ÖVP hält noch an Buch­mann fest

Lan­des­rat Buch­mann muss Dok­tor­ti­tel wohl ab­ge­ben, Rück­tritt ist noch of­fen / Per­so­nal­um­bau­ten bei den Grü­nen plat­zen in den Gra­zer Wahl­kampf.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK - Ernst Sit­tin­ger

In der Pla­gi­ats­af­fä­re um Wirt­schafts­lan­des­rat Chris­ti­an Buch­mann wird es für die ÖVP jetzt eng. Denn die Hoff­nung, dass Buch­mann sei­nen Dok­tor­ti­tel be­hal­ten darf, hat sich wohl zer­schla­gen. Die in der Cau­sa ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten, die der Klei­nen Zei­tung vor­lie­gen, sa­gen klar: Die Uni­ver­si­tät Graz soll Buch­mann den Dok­tor­ti­tel ab­er­ken­nen.

Zu­nächst hat­te, wie be­rich­tet, der Salz­bur­ger Pla­gi­ats­jä­ger Ste­fan We­ber auf 29,6 Pro­zent der 179 Dis­ser­ta­ti­ons­sei­ten ver­däch­ti­ge Stel­len ge­fun­den. We­ber schreibt von „zum Teil mas­si­ven Pla­gia­ten aus der bun­des­deut­schen Li­te­ra­tur“. Dann wur­den im Herbst zwei wei­te­re Gut­ach­ten er­stellt. Sie ent­hal­ten über­wie­gend Be­las­ten­des: Die „Ge­samt­schau“zei­ge „ei­ne Fül­le for­ma­ler Feh­ler“und zwar bis hin zur „Über­nah­me von Text­stel­len voll­kom­men oh­ne Of­fen­le­gung der Fremd­au­to­ren­schaft“. Buch­mann ha­be „we­der Glie­de­rung noch In­hal­te selbst er­ar­bei­tet“. Der zwei­te Gut­ach­ter wird noch deut­li­cher: Auch bei wohl­wol­len­der Aus­le­gung hand­le es sich um schwe­re Re­gel­ver­stö­ße. „Ich bin da­her zur Über­zeu­gung ge­langt, dass man die Pro­mo­ti­on ab­er­ken­nen soll­te.“

Der Ball liegt nun bei der Uni: Vi­ze­rek­tor Mar­tin Po­la­schek muss über die Fol­gen ent­schei­den. In der ÖVP rech­net man in­zwi­schen fix da­mit, dass Buch­mann sei­nen „Dok­tor“ab­ge­ben muss. Ein­zi­ge Hoff­nung: Man zieht in­tern al­le Re­gis­ter, da­mit die Aber­ken­nung erst nach der Graz-wahl am 5. Fe­bru­ar er­folgt. Dann soll Buch­mann sei­nen Rück­tritt an­bie­ten, so der Plan. Ob ÖVP-CHEF Her­mann Schüt­zen­hö­fer den Rück­tritt an­nimmt, ist noch of­fen. Im­mer­hin ist der Lan­des­rat po­li­tisch er­folg­reich und wird weit­hin ge­schätzt. Soll­te er aber ge­hen müs­sen, dürf­te Klub­ob­frau Bar­ba­ra Ei­bin­ger-miedl – der­zeit in Ba­by­ka­renz – als Lan­des­rä­tin nach­rü­cken.

Ein Per­so­nal­wech­sel kurz vor ei­ner wich­ti­gen Wahl: Das war frü­her ta­bu, scheint jetzt aber in Mo­de zu kom­men. Im Vor­jahr tausch­te die ÖVP kurz vor der Hof­burg­wahl den In­nen­mi­nis­ter. Jetzt wie­der­holt sich das im Klei­nen: Die stei­ri­schen Grü­nen ga­ben mit­ten im Gra­zer Ge­mein­de­rats­wahl­kampf ei­ne Rocha­de im Land­tags­klub be­kannt. Die Mürz­zu­schla­ge­rin La­ra Köck (30) folgt auf Sa­bi­ne Jungwirth (48), die mit Jah­res­be­ginn zur Bun­des­ob­frau der Grü­nen Wirt­schaft auf­stieg.

Al­ler­dings er­folgt der Man­dats­wech­sel erst im März, und vie­les spricht da­für, dass die Grü­nen ihn erst nach der Graz-wahl be­kannt ge­ben woll- ten. Dem kam je­doch ei­ne In­dis­kre­ti­on zu­vor. In Wi­en wur­de be­kannt, dass Bun­des­par­tei­che­fin Eva Gla­wi­sch­nig drei Mit­glie­der im zehn­köp­fi­gen Bun­des­vor­stand tauscht – un­ter den drei Neu­en ist auch Köck. Gla­wi­sch­nig be­grün­det das so: „Sie wä­re auf der Bun­des­lis­te die nächs­te Nach­rü­cke­rin und hat beim letz­ten Mal knapp ein Man­dat ver­passt.“

Dass die neu­en Vor­stands­leu­te vor­erst nicht ba­sis­de­mo­kra­tisch ge­wählt, son­dern von Gla­wi­sch­nig so­zu­sa­gen per Zu­ruf de­si­gniert wur­den, ist für die Grü­nen un­ge­wöhn­lich und sorgt nicht nur für Freu­de. Ver­schnupft ist et­wa Land­tags­klub­ob­mann Lam­bert Schön­leit­ner, der von der Ent­schei­dung erst spät in­for­miert wur­de. Im Ge­gen­zug dürf­te er nun da­für sor­gen, dass die drit­te stei­ri­sche Grün­man­da­ta­rin, San­dra Kraut­waschl, dem­nächst ei­nen Sitz im an­de­ren Par­tei­füh­rungs­gre­mi­um, dem „Er­wei­ter­ten Bun­des­vor­stand“, er­hält.

Im Hin­ter­grund geht es um die Fra­ge, wie „links“oder wie „bür­ger­lich“die Grü­nen auf­tre­ten. Der Tausch im Bun­des­vor­stand wird als Links­ruck ge­se­hen, was Gla­wi­sch­nig be­strei­tet. Zur Gra­zer Wahl, zu der Grü­nen mit Ti­na Wirns­ber­ger an­tre­ten, sagt Gla­wi­sch­nig: „Ich wür­de Schwarz-grün sehr be­grü­ßen, aber ich fürch­te, das wird sich rech­ne­risch nicht mehr aus­ge­hen.“ Köck folgt im Land­tag auf Jungwirth

„Pro­mo­ti­on ab­er­ken­nen“: Die von der Ös­ter­rei­chi­schen Agen­tur für wis­sen­schaft­li­che In­te­gri­tät er­stell­ten Gut­ach­ten üben har­te Kri­tik an Buch­manns Dis­ser­ta­ti­on

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