Der An­ti-schulz aus Rom

Auf Samt­pfo­ten ist An­to­nio Ta­ja­ni an die Spit­ze des Eu-par­la­ments ge­langt.

Kleine Zeitung Steiermark - - DONNERSTAG, 19. JÄNNER 2017 -

Vor ein paar Mo­na­ten schien es noch, als sei er der Ein­zi­ge, der an sich glaub­te. Der fest dar­an glaub­te, dass er an die Spit­ze des Eu­ro­pa­par­la­ments ge­wählt wer­den könn­te. Zu sehr schien er kom­pro­mit­tiert durch sei­ne Nä­he zu Ita­li­ens ge­fal­le­nem Ex-pre­mier Sil­vio Ber­lus­co­ni, sei­nem al­ten Men­tor und Freund.

Doch am En­de hat es An­to­nio Ta­ja­ni, 63, al­len ge­zeigt. Und er tat das nicht, in­dem er den gro­ßen Zam­pa­no her­vor­kehr­te, wie man das von sei­nem Vor­gän­ger, Mar­tin Schulz, ge­wohnt war. Son­dern der elo­quen­te, bes­tens ver­netz­te und stets ele­gant ge­klei­de­te Kon­ser­va­ti­ve zog al­le Re­gis­ter sei­ner Über­re­dungs­kunst, warb hin­ter den Ku­lis­sen mit Charme, Fleiß und Be­harr­lich­keit in der ei­ge­nen Frak­ti­on und beim po­li­ti­schen Geg­ner für sich, um jetzt, da er gleich­sam auf Samt­pfo­ten sein Ziel er­reicht hat, das Ver­spre­chen ab­zu­ge­ben, ein „Prä­si­dent für al­le“zu sein.

Po­li­tisch ist das ein Mi­ni­mal­pro­gramm. Aber gro­ße Vi­sio­nen, so heißt es, sei­en von Ta­ja­ni so­wie­so nicht zu er­war­ten. Der in Rom ge­bo­re­ne Sohn ei­nes Luft­waf­fen­of­fi­ziers gilt als ge­schmei­di­ger Prag­ma­ti­ker. Ideo­lo­gi­sche Ei­fe­rei ist ihm fremd. Sei­ne ers­ten po­li­ti­schen Geh­ver­su­che bei den Jung­mon­ar­chis­ten en­de­ten ab­rupt, als ihm lin­ke Mit­schü­ler da­für ei­ne Tracht Prü­gel ver­pass­ten. Erst sei­ne Ar­beit als Re­dak­teur bei der Ta­ges­zei­tung „Il Gior­na­le“führ­te den stu­dier­ten Ju­ris­ten so rich­tig in die Po­li­tik an Ber­lus­co­nis Sei­te, mit dem er die „For­za Ita­lia“grün­de­te und dem er als Pres­se­spre­cher dien­te.

In das Eu-par­la­ment wur­de Ta­ja­ni zum ers­ten Mal 1994 ge­wählt, 2008 wur­de er vom „Ca­va­lie­re“als Eu-kom­mis­sar nach Brüs­sel ent­sandt, wo er in der Ab­gas­af­fä­re al­les an­de­re als „bel­la fi­gu­ra“mach­te. Ge­fäl­lig­keit ge­gen­über der Au­to­lob­by warf man ihm da­mals vor. Doch der Kar­rie­re des „Pre­si­den­te“hat es kei­nen Ab­bruch ge­tan. Stefan Wink­ler

An­to­nio Ta­ja­ni ist ein ge­schmei­di­ger Prag­ma­ti­ker der Macht AP/BADIAS

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