Der steils­te Berg

Her­mann Wal­dy la­bo­riert an ei­ner in­kom­plet­ten Qu­er­schnitt­läh­mung. Der Weg zu­rück ist mü­he­voll.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIRER-SPORT -

MO­TOR­SPORT

Das hur­ti­ge Be­fah­ren kur­ven­rei­cher Berg­stra­ßen war mehr als ei­ne Pas­si­on. Berg­ren­nen be­stimm­ten die Schluss­pha­se der mo­tor­sport­li­chen Lauf­bahn des Her­mann Wal­dy, der sich in sei­nem Le­ben ge­gen­über an­de­ren Dis­zi­pli­nen wie Ral­lye und Au­to­cross auch nicht ganz ab­ge­neigt ge­zeigt hat­te. Und er brach­te es in den Ber­gen zu an­sehn­li­chen Er­fol­gen (6-fa­cher Staats­meis­ter). So ge­wann er so­gar ein­mal den Rech­berg-em-lauf.

In St. Aga­tha war er im Ok­to­ber im Vor­jahr noch Fünf­ter ge­wor­den – als er plötz­lich Schmer­zen in den Bei­nen ver­spür­te. Auf die Schmer­zen folg­ten Läh­mungs­er­schei­nun­gen – und seit 16. De­zem­ber be­fin­det sich der 69-Jäh­ri­ge in der Gail­tal-kli­nik. Die er­nüch­tern­de Dia­gno­se war: in­kom­plet­te Qu­er­schnitt­läh­mung. Die­ses Schick­sal teilt er mit Ski­sprin­ger Lu­kas Mül­ler. Bis 8. März soll Wal­dy in Her­ma­gor blei­ben, ein lang­wie­ri­ger Lei­dens­weg, den er be­schrei­ten muss. „Es kam aus hei­te­rem Him­mel. Es ist ein­fach schlimm, wenn du von heu­te auf mor­gen nicht mehr die ein­fachs­ten Din­ge er­le­di­gen kannst, für Toi­let­te und Du­sche Hil­fe be­nö­tigst, nicht ein­mal ei­nen Be­cher auf­he­ben kannst, der dir hin­un­ter­fällt.“Tag­täg­lich hat der Feld­kirch­ner ein über­aus an­stren­gen­des Re­ha-pro­gramm zu er­fül­len. Die Ärz­te und Be­treu­er küm­mern sich auf­op­fernd um ihn. „Sie leis­ten Un­glaub­li­ches. Ir­gend­wie wird es bes­ser, ein paar Schrit­te mit dem Rol­la­tor funk­tio­nie­ren so recht und schlecht“, er­zählt Wal­dy. Aber selbst Auf­ste­hen oh­ne Hil­fe geht gar nicht. Aus­lö­ser der Läh­mung war ein Pro­sta­takar­zi­nom, das den Wir­bel­kör­per in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen hat und die Ner­ven­bah­nen be­lei­dig­te. „Mei­ne Ner­ven wer­den per­ma­nent ge­prüft, mit stump­fen, mit spit­zen Na­deln“, er­zählt Wal­dy wei­ter.

Sein Kar­riere­ziel, das 50. Mo­tor­sport­jahr 2018, ist kein The­ma mehr. 1968 hat sei­ne Lauf­bahn be­gon­nen, mit ei­nem klei­nen Sim­ca 1000. Jetzt hat er nur noch ei­nen sehn­li­chen Wunsch: auf sei­nen Bei­nen das Kran­ken­haus ver­las­sen zu kön­nen. „Aber das sa­gen al­le, ich muss Rea­list blei­ben.“Aber ein Kämp­fer war er im­mer. Ger­hard Hof­städ­ter Her­mann Wal­dy

Her­mann Wal­dy in sei­nem Ele­ment GEPA, KK

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