Ver­ein will nicht auf ju­ris­ti­schem Glatt­eis aus­rut­schen

Haf­ten El­tern für ih­re Kin­der? Sind Warn­ta­feln wirk­lich nur für die Katz? Ein Ex­per­te er­klärt, wor­auf Be­trei­ber ei­nes pri­va­ten Eis­lauf­plat­zes ach­ten müs­sen.

Kleine Zeitung Steiermark - - BESSER LEBEN -

Gut ge­meint ist oft das Ge­gen­teil von gut, und auf dem glat­ten Par­kett der ös­ter­rei­chi­schen Ge­setz­ge­bung ist schon so man­cher ausgerutscht! Nur zu ver­ständ­lich, dass die Ver­ant­wort­li­chen ei­nes hei­mi­schen Fuß­ball­ver­eins, die ei­nen „öf­fent­li­chen und un­ent­gelt­li­chen Eis­lauf­platz auf ei­nem Ge­mein­de­park­platz be­trei­ben“, in letz­ter Zeit nicht mehr so gut schla­fen. „In­wie­fern wä­ren wir bei Un­fäl­len haft­bar?“, fra­gen sich die­se und ob es ei­nen Sinn ha­be, Ta­feln mit den Hin­wei­sen „Eis­lau­fen auf ei­ge­ne Ge­fahr“oder „El­tern haf­ten für ih­re Kin­der“auf­zu­stel­len. „Es wä­re schon sehr är­ger­lich, wenn wir für die Ar­beit, die so ein Eis­lauf­platz be­deu­tet, im schlimms­ten Fall noch ei­ne Kla­ge bei ei­nem mög­li­chen Scha­dens­fall auf­ge­brummt be­kom­men“, sagt ein Be­trof­fe­ner. „Sämt­li­che im Zu­sam­men­hang mit dem Be­trieb ei­nes Eis­lauf­plat­zes po­ten­zi­el­le Haf­tungs­tat­be­stän­de sind im Zu­sam­men­hang mit der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht des­je­ni­gen zu prü­fen, der die recht­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt hat“, er­klärt da­zu der Rechts­an­walt Hei­mo Hof­stät­ter. Dem­nach ha­be je­der, der, wenn auch er­laub­ter­wei­se, ei­ne Ge­fah­ren­quel­le schaf­fe oder be­ste­hen las­se, im Rah­men des Zu­mut­ba­ren Vor­keh­run­gen zur Ab­wehr dro­hen­der Ge­fah­ren zu tref­fen.

„Die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten gel­ten je­doch nicht gren­zen­los und dür­fen nicht über­spannt wer­den“, prä­zi­siert der Rechts­an­walt; auch ge­be es Hei­mo Hof­stät­ter, Rechts­an­walt ei­ne Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit des Ver­un­fall­ten. Be­son­ders streng wer­den die Pflich­ten ge­hand­habt, wenn da­mit ge­rech­net wer­den muss, dass Kin­der, und sei es un­er­laubt, an ei­ne Ge­fah­ren­quel­le ge­lan­gen.

Der Fuß­ball­ver­ein muss den Eis­lauf­platz al­so in „ord­nungs­ge­mä­ßem Zu­stand“hal­ten und dies­be­züg­li­che Vor­keh­run­gen tref­fen, dann ist mit kei­ner Haf­tung zu rech­nen. Un­ter „ord­nungs­ge­mäß“sei zu ver­ste­hen, dass der Eis­lauf­platz oh­ne un­ge­wöhn­li­che Ge­fah­ren­quel­len, wie et­wa Lö­cher im Eis, Ge­gen­stän­de, die aus dem Eis ra­gen, Bruch­stel­len etc., be­nützt wer­den kann. Auch müss­ten Zu- und Ab­gän­ge schnee- und eis­frei ge­hal­ten bzw. Gum­mi­mat­ten auf­ge­legt wer­den. Das Auf­stel­len von Warn­ta­feln ist laut Hof­stät­ter den­noch zu emp­feh­len: „Vor al­lem für die Fra­ge ei­nes Mit­ver­schul­dens und da­mit für das Haf­tungs­aus­maß kön­nen sol­che Warn­schil­der ei­ne gro­ße Rol­le spie­len!“

„Dem Be­trei­ber des Eis­lauf­plat­zes droht be­reits bei leicht fahr­läs­si­ger Ver­let­zung der Si­che­rungs­pflich­ten die vol­le Haf­tung.“

Für Schä­den und Ver­let­zun­gen, die der Sport­ler selbst zu ver­ant­wor­ten hat, haf­tet der Be­trei­ber des Eis­lauf­plat­zes nicht ILLUSTRATION: SINISA PISMESTROVIC

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