Ers­te Re­ak­tio­nen des Zer­falls

In ih­rer Re­de heu­te wird die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May ih­re Br­ex­it-stra­te­gie ver­kün­den. In Brüs­sel schweigt man nur.

Kleine Zeitung Steiermark - - DIENSTAG, 17. JÄNNER 2017 -

BRÜS­SEL

In der Fra­ge um den bri­ti­schen Ab­schied aus der EU ver­folgt die Kom­mis­si­on ei­ne eher­ne Li­nie: kein Kommentar! Das galt auch am Tag vor der Br­ex­it-re­de von Re­gie­rungs­che­fin The­re­sa May – nach der An­deu­tung von Fi­nanz­mi­nis­ter Phi­lip Ham­mond, aus sei­nem Land nach dem Euaus­tritt ei­ne in­su­la­re Steu­er­oa­se zu ma­chen. Oh­ne­hin be­stimm­te ein an­de­rer die De­bat­te: Der künf­ti­ge Us-prä­si­dent sieht wei­te­re Eu-staa­ten dem Bei­spiel fol­gen: „Wir ha­ben das In­ter­view mit In­ter­es­se ge­le­sen“, hieß es aus Brüs­sel.

Bis März gilt: nur nicht wa­ckeln. Dann reicht Mays Re­gie­rung ihr Aus­tritts­ge­such ein. Un­ter­händ­ler Mi­chel Bar­nier hat das Ziel aus­ge­ge­ben, die Ver­hand­lun­gen bis Ok­to­ber 2018 ab­zu­schlie­ßen. May will ei­nen „sau­be­ren Schnitt“, hieß es zu­letzt. Dem­nach strebt sie ei­ge­ne Frei­han­dels­ab­kom­men an. May will vor al­lem die Zu­wan­de- Auf The­re­sa May kom­men stür­mi­sche Zei­ten zu rung aus der EU be­gren­zen. Of­fi­zi­ell hält die Uni­on un­ver­rück­bar an den Bin­nen­markt­prin­zi­pi­en fest: Frei­heit von Wa­ren-, Ka­pi­tal-, Di­enst­leis­tungs- und Per­so­nen­ver­kehr. Doch dar­an wird lei­se ge­rüt­telt. Po­lens Re­gie­rungs­che­fin Bea­ta Szy­dło hat nach dem Tref­fen mit May ein Ab­rü­cken an­ge­deu­tet, wenn pol­ni­sche Ar­bei­ter im Kö­nig­reich ein Blei­be­recht er­hal­ten. Um­ge­hend wies der Eu-rats­chef das An­sin­nen zu­rück. In der Vor­wo­che hat­te Kanz­ler Chris­ti­an Kern Be­schrän­kun­gen der Ar­beit­neh­mer­frei­zü­gig­keit an­ge­regt. Wie­der schwieg die Kom­mis­si­on. Nur kei­ne Zer­strit­ten­heit der­zeit.

Auch Ham­monds Vor­stoß ei­nes Steu­er­ra­batts ist nicht neu. May hat­te schon ein­mal über ei­ne nied­ri­ge­re Kör­per­schafts­steu­er sin­niert. Um­ge­hend kam Wi­der­spruch aus Ber­lin: Die Bri­ten sei­en nicht al­lein durch Eu-re­geln ge­bun­den, son­dern durch G20­be­schlüs­se.

Fünf Mil­li­ar­den Eu­ro be­trägt der Eu-bei­trag Groß­bri­tan­ni­ens. Geld, das ein­ge­spart wer­den muss. Im deut­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um gibt es Über­le­gun­gen, För­der­gel­der an ei­nen ge­samt­eu­ro­päi­schen Nut­zen zu kop­peln. Das sorgt für Un­ru­he in den Emp­fän­ger­län­dern Po­len und Un­garn. Just je­ne Staa­ten, die in der Flücht­lings­po­li­tik brem­sen. Die wah­ren Br­ex­it-be­las­tun­gen kom­men noch.

Pe­ter Ries­beck, Brüs­sel

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