Ra­che ei­nes Zer­mürb­ten: Por­trät der Ge­ne­ra­ti­on Y

Der neue Aus­tro„tat­ort“ist ein Wett­lauf ge­gen die Zeit: Bi­bi Fell­ner und Mo­ritz Eis­ner su­chen ei­nen jun­gen Vor­zei­ge­stu­den­ten, der auf Ra­che aus ist – ge­gen das Sys­tem.

Kleine Zeitung Steiermark - - MEDIEN -

TAT­ORT: SCHOCK I

Was pas­siert im heu­ti­gen „Tat­ort“fall aus Wi­en? ANT­WORT: Im Netz taucht ein Vi­deo auf. Da­vid, Vor­zei­ge­stu­dent aus gut si­tu­ier­tem Haus, sagt dar­in: „Ich wer­de mei­ne Mut­ter, mei­nen Va­ter und an­schlie­ßend mich selbst tö­ten. Und ich wer­de mich be­mü­hen, Ih­nen zu er­klä­ren, war­um.“Da sich der Clip ra­sant ver­brei­tet und der Va­ter ein pro­mi­nen­ter Uni­pro­fes­sor ist, muss die Po­li­zei schnell han­deln. Und was ist das über­ge­ord­ne­te The­ma des Falls? ANT­WORT: Die Per­spek­ti­ven­lo­sig­keit der Ge­ne­ra­ti­on Y: Re­gis­seur Ru­pert Hen­ning zeich­net ein düs­te­res Bild von jun­gen Men­schen, die vom Leis­tungs­druck auf­ge­fres­sen wer­den. Egal, wie sehr sie sich an­stren­gen und wie vie­le Am­phet­ami­ne sie neh­men, ih­re Aus­sich­ten sind so blass wie ih­re Ge­sich­ter. Stärks­ter Satz des Kri­mis: „Wir sind süch­tig aus Ver­nunft. Star­ker Stoff. Wie schla­gen sich die Kom­mis­sa­re Eis­ner und Fell­ner? ANT­WORT: Sa­gen wir so: Sie he­cheln dem jun­gen Mann (stark: Aa­ron Karl) hin­ter­her. Er legt fal­sche Fähr­ten und führt sie in die Ir­re. Bi­bi Fell­ner (Ade­le Neu­hau­ser) muss ei­nen küh­len Kopf be­hal­ten, da Mo­ritz Eis­ner (Ha­rald Krass­nit­zer) durch sei­ne Toch­ter selbst in­vol­viert ist – ab­ge­lutsch­te Ne­ben­sto­ry zum an sich span­nend aus­ge­leuch­te­ten Ge­ne­ra­tio­nen­kon­flikt. Was ist denn das Be­son­de­re an die­sem Kri­mi? ANT­WORT: Es gibt zu­nächst kei­ne Lei­che, son­dern nur die An­kün­di­gung von den Ta­ten. Die Er­mitt­lungs- ist in die­sem Fall Ver­hin­de­rungs­ar­beit in ei­nem kühl in­sze­nier­ten Kri­mi im Aka­de­mi­ker-mi­lieu. Wo­mit punk­tet der Aus­tro-„tat­ort“? ANT­WORT: Wie ge­wohnt mit char­mant gran­teln­dem Wie- ner Amts­deutsch (z. B. „Korin­then­ka­cker“) und mit ei­ner Ge­schich­te, die aus der Sicht der jun­gen Wohl­stands­ver­lie­rer oh­ne gro­ße Lob­by im Rü­cken er­zählt wird und Pro­ble­me schmerz­haft di­rekt be­nennt. Wel­che Schwä­chen weist der Kri­mi aus Wi­en auf? ANT­WORT: Die äs­the­ti­sier­te, ver­kopf­te Spra­che der Jun­gen nervt schnell. Und ein Ge­ne­ra­lär­ger­nis bei der „Tat­ort“rei­he bleibt auch die­ses Mal nicht aus: die blö­de Ver­schleie­rungs­tak­tik bei der Be­zeich­nung für In­ter­net oder so­zia­le Me­di­en. Die­ses Mal tarnt sich Youtube als „Darktu­be“. Soll man heu­te Abend um 20.15 Uhr ein­schal­ten? ANT­WORT: Ja. Ers­tens, weil Ade­le Neu­hau­ser als Bi­bi Fell­ner im­mer ei­ne Wucht ist. Und zwei­tens, weil das The­ma ga­ran­tiert zu Dis­kus­sio­nen über die Hoch­leis­tungs­ge­sell­schaft an­regt. Ju­lia Schaf­fer­ho­fer

Mo­ritz Eis­ner (Ha­rald Krass­nit­zer) traut dem Freund sei­ner Toch­ter nicht. Ist er in den Fall in­vol­viert? APA

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