„Weg­werf­ge­rä­te soll­ten ab 2025 ver­bo­ten sein“

Sepp Ei­sen­rieg­ler, Ös­ter­reichs Re­pa­ra­tur-papst, will mit sei­nem RUSZ ex­pan­die­ren. Erst nach Graz, dann in­ter­na­tio­nal. In Brüs­sel kämpft er dar­um, dass es ab 2025 kei­ne Weg­werf­ge­rä­te mehr gibt.

Kleine Zeitung Steiermark - - WIRTSCHAFT | 21 - Von Clau­dia Haa­se

MINTERVIEW. it Ih­rer Kri­tik an Elek­tro­ge­rä­te­her­stel­lern sind Sie in­ter­na­tio­nal be­kannt ge­wor­den, mit dem Re­pa­ra­tur- und Ser­vice­zen­trum RUSZ wol­len Sie ex­pan­die­ren. SEPP EI­SEN­RIEG­LER: Wir wer­den in Graz in di­rek­ter Nach­bar­schaft zum ge­ra­de wie­der er­öff­ne­ten BAN, dem jetzt größ­ten, schöns­ten und mo­derns­ten Reu­sed-cen­ter der Stadt, ei­ne Fi­lia­le ma­chen und die­se be­nut­zen, um mein Fran­chise-hand­buch zu per­fek­tio­nie­ren.

Wer in­ter­es­siert sich da­für? Die Stadt Linz, Mün­chen, aus der Schweiz gibt es An­fra­gen.

Was muss ein RUSZ kön­nen? Die Re­pa­ra­tur­dienst­leis­tun­gen müs­sen sich sehr klar von den vie­len schwar­zen Scha­fen der Bran­che un­ter­schei­den. Et­wa, dass Kos­ten­vor­an­schlä­ge ver­bind­lich sein müs­sen. Kos­ten von Feh­l­ein­schät­zun­gen sind zu über­neh­men. Leu­te müs­sen sich auch be­schwe­ren kön­nen, oh­ne di­rekt mit uns in Kon­takt tre­ten zu müs­sen. Das Ge­spräch am Mon­tag

Wer­den Sie ernst ge­nom­men? Ich bin im obers­ten Nor­mungs­gre­mi­um der EU, wo es um Ma­te­ri­al­ef­fi­zi­enz­kri­te­ri­en geht. Ich kämp­fe da­für, dass ab 2025 in der EU kei­ne Weg­werf­ge­rä­te mehr zum Ver­kauf zu­ge­las­sen wer­den. Der­zeit lan­den ein­ein­halb Mil­lio­nen Ton­nen Elek­tro­schrott aus der EU il­le­gal vor al­lem in Afri­ka.

Her­stel­ler be­zeich­nen das mit dem ge­plan­ten Ge­rä­te­tod als üb­le Le­gen­de. Bran­chen­ver­tre­ter sa­gen auch: Es gibt kei­ne Ob­so­le­s­zenz, nur ei­ne op­ti­mier­te Ge­brauchs­dau­er. Op­ti­miert für Händ­ler und Her­stel­ler, si­cher nicht für den Kon­su­men­ten.

Was sind ty­pi­sche Weg­werf­ge­rä­te? Dass das heu­te al­le Klein­ge­rä­te sind, weil man sie nicht mehr öff­nen kann, selbst wenn nur wie bei ei­ner Zahn­bürs­te der Ak­ku hin ist oder ei­ne Löt­stel­le, ist ein al­ter Hut. Heu­te ist aber auch ei­ne Wasch­ma­schi­ne um 300 Eu­ro ein Weg­werf­ge­rät. Nur Mie­le und die Eu­do­ra Ba­by­n­o­va ha­ben noch Edel­stahl­trom­meln mit ei­nem Me­tall­la­ger statt ei­nem kaum re­pa­ra­blen Kunst­stoff­la­ger. Die Re­pa­ra­tur ei­ner bil­li­gen Ma­schi­ne ist oft un­mög­lich oder teu­rer als ei­ne neue Ma­schi­ne. Nur muss ich von der bil­li­gen sie­ben Stück in zwan­zig Jah­ren kau­fen.

Ist ei­ne 20 Jah­re al­te Ma­schi­ne noch en­er­gie­ef­fi­zi­ent? Das ist die Ener­gie­ef­fi­zi­enz­lü­ge. Der nied­ri­ge Ver­brauch be­zieht sich auf das 60-Grad-öko­pro­gramm, das bei 28 bis 34 Grad wäscht, da­für drei bis sechs St­un­den. Das macht kaum ei­ner. Es gibt auch fast nur noch Ma­schi­nen mit acht bis zwölf Ki­lo Füll­men­ge. Und das bei im­mer klei­ne­ren Haus­halts­grö­ßen. Wenn die nicht voll­ge­füllt läuft, ist die Ener­gie­ef­fi­zi­enz im Eimer. Das ist al­les Ver­ar­sche.

Lebt RUSZ von Idea­lis­ten? Nein, von Über­zeu­gungs­kraft und Lo­gik. Der Weg zur Cir­cu­lar Eco­no­my ist ein sys­te­mi­scher Wan­del. Wir ste­hen ja selbst vor dem Di­lem­ma, dass un­se­re Ar­beits­stun­de 120 Eu­ro kos­tet. Wenn die Her­stel­ler ih­re Ge­rä­te ver­mie­ten wür­den, ihr Pro­fit aus die­sen Ein­nah­men kä­me, hät­ten sie selbst In­ter­es­se, dass die Sa­chen ewig hal­ten.

Denkt wer dar­über nach? Bei Bosch-sie­mens könn­te es schon sehr fort­schritt­li­che Leu­te ge­ben, die sich da­mit be­schäf­ti­gen.

In Ih­rem Buch „Kon­sum­trot­tel“zie­hen Sie ge­gen die Elek­tro-mul­tis ins Feld. Sepp Ei­sen­rieg­ler kennt Schwach­stel­len von Ge­rä­ten C. MÜL­LER

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