Die Un­ge­wiss­heit als Wur­zel al­ler Ra­di­ka­li­tät

Kleine Zeitung Steiermark - - MEINUNGEN 7 -

Auf der Su­che nach den Grün­den für den Er­folg von Po­pu­lis­ten wie Do­nald Trump, nach den Grün­den für die zu­neh­men­de Ag­gres­si­vi­tät in so­zia­len Netz­wer­ken bie­tet sich ein Blick in das neue Werk des So­zi­al­psy­cho­lo­gen Ernst-die­ter Lan­ter­mann an. „Die ra­di­ka­li­sier­te Ge­sell­schaft“(C. Ber­tels­mann, 224 Sei­ten, 20,60 Eu­ro) ent­schlüs­selt die Lo­gik des Fa- na­tis­mus schon seit drei Jahr­zehn­ten und setzt im Deu­tungs­streit um ei­ne (ge­fühlt oder tat­säch­lich?) bru­ta­ler wer­den­de Ge­sell­schaft ein fun­dier­tes Ach­tungs­zei­chen. Lan­ter­mann war bis 2013 Pro­fes­sor für Per­sön­lich­keits­und So­zi­al­psy­cho­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Kassel. Sein neu­es­tes Buch be­schreibt die Ra­di­ka­li­sie­rung un­ter­schied­li­cher Le­bens­be­rei­che – ja, selbst beim Es­sen und Kör­per­kult! – und fin­det da­bei stän­dig ein glei­chen­des Mus­ter. So­bald die An­stö­ße von au­ßen Un­si­cher­heit ins Le­ben tra­gen, su­chen sich Men­schen Si­cher­heit im ei­ge­nen All­tag. Ge­treu dem Mot­to: Wenn ich schon kei­ne Kon­trol­le über die gro­ße Po­li­tik ha­be, dann we­nigs­tens über die kleins­te Ein­heit des Le­bens – das ei­ge­ne näm­lich.

Lan­ter­mann for­mu­liert wit­zig und un­ter­halt­sam, sel­ten pro­fes­so­ral. Er macht sich al­ler­dings über kei­ne noch so ra­di­ka­le Hal­tung lus­tig. Das macht es Le­sern leicht, der kom­pli­zier­ten In­nen­an­sicht der So­zi­al­psy­cho­lo­gie fol­gen zu kön­nen. Sei­ne Bei­spie­le bie­ten oft ei­nen Aha­ef­fekt. In­go Ha­se­wend

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