei­gen. Denn: Fleisch lie­fert das „bö­se“Fett – ge­sät­tig­te Fett­säu­ren, die zur Ver­kal­kung der Ge­fä­ße füh­ren und so die Vor­stu­fe von Herz­in­farkt und Schlag­an­fall bil­den. In Ma­ßen ge­nos­sen kön­ne hoch­wer­ti­ges ma­ge­res Fleisch aber ein wert­vol­ler Be­stand­teil ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Er­näh­rung sein – es lie­fert ei­nem wich­ti­ge Nähr­stof­fe wie Ei­sen und Vit­amin B12. Nicht nur die Ge­sund­heit lei­det un­ter gro­ßem Fleisch­kon­sum: Die Pro­duk­ti­on tie­ri­scher Le­bens­mit­tel be­las­tet die Um­welt. Ein Ki­lo­gramm in­dus­tri­ell pro­du­zier­tes Rind­fleisch sei eben­so kli­ma­schäd­lich wie ei­ne Au­to­fahrt von 250 Ki­lo­me­tern. Den­noch: Die flei­sch­arme Er­näh­rung stößt noch im­mer auf Hür­den: „Es braucht mehr An­ge­bo­te, die es leich­ter ma­chen, we­ni­ger Fleisch zu es­sen“, sagt Diä­to­lo­gin Mar­ti­na Schmidt. So soll­ten ve­ge­ta­ri­sche Al­ter­na­ti­ven in Buf­fets und Spei­se­kar­ten in glei­cher Viel­falt vor­han­den sein wie Fleisch­ge­rich­te.

Nicht mehr als drei Por­tio­nen Fleisch pro Wo­che soll­te man es­sen

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