Das Fi­as­ko des Fies­co

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR | 79 - Von Er­win Hir­ten­fel­der er­win.hir­ten­fel­der@klei­ne­zei­tung.at

DMie Ver­schwö­rung des Fies­co zu Ge­nua‘ war ein Fi­as­ko“, be­lieb­te der ver­ehr­te Deutsch­leh­rer zu sa­gen und mein­te da­mit die nie­der­schmet­tern­den Pu­bli­kums­re­ak­tio­nen auf Fried­rich Schil­lers Erst­vor­stel­lung sei­nes gleich­na­mi­gen Dra­mas im Jah­re 1782. „Das Al­ler­schlech­tes­te, was ich je in mei­nem Le­ben ge­hört ha­be“, ur­teil­te da­mals ein ent­täusch­ter Zu­hö­rer.

Was auf den ers­ten Blick nach ei­nem Fi­as­ko aus­schaut, muss aber nicht im­mer so en­den, wie uns die Mu­sik- und Thea­ter­ge­schich­te lehrt. Ähn­li­che De­ba­kel er­leb­ten bei der Urauf­füh­rung auch Gi­a­co­mo Puc­ci­ni mit sei­ner „Bo­hè­me“, Gi­u­sep­pe Ver­di mit sei­ner „Tra­viata“oder Mau­rice Ra­vel mit dem „Bo­lé­ro“. anch­mal braucht es ein­fach nur ein we­nig Zeit, bis ein Fi­as­ko doch noch zum Tri­umph wird. Dies gilt auch für schein­bar lang­wei­li­ge Un­ter­richts­stun­den, die dank ge­lehr­ter Esels­brü­cken oft erst nach Jahr­zehn­ten Früch­te tra­gen. Und sei es nur in Gestalt ei­ner Glos­se.

„Fias­co“nennt man in Ita­li­en üb­ri­gens ei­ne mit Stroh um­hüll­te „Fla­sche“, aus der frü­her auch wäh­rend der Thea­ter­auf­füh­run­gen ger­ne Wein ge­trun­ken wur­de. Und die bei Miss­fal­len des Stücks nicht sel­ten auf der Büh­ne lan­de­te – ein Fi­as­ko mit vie­len Scher­ben, die zu­wei­len auch spä­tes Glück brin­gen konn­ten.

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