En­de der Lan­des­ge­set­ze: Schick­ho­fer macht Druck

Lh-vi­ze er­stellt mit der Hil­fe von Ver­fas­sungs­ex­per­ten ein Re­form­pa­pier, das ei­nen Macht­ver­lust der Län­der vor­sieht.

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK -

GRAZ

Wer in der Stei­er­mark ein Haus bau­en möch­te, muss zwei Me­ter plus je ei­nen Me­ter pro Ge­schoß Ab­stand zur Grund­stücks­gren­ze hal­ten. In Nie­der­ös­ter­reich sind es hin­ge­gen drei Me­ter, in Kärn­ten wird der Ab­stand an­hand von Schat­ten­punk­ten be­rech­net. Oder: Ein 16-Jäh­ri­ger, der in Fürs­ten­feld um zwei Uhr früh zu Hau­se sein muss, darf ein paar Ki­lo­me­ter wei­ter im Bur­gen­land die gan­ze Nacht um die Häu­ser zie­hen. Die­se Lis­te könn­te man de fac­to end­los fort­set­zen. „Das bringt nie­man­dem et­was, ist ein Wett­be­werbs­nach­teil und teu­er“, sagt Michael Schick­ho­fer, stei­ri­scher SPÖ-CHEF und Vi­ze­lan­des­haupt­mann, der be­reits im Herbst an­deu­te­te, die Lan­des­ge­setz­ge­bung ab­schaf­fen und auf Bun­des­ebe­ne he­ben zu wol­len.

Seit­her ist es um den Vor­stoß Schick­ho­fers ru­hig ge­wor­den. Doch nun be­rei­tet er den nächs­ten Schritt vor: Mit der Hil­fe von Ver­fas­sungs­ju­ris­ten der Uni Graz und der Ver­fas­sungs­ko­ry­phäe Theo Öh­lin­ger ar­bei­tet er ein Pa­pier mit dem Ti­tel „Ein Ös­ter­reich – Ei­ne Ge­setz­ge­bung“aus. Die Lan­des­po­li­tik soll laut ei­nem 13-sei­ti­gen Ent­wurf, der der Klei­nen Zei­tung vor­liegt, le­dig­lich noch für Pro­jek­te und die Voll­zie­hung von Bun­des­ge­set­zen zu­stän­dig sein. Da­für will er ei­ne grund­le­gen­de Ge­ne­ral­klau­sel der Bun­des­ver­fas­sung um­keh­ren: Dort heißt es, dass Län­der für al­les zu­stän­dig sind, was nicht ex­pli­zit dem Bund zu­ge­teilt ist. „Nach 100 Jah­ren Ver­fas­sung soll­te man das um­dre­hen“, sagt Schick­ho­fer. Ein Groß­teil der Land­tags­be­schlüs­se fin­de oh­ne­hin auf Pro­jekt­ebe­ne statt, er­klärt er. Das end­gül­ti­ge Pa­pier will der stei­ri­sche SPÖCHEF im April vor­le­gen – und es dann „breit dis­ku­tie­ren“.

Das Ein­spa­rungs­po­ten­zi­al, sagt Schick­ho­fer, sei „rie­sig“. Und die Län­der könn­ten sich so auf wich­ti­ge Pro­jek­te und die Voll­zie­hung kon­zen­trie­ren. Die Ge­setz­ge­bung, sagt er, sei im Bund „bes­ser auf­ge­ho­ben“. Dass das mit Macht­ein­bu­ßen der Län­der ver­bun­den wä­re, sei ihm „na­tür­lich klar“.

Öh­lin­ger hält die Vor­schlä­ge in­des für ei­ne „groß­ar­ti­ge Sa­che“, denn so wür­den die Län­der „ihr Blo­cka­de­po­ten­zi­al ver­lie­ren“. Dass die Län­der tat­säch­lich Macht ab­ge­ben wol­len, hält Öh­lin­ger aber für „uto­pisch“. Schick­ho­fers An­satz se­he des­halb vor, den Län­dern mehr Macht in der Voll­zie­hung zu ge­ben und den Bun­des­rat zu ei­nem „Ge­ne­ral­land­tag“mit Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen auf­zu­wer­ten.

Klaus Knit­tel­fel­der

Setzt den nächs­ten Schritt in der For­de­rung nach ei­ner Staats­re­form: Schick­ho­fer APA

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