Nicht die glei­che Pro­ze­dur je­des Jahr wie

Beim tra­di­tio­nel­len Neu­jahrs­tref­fen hol­te FPÖ-CHEF HC Stra­che zum ge­wohn­ten Rund­um­schlag aus. Doch der blaue Auf­takt in Salz­burg war kein ganz nor­ma­ler.

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK - Von Klaus Knit­tel­fel­der

RE­POR­TA­GE.

Höl­le! Höl­le! Höl­le!“Schon kurz vor zehn Uhr vor­mit­tags schallt der Re­frain von Wolf­gang Pe­trys 80er­par­ty­hym­ne aus Dut­zen­den Fpö-keh­len durch die Salz­bur­ger Mes­se­hal­le. Von der Büh­ne aus peitscht die John Ot­ti Band die auf den Bier­bän­ken sit­zen­den und hüp­fen­den Gäs­te ein. „Die Leit san guat drauf“, stellt ein jun­ger Salz­bur­ger in ei­nem blau-weiß ka­rier­ten Hemd und Zi­ga­ret­te hin­ter dem Ohr fest.

Wie je­des Jahr beim Fpöjah­res­auf­takt.

In der gut ge­füll­ten Hal­le wer­den be­reits rot-weiß-ro­te Fah­nen ge­schwenkt, ver­ein­zelt hört man „HC! HC! Hc!“-chö­re. Die meis­ten Gäs­te ha­ben sich in die Tracht ge­wor­fen, das Bier fließt.

Wie je­des Jahr beim Fpöjah­res­auf­takt.

Und in den Re­den ho­len Stra­che & Co zu ei­nem Rund­um­schlag ge­gen sämt­li­che po­li­ti­sche Mit­be­wer­ber aus. Man rügt die Re­gie­rung (Ge­ne­ral­se­kre­tär Her­bert Kickl will sie „zum Mond schie­ßen“), kri­ti­siert ins­be­son­de­re die Zu­wan­de­rungs­po­li­tik (Stra­che will der „Po­li­tik der Is­la­mi­sie­rung ein En­de set­zen“) und blickt auf Wah­l­er­fol­ge zu­rück („was für ein sen­sa­tio­nel­les Jahr“).

Wie je­des Jahr

Und doch war es kein ganz nor­ma­ler Fpö-auf­takt, und das nicht nur we­gen des Rauch­ver­bots in der Salz­bur­ger Mes­se­hal­le. Denn erst­mals exis­tiert ne­ben Stra­che mit Nor­bert Ho­fer ein zwei­tes pro­mi­nen­tes Ge­sicht. „Mir taugt er ei­gent­lich mehr, weil er ru­hi­ger ist“, sagt ein grau­haa­ri­ger Mur­ta­ler mit beim Fpöjah­res­auf­takt.

DGams­bart-an­ste­cker am Re­vers sei­nes Trach­ten­jan­kers. Stra­che, mischt sich ein jün­ge­rer Mann in der Kä­se­krai­ner­schlan­ge ein, „schreckt vi­el­leicht ein paar Leu­te ab“.

„Al­les Blöd­sinn, das wird zur Un­ru­he­stif­tung von au­ßen an uns her­an­ge­tra­gen“, will Ma­rio Ku­na­sek, Chef der stei­ri­schen Blau­en, auf­klä­ren. „Vor dem Ho­fer wa­ren wir die ,One-man­show‘, jetzt passt’s wie­der nicht“, sagt er. Ein Mann mit Flin­serl, Bier und Frank­fur­ter mit Senf ist der­sel­ben Mei­nung, drückt es aber bra­chia­ler aus: „Des san die Links­lin­ken, die lü­gen! Stra­che fo­re­ver“, hält er fest. Das The­ma scheint je­den­falls auch der Par­tei­spit­ze wich­tig zu sein: So stel­len Kickl, Ho­fer und Stra­che selbst mehr­mals klar, wer denn hier der Chef sei: „HC Stra­che ist der ein­zi­ge ech­te Hoff­nungs­trä­ger Ös­ter­reichs“schreit Kickl in die Hal­le. Stra­che wird spä­ter in sei­ner fast zwei­stün­di­gen, laut ei­ner blon­den Frau „ein bis­serl lang­at­mi­gen“Re­de noch sa­gen, dass Ho­fer ihn „auf dem Weg zum Kanz­ler un­ter­stützt“. Zwi­schen ihn und Ho­fer pas­se „kein Blatt Zei­tungs­pa­pier“. Ho­fer, der un­ter to­sen­dem Ap­plaus die Büh­ne be­tritt, will eben­falls be­ru­hi­gen: „Un­ser Plan A heißt HC Stra­che“, spielt er auf die Re­de des Bun­des­kanz­lers Chris­ti­an Kern (SPÖ) an. ie­ser be­kommt in den Re­den auch or­dent­lich sein Fett ab – der FPÖ-CHEF nennt ihn bei­spiels­wei­se „Slim­fit-trump“– ist aber nicht der Haupt­adres­sat in Stra­ches Schimpf­ti­ra­de. Das ist viel eher Asyl-hard­li­ner und ÖVP-HOFF-

Dnung Se­bas­ti­an Kurz. Die­ser sei ei­ne „Ko­pier­ma­schi­ne“und ge­he „je­de Nacht mit dem Fpö­pro­gramm schla­fen“wer­fen ihm Stra­che und Kickl vor. Und Kurz soll an die­sem Tag noch so ei­ni­ges aus­ge­rich­tet be­kom­men: So sei er Stra­che zu­fol­ge et­wa ein „fal­scher 30er“, ein „Dampf­plau­de­rer“, ein „fal­scher Pro­phet“, ei­ne „bil­li­ge Ko­pie“, „schön ge­klei­de­te hei­ße Luft“, „halb­weich“und „nur mit Mar­ke­ting-luft­bal­lons auf­ge­bla­sen“. Kurz „ver­kauft die Ös­ter­rei­cher für dumm“, dies tue die ÖVP nun auch mit dem „Ober­gren­zen-schmäh“. och nicht al­le in der Hal­le ge­hen mit dem Au­ßen­mi­nis­ter so hart ins Ge­richt. Ein jun­ger Blau­wäh­ler klagt, dass Kurz „lei­der bei der ÖVP“sei. Ei­ner Da­me mit blau­en Fin­ger­nä­geln ge­fällt in­des, dass er „meis­tens fair zur FPÖ und zu­dem fesch ist“. Und zwei aus Bay­ern an­ge­reis­te Funk­tio­nä­re der deut­schen Rechts­par­tei „Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land“(AFD) fin­den Kurz gar „hoch ta­len­tiert“.

Und letzt­end­lich war noch et­was neu beim blau­en Auf­takt: Die Frei­heit­li­chen, die heu­er mit Neu­wah­len rech­nen, wol­len sich laut Stra­che mit ei­nem Wirt­schafts­pro­gramm aufs Re­gie­ren vor­be­rei­ten. Und das even­tu­ell nicht ganz un­be­rech­tigt: Laut ei­ner ak­tu­el­len „pro­fil“-um­fra­ge steht fast je­der Zwei­te ei­ner Fpö-re­gie­rungs­be­tei­li­gung mitt­ler­wei­le po­si­tiv ge­gen­über. „Wir sind so nah am Ziel wie nie zu­vor“, ju­belt Stra­che – um das Fest dann doch in ge­wohn­ter Ma­nier zu be­en­den: Und zwar mit der Bun­des­hym­ne und ei­nem John-ot­ti-song.

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