Kopf­tü­cher im öf­fent­li­chen Raum ver­bie­ten?

Dem Schutz der Frau­en vor se­xu­el­len Über­grif­fen, es ist kein re­li­giö­ses Sym­bol des Is­lam. Frau­en soll­ten sich aber heu­te nicht mehr ver­hül­len müs­sen.

Kleine Zeitung Steiermark - - PRO & KONTRA - Von Sey­ran Ates

FRA­GE DER WO­CHE

Das Kopf­tuch dien­te einst

We­der in ei­nem Ge­richts­saal, noch im Klas­sen­zim­mer soll­te es Kopf­tü­cher ge­ben, welt­weit. Frau­en soll­ten aber im Pri­va­ten, wenn sie aus Gott­ge­fäl­lig­keit ein Kopf­tuch tra­gen wol­len, al­so nicht aus Mann­ge­fäl­lig­keit, da­ran nicht ge­hin­dert wer­den. Es gilt, die Mäd­chen und Frau­en da­hin­ge­hend zu stär­ken, dass sie sich von kei­nem Men­schen da­zu zwin­gen las­sen.

1923, mit der Grün­dung der Tür­ki­schen Re­pu­blik, wur­de das Kopf­tuch in al­len öf­fent­li­chen Äm­tern ver­bo­ten. Dem hat Er­dog˘an ein En­de be­rei­tet. In al­len is­la­mi­schen Län­dern po­la­ri­siert die Ver­schleie­rung der Frau­en die Ge­sell­schaft. Es teilt die Frau­en in from­me und nicht from­me, in gu­te und schlech­te Mus­li­min­nen.

Die Kopf­tuch­fra­ge ist da­her nicht nur aus dem Blick­win­kel des Wes­tens und den Er­run­gen­schaf­ten ei­ner of­fe­nen li­be­ra­len Ge­sell­schaft zu be­wer­ten. Die re­li­giö­sen Vor­schrif­ten aus dem Koran sind mehr als um­strit­ten. Ei­ne his­to­risch-kri­ti­sche Be­trach­tung macht deut­lich, dass da­s­kopf­tuch da­mals zum Schutz der Frau­en vor se­xu­el­len Über­grif­fen dien­te. Frau­en soll­ten sich aber heu­te nicht mehr ver­hül­len müs­sen, da­mit Män­ner ih­re se­xu­el­len Trie­be zu­rück­hal­ten. Es ist mehr als ver­lo­gen, wenn die­ser Aspekt klein­ge­re­det und die an­geb­lich re­li­giö­sen Mo­ti­ve der Ver­hül­lung be­haup­tet wer­den. Nein, das Kopf­tuch ist kei­ne re­li­giö­se Pflicht. Es ge­hört nicht zu den fünf Säu­len des Is­lam. Bei dem Kopf­tuch geht es dar­um, dass sich die Ge­schlech­ter, al­so bei­de, ge­gen­sei­tig se­xu­ell zu­rück­hal­tend ver­hal­ten sol­len. Das geht heut­zu­ta­ge Gott sei Dank auch oh­ne Kopf­tuch oder sons­ti­ge Ver­hül­lung. Der Is­lam kennt kei­ne re­li­giö­sen Sym­bo­le wie das Kreuz und die Kip­pa. Da­her hin­ken auch die­se Ver­glei­che.

Ei­ne Viel­zahl von Eu­ro­pä­ern, vor al­lem nicht­mus­li­misch und männ­lich, er­he­ben sich in Sa­chen Kopf­tuch zu Min­der­hei­ten­be­schüt­zern, zu An­wäl­ten, der Frei­heit, sich zu ver­schlei­ern, sind Ex­per­ten in Sa­chen Is­lam und Ver­hül­lung. Es geht ih­nen um den „An­blick“der Ver­schleie­rung. Dem­zu­fol­ge füh­ren die­se Kul­tur­re­la­ti­vis­ten die Dis­kus­si­on aus der Per­spek­ti­ve: „Stört es mich, wenn ich ei­ne Bur­ka auf der Stra­ße se­he? Wie vie­le gibt es über­haupt in Ös­ter­reich?“Im In­ter­net ru­fen sie Bil­der auf, zu Bur­ka, Ni­kab, Hi­dschab, Tscha­dor, Kopf­tuch und er­klä­ren uns, dass wir falsch dis­ku­tie­ren. So kann man lan­ge um den hei­ßen Brei her­um­tan­zen.

Egal, wel­che Form der Ver­hül­lung: Es geht um die Men­schen­wür­de und das Selbst­be­stim­mungs­recht von Frau­en. Nicht, ob der Wes­ten den An­blick der Kopf­tü­cher er­trägt oder nicht. Je­der mo­der­ne Staat sol­le sei­ne Hal­tung da­zu wah­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.