„Er soll­te halt so sein wie der Fi­scher“

Im Wahl­kampf hat Alex­an­der Van der Bel­len ein Be­kennt­nis zum Jagd­schloss Mürz­steg ab­ge­ge­ben. Dort hofft man, dass er nun auch sein Wort hält.

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK - Von Ulf To­ma­schek

RE­POR­TA­GE.

Ein ei­si­ger Wind fegt durch Mürz­steg. Of­fen­bar hat er al­le Be­woh­ner des 330-See­len-or­tes in ih­re Häu­ser ge­trie­ben. Nur ein al­ter Mann schlurft über den knir­schen­den Schnee, und ei­ne Hand­voll Volks­schü­ler klet­tert aus dem Schul­bus, der sie vom fast zehn Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Neu­berg nach Hau­se bringt. Vor­bei am ge­schlos­se­nen Ge­mein­de­amt und der eben­so ge­schlos­se­nen Volks­schu­le ge­langt man zum einst kai­ser­li­chen Jagd­schloss, das seit 1947 die Som­mer­vil­la der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­prä­si­den­ten ist. Ein ab­wei­sen­des Git­ter­tor ver­sperrt den Wei­ter­weg, das Jagd­schloss selbst ver­steckt sich hin­ter Bäu­men, die we­nigs­tens im Win­ter, ent­laubt und kahl, ei­nen Blick auf die Vil­la frei­ge­ben.

Nein, ganz so un­be­rühr­bar ist die Vil­la nicht, kor­ri­giert Clau­dia das ab­wei­sen­de Bild. Sie ist Ver­käu­fe­rin im Ge­schäft „Zur Mit­zi Tant’“, ei­ner freund­li­chen, bun­ten und war­men Oa­se

Win­mit­ten der Win­ter­käl­te im ei­si­gen Neu­ber­ger Tal. Ur­sprüng­lich als Greiß­le­r­ei mit an­ge­schlos­se­nem Wirts­haus er­rich­tet, ist nur noch das Ge­schäft üb­rig ge­blie­ben. „Das Wirts­haus ist halt nicht mehr ge­gan­gen“, sagt Clau­dia, die voll des Lo­bes für Heinz Fi­scher ist, den Vor­gän­ger des nun­mehr an­ge­lob­ten Bun­des­prä­si­den­ten: „Er hat öf­ter das Schloss für die Be­völ­ke­rung ge­öff­net“, weiß sie, die selbst kei­ne Mürz­ste­ge­rin ist. Viel­mehr ist sie Ein­pend­le­rin – ei­ne ra­re Spe­zi­es in ei­ner Ab­wan­de­rungs­re­gi­on, wie sie das Neu­ber­ger Tal ist. Täg­lich fährt sie von Spi­tal am Sem­me­ring nach Mürz­steg. Weit bes­ser als täg­lich von Spi­tal nach Ot­ta­kring zu pen­deln, wie sie es zu­vor ge­tan hat. as sie sich vom neu­en Bun­des­prä­si­den­ten Alex­an­der Van der Bel­len er­war­tet? „Dass er so wie Herr Fi­scher zu mir ins Ge­schäft kommt, er hat im­mer Zei­tun­gen und Ge­bäck bei mir ge­kauft.“ Ach ja, Zi­ga­ret­ten kann Van der Bel­len bei Clau­dia üb­ri­gens auch kau­fen.

Die „Mit­zi Tant’“ge­hört zum Ap­pel­hof, ei­nem gro­ßen Kin­de­r­und Fa­mi­li­en­ho­tel in Mürz­steg. Das Haus bringt Gäs­te und da­mit ein biss­chen Le­ben in den Ort, der seit Jän­ner 2015 mit den frü­her eben­falls ei­gen­stän­di­gen Ge­mein­den Ka­pel­len, Al­ten­berg und Neu­berg fu­sio­niert ist. Kom­mu­na­le In­fra­struk­tur hat Mürz­steg aber schon frü­her ver­lo­ren, erst die Post, dann den Gen­dar­me­rie­pos­ten, schließ­lich die Volks­schu­le und 2015 das Ge­mein­de­amt. Um­so mehr klam­mern sich die ver­blie­be­nen Mürz­ste­ger an

Dden Bun­des­prä­si­den­ten und an die Hoff­nung, dass er sei­nen Som­mer­sitz nicht auf­gibt. Im­mer­hin er­hält er da­durch den ei­nen oder an­de­ren Ar­beits­platz. „Und vor al­lem den Po­li­zei­pos­ten, der zum Schutz des Prä­si­den­ten ge­braucht wird“, sagt der Neu­ber­ger Vi­zebür­ger­meis­ter Han­nes Ames­bau­er. er Fpö-land­tags­ab­ge­ord­ne­te hät­te zwar lie­ber sei­nen Par­tei­freund Nor­bert Ho­fer als Bun­des­prä­si­dent in Mürz­steg will­kom­men ge­hei­ßen, „aber egal, wer das Amt in­ne­hat, der Bun­des­prä­si­dent ist für den Ort im­mens wich­tig“, ist Ames­bau­er über­zeugt, und er

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