Welt­weit ge­frag­ter Ter­ro­ris­mus­ex­per­te

Pe­ter Ne­u­mann kennt den IS wie kaum ein an­de­rer Wis­sen­schaft­ler.

Kleine Zeitung Steiermark - - FREITAG, 13. JÄNNER 2017 -

Sein Bü­ro wirkt nicht gera­de wie die Welt­zen­tra­le der wis­sen­schaft­li­chen Ter­ror­be­kämp­fung. Pe­ter Ne­u­mann sitzt in ei­nem klei­nen Eck­raum ziem­lich weit oben und ziem­lich weit hin­ten im ehr­wür­di­gen King’s Col­le­ge am Lon­do­ner Strand in Fuß­wei­te zur Them­se. Gut, ein Ter­ro­rist fin­det den deut­schen Pro­fes­sor und Di­rek­tor des In­ter­na­tio­na­len Zen­trums für Stu­di­en zur Ra­di­ka­li­sie­rung dort auch kaum. Ei­ner­seits ist er fast un­auf­find­bar und an­de­rer­seits ist Ne­u­mann oh­ne­hin stän­dig un­ter­wegs. Kaum ein Ter­ror­ex­per­te ist welt­weit so ge­fragt wie der 42-Jäh­ri­ge, der seit 17 Jah­ren in Lon­don lebt. Er be­schäf­tigt sich seit zwei Jahr­zehn­ten mit den Ur­sa­chen und Hin­ter­grün­den von Ter­ro­ris­mus, da­mit, wie sich Men­schen ra­di­ka­li­sie­ren, und ist Au­tor zahl­rei­cher Bü­cher. Und weil der Po­li­to­lo­ge, der in Ber­lin und Bel­fast stu­diert hat, die Ra­di­ka­li­sie­rungs­ten­den­zen schon seit Jah­ren prä­zi­se vor­aus­sagt, ru­fen ihn Sen­der wie CNN, Al Ja­ze­e­ra, BBC, ARD und der ORF re­gel­mä­ßig an. Kaum ei­ner weiß über den IS und sei­ne Kämp­fer mehr, kaum ei­ner hat die Ge­fahr der Ter­ror­mi­liz so früh in ih­rer Ge­samt­heit er­kannt und er­fasst. Des­halb wird er von den Ver­ein­ten Na­tio­nen nach New York ein­ge­la­den, um die ver­sam­mel­te Staa­ten­ge­mein­schaft über die La­ge im Kampf­ge­biet des IS auf­zu­klä­ren. Und auch die Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz lädt ihn je­des Jahr als Ex­per­ten ein. Nun soll er die OSZE als Son­der­be­auf­trag­ter zum The­ma Ra­di­ka­li­sie­rung be­ra­ten. „Wir müs­sen da­mit auf­hö­ren, zu sa­gen: Der Ter­ro­ris­mus ist et­was, was von au­ßen kommt“, sag­te Ne­u­mann der Klei­nen Zei­tung im Ok­to­ber in Lon­don. „Die­ser Ter­ro­ris­mus kommt aus un­se­rer Ge­sell­schaft, er ent­wi­ckelt sich aus Span­nun­gen in un­se­rer Ge­sell­schaft und der Art und Wei­se, wie sich un­se­re Ge­sell­schaft ver­hal­ten hat. Wir müs­sen ak­zep­tie­ren, dass das ein Teil von uns ist.“In­go Ha­se­wend

Pe­ter Ne­u­mann ist Ter­ro­ris­mus­ex­per­te am Lon­do­ner King’s Col­le­ge

APA

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