Ba­lan­ce­akt zwi­schen Ost und West

Heu­te stellt Ös­ter­reich das Pro­gramm sei­nes Osze-vor­sit­zes vor. Wir ha­ben da­zu die Kärnt­ner Spö-po­li­ti­ke­rin Chris­ti­ne Mut­to­nen be­fragt, die der Par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung der OSZE vor­steht.

Kleine Zeitung Steiermark - - DONNERSTAG, 12. JÄNNER 2017 - Von Tho­mas Cik

IN­TER­VIEW.

Sie sind Vor­sit­zen­de der Par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung der OSZE – ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, der selbst ihr Ge­ne­ral­se­kre­tär Lam­ber­to Zan­nier nach­sagt: „Sie ist ge­spal­ten.“Kann Ös­ter­reich in dem Jahr, in dem es nun den Vor­sitz führt, über­haupt et­was be­wir­ken? CHRIS­TI­NE MUT­TO­NEN: Wir ha­ben 57 Mit­glieds­staa­ten – von Ka­na­da bis hin zur Mon­go­lei. Das ist ein kom­ple­xes Ge­bil­de, aber Di­plo­ma­tie be­wirkt da im­mer noch ei­ne Men­ge. Et­wa in der Ost­ukrai­ne, wo wir uns auf ei­ne 1000 Mann star­ke Osze-mis­si­on ei­ni­gen konn­ten, die da­für sorgt, dass sich der Kon­flikt nicht wei­ter aus­brei­tet. Im Ver­gleich zur Si­tua­ti­on 2014 stellt das ei­ne ein­deu­ti­ge Ver­bes­se­rung für die Men­schen vor Ort dar. Eu­ro­pa liegt mit der Tür­kei we­gen der Aus­höh­lung Sp-ab­ge­ord­ne­te Mut­to­nen der De­mo­kra­tie im Streit. Gleich­zei­tig braucht man An­ka­ra als Part­ner in der Flücht­lings­kri­se. Wel­chen Weg wird man hier wäh­len?

Ich selbst ha­be nach dem ge­schei­ter­ten Putsch­ver­such ei­ne De­le­ga­ti­on der OSZE in die Tür­kei ge­lei­tet, wo wir un­se­re Kri­tik an den ex­tre­men Maß­nah­men der Re­gie­rung deut­lich ge­macht ha­ben. Den­noch sind wir mit der tür­ki­schen Sei­te über­ein­ge­kom­men, gra­de in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten den Dia­log mit­ein­an­der nicht ab­zu­bre­chen. Und es wä­re gut, wenn auch Au­ßen­mi­nis­ter Kurz mit der Tür­kei ei­nen Weg des Dia­logs und der Zu­sam­men­ar­beit fin­det.

Der Kampf ge­gen Ter­ro­ris­mus und ge­walt­be­rei­ten Ex­tre­mis­mus wird je­den­falls ein The­ma. Und ne­ben der Ver­samm­lung der Au­ßen­mi­nis­ter gibt es noch die Par­la­men­ta­ri­sche Ver­samm­lung, die eben kei­ne Ein­stim­mig­keit für ih­re Be­schlüs­se braucht. Re­so­lu­tio­nen und De­kla­ra­tio­nen kön­nen mit Mehr­heit be­schlos­sen wer­den, was mu­ti­ge­re und fle­xi­ble­re Ent­schei­dun­gen er­mög­licht. Au­ßer­dem geht es dar­um, den öf­fent­li­chen Dis­kurs zu be­stim­men. Die zu­neh­men­de Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Russ­land und der Na­to wird von Män­nern be­stimmt. Hier will ich Po­li­ti­ke­rin­nen und Si­cher­heits­ex­per­tin­nen stär­ker in die Si­cher­heits­po­li­tik der OSZE ein­brin­gen.

KLZ

Seit elf Jah­ren gab es kei­ne ge­mein­sa­me Er­klä­rung der Osze-au­ßen­mi­nis­ter. Wird man es heu­er schaf­fen?

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