„Hu­mor ist ein sen­si­bles In­stru­ment“

Der Star­te­nor, Buch­au­tor, Re­gis­seur, Ka­ri­ka­tu­rist und Clown Ro­lan­do Vil­la­zón in­sze­niert an der Oper Graz Gi­a­co­mo Puc­ci­nis Oper „La Ron­di­ne“.

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR - Von Eva Schulz

IN­TER­VIEW. Sie ha­ben „La Ron­di­ne“(Die Schwal­be) an der Deut­schen Oper Berlin in­sze­niert. Was führ­te Sie nach Graz? VIL­LA­ZÓN: In­ten­dan­tin No­ra Schmid hat in Berlin ei­ne Vor­stel­lung ge­se­hen und mich ge­fragt, ob ich glück­lich wä­re ... und ich war un­glaub­lich glück­lich! Ich war schon zwei Mal in Graz, im Mu­sik­ver­ein und in ei­ner Fern­seh­show. Es ist ei­ne tol­le Er­fah­rung, hier zu ar­bei­ten. Die Leu­te sind su­per­nett, je­der be­herrscht sei­ne Ar­beit sehr gut und das En­sem­ble ist ein­fach fan­tas­tisch.

Wur­de im Ver­gleich zur Ber­li­ner Fas­sung viel ver­än­dert? Es ist die­sel­be Ins­ze­nie­rung, trotz­dem gibt es Neu­es. Je­der Sän­ger in­ter­pre­tiert die Rol­le ja auf sei­ne per­sön­li­che Art. Es wird im­mer neu mit an­de­ren Künst­lern. Das Licht ist auch an­ders, weil man es an die­ses wun­der­schö­ne Thea­ter an­pas­sen muss, das Ti­ming ist an­ders. Das, wor­über ich in „La Ron­di­ne“spre­chen möch­te, bleibt.

Wor­über möch­ten Sie in „La Ron­di­ne“spre­chen? Ich möch­te über die Frei­heit spre­chen, die Rol­len der Frau, die Män­ner ihr zu­schrei­ben und aus der die Frau sich be­frei­en möch­te. Das ist ganz ak­tu­ell. In spä­te­ren Fas­sung Puc­ci­nis ist Mag­da ein Op­fer, sie darf we­gen ih­res frü­he­ren Le­bens­wan­dels nicht mit der ro­man­ti­schen Lie­be zu Rug­ge­ro glück­lich wer­den. Da­her ha­be ich be­wusst die ers­te Fas­sung ge­wählt, in der Mag­da selbst Ent­schei­dun­gen trifft. Ich ha­be auch ein Wort ver­än­dert. Mag­da sagt ja ur­sprüng­lich drei Mal zu Rug­ge­ro: „Ich kann nicht in dein Haus kom­men.“Ich ha­be den Di­ri­gen­ten ge­fragt – und Puc­ci­ni. Und bei mir sagt Mag­da beim drit­ten Mal: „Ich will nicht in dein Haus kom­men.“

Al­so kei­ner­lei Lan­ge­wei­le bei der zwei­ten Ins­ze­nie­rung? Nein! Ich bin sehr glück­lich, die­se Oper zum zwei­ten Mal zu in­sze­nie­ren, und bin mit viel Ener­gie und Neu­gier bei der Ar­beit.

Was ist Ih­nen bei Ih­rer Ar­beit be­son­ders wich­tig? Mir ist ganz wich­tig, dass das Pu­bli­kum ver­gisst, dass die Sän­ger in ei­ner Rol­le sind. Auch wenn wir nach „drau­ßen“sin­gen, die Be­zie­hungs­ge­schich­te muss nach „in­nen“ge­sun­gen wer­den. Ich glau­be auch, ei­ne Ins­ze­nie­rung soll vie­le Fra­gen ha­ben. Kunst muss Fra­gen stel­len und wir müs­sen die Ant­wor­ten selbst su­chen. Der Re­gis- seur soll nicht sa­gen: Mag­da steht für das. Und die Moral von der Ge­schich­te ist das. Und die mas­kier­ten Män­ner sind das.

Auch der Schluss bleibt of­fen. Man weiß nicht, ob Mag­da zu ih­rem Gön­ner, dem Ban­kier Ram­bal­do, zu­rück­keh­ren wird. Ich hof­fe nicht. Für mich nicht. Sie muss ein­fach wei­ter­flie­gen.

Sie sa­gen über die Oper: „Die Me­lo­di­en sind un­glaub­lich schön.“Und: „Die Mu­sik ist zart, schwe­bend, ir­gend­wo zwi­schen Oper und Ope­ret­te.“Wie ver­mei­den Sie ein Ab­glei­ten ins Kit­schi­ge? Man soll na­tür­lich nicht ge­gen die Mu­sik ar­bei­ten, man kann aber mit Licht, Hand­lung und sur­rea­len Bil­dern et­was da­ge­gen­spie­len. Ich will vi­su­ell ei­ne zu­sätz­li­che poe­ti­sche Ebe­ne ent­ste­hen las­sen, die tie­fer un­ter die Ober­flä­che vor­dringt als die Par­ti­tur, und ich su­che nach dem Ge­heim­nis­vol­len in den Cha­rak­te­ren.

Sie sind auch be­rühmt für Ih­ren Hu­mor. Fin­det der auch in „La Ron­di­ne“Platz? Ich ver­wen­de Witz und Iro­nie dort, wo Fi­gu­ren vom Ge­fühl nicht be­rührt wer­den möch­ten, sich dis­tan­zie­ren. Hu­mor ist ein In­stru­ment, das uns hilft, erns­der

Der be­kann­te Opern­sän­ger

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