Heiß­hun­ger auf Fisch als so­zia­ler Zünd­stoff

Mil­lio­nen wer­den sich laut Wwf-stu­die 2050 kei­nen Fisch mehr leis­ten kön­nen. Eu­ro­pä­er im­por­tie­ren Wa­re über Ge­bühr.

Kleine Zeitung Steiermark - - INTERNATIONAL -

Die Zah­len las­sen kaum Zwei­fel of­fen: Be­reits 31 Pro­zent der Fisch­be­stän­de welt­weit gel­ten als „über­fischt“, 58 Pro­zent als „ge­fähr­det“. Und es dürf­te laut World Wi­de Fund for Na­tu­re (WWF) in Zu­kunft noch dra­ma­ti­scher wer­den. Laut ei­ner von der Um­welt­or­ga­ni­sa­ti­on in Auf­trag ge­ge­be­nen Stu­die könn­te der un­ge­zü­gel­te Ap­pe­tit auf Fisch in den In­dus­trie­län­dern groß­flä­chi­ge Hun­ger­kri­sen in den är­me­ren Welt­re­gio­nen aus­lö­sen.

Än­dert sich dar­an nichts, lau­fen Mil­lio­nen Men­schen auf der Süd­halb­ku­gel, et­wa im Se­ne­gal oder in In­do­ne­si­en, Ge­fahr, sich rund um das Jahr 2050 Fisch als Gr­und­nah­rungs­mit­tel nicht mehr leis­ten zu kön­nen, war­nen die Au­to­ren des Be­richts „Über­fischt und un­ter­ver­sorgt“. Zwar lie­ße sich die Men­ma­lay­sia, ge des welt­weit ge­fan­ge­nen Fischs noch stei­gern. So könn­te bis 2050 die jähr­li­che Fang­men­ge von 101 Mil­lio­nen Ton­nen (2010) auf 137 Mil­lio­nen Ton­nen an­ge­ho­ben wer­den. „Al­ler­dings wird der ge­fan­ge­ne Fisch sehr wahr­schein­lich nicht un­be­dingt dort lan­den, wo die Men­schen ihn zum Über­le­ben brau­chen“, gibt Ka­ro­li­ne Schacht vom WWF hier zu be­den­ken.

Viel­mehr sei zu er­war­ten, dass die Ver­brau­cher in In­dus­trie­län­dern bei Eng­päs­sen ein­fach hö­he­re Prei­se zah­len. „Rei­che Län­der wer­den sich auch in Zu­kunft ‚ih­ren‘ Fisch wei­ter­hin leis­ten kön­nen, är­me­re hin­ge­gen nicht“, schrei­ben die Au­to­ren von der Uni­ver­si­tät Kiel. Da­durch stei­ge die Wahr­schein­lich­keit von Ar­mut und Hun­ger in den be­trof­fe­nen Län­dern. Dies kön­ne auch zu zu- sätz­li­cher po­li­ti­scher In­sta­bi­li­tät füh­ren, lau­tet die War­nung. Be­son­ders ge­fähr­det sei­en je­ne Län­der, in de­nen die Ab­hän­gig­keit von Fisch als Ein­kom­mens­und Nah­rungs­quel­le groß ist. Im Se­ne­gal oder in In­do­ne­si­en et­wa de­cken die Men­schen bis zu 40 Pro­zent ih­rer Auf­nah­me an tie­ri­schem Ei­weiß durch Fisch ab. Auch an­de­re west­afri­ka­ni­sche Staa­ten wie Gui­nea und Gha­na so­wie süd­ost­asia­ti­sche Län­der wie Myan­mar und Ban­gla­desch sei­en ab­hän­gig vom Fisch. Für ei­ne op­ti­ma­le Be­wirt­schaf­tung der welt­wei­ten Be­stän­de brau­che es laut Stu­die Höchst­fang­men­gen, nur so wä­re Ar­ten­viel­falt ge­si­chert.

Vor al­lem auch eu­ro­päi­sche Kon­su­men­ten sind im Vi­sier: Sie hät­ten Fisch aus den ei­ge­nen, oft über­stra­pa­zier­ten Eu­ge­wäs­sern rech­ne­risch ge­se­hen be­reits zur Jah­res­mit­te auf­ge­ges­sen. Um den Hun­ger wei­ter zu stil­len, wer­de im­por­tiert.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.