STREIFZÜGE DURCH EU­RO­PA Der Hang zum Gro­ßen

In Ma­ze­do­ni­en ist ei­ne na­tio­na­lis­ti­sche Par­tei an der Macht, die das Land mit ei­nem bi­zar­ren Kult um Alex­an­der den Gro­ßen, den eins­ti­gen Herr­scher der hel­le­nis­ti­schen Welt, ideo­lo­gisch auf­rüs­tet: mit ös­ter­rei­chi­scher Schüt­zen­hil­fe.

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK -

Den Ma­ze­do­ni­ern ist es ge­lun­gen, ihr Land aus dem Zer­fall­skrieg Ju­go­sla­wi­ens weit­ge­hend her­aus­zu­hal­ten und da­für am En­de mit ei­ner na­tio­na­len Un­ab­hän­gig­keit be­lohnt zu wer­den, die kaum je­mand von ih­nen an­ge­strebt hat­te. Als ich vor fast zwan­zig Jah­ren zum ers­ten Mal in Ma­ze­do­ni­en un­ter­wegs war, ka­men mir den­noch ban­ge Zwei­fel, ob es die Bür­ger des neu­en Staa­tes auch wei­ter­hin zu­we­ge brin­gen wür­den, den Ver­lo­ckun­gen des Na­tio­na­lis­mus zu wi­der­ste­hen und für die De­mo­kra­tie, nicht für na­tio­na­le Grö­ße ein­zu­ste­hen.

Da­mals war ich im Land her­um­ge­reist, um mich über die Volks­grup­pe der Aro­mu­nen kun­dig zu ma­chen, die über den hal­ben Bal­kan ver­streut lebt, nie­mals ei­nen ei­ge­nen Staat an­ge­strebt hat und doch von Ru­mä­ni­en über Ser­bi­en bis nach Grie­chen­land und Al­ba­ni­en seit Jahr­hun­der­ten ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spielt.

Die Aro­mu­nen, die in je­dem Land an­ders hei­ßen, in Grie­chen­land Vla­chen, in Al­ba­ni­en Re­me­ri, in Ma­ze­do­ni­en Ar­mâ­ni, ha­ben be­rühm­te ru­mä­ni­sche Fuß­ball­spie­ler, ser­bi­sche Ge­lehr­te, al­ba­ni­sche Händ­ler her­vor­ge­bracht, nur wer­den die­se nicht ih­rer klei­nen Na­tio­na­li­tät, son­dern den je­wei­li­gen Staats­na­tio­nen zu­ge­rech­net, mit de­nen die Aro­mu­nen völ­lig kon­flikt­frei zu­sam­men­le­ben.

Sie spre­chen ei­ne ro­ma­ni­sche Spra­che, die in al­ten Bü­chern als „Do­nau­la­tein“be­zeich­net wur­de und von der sie sich den schö­nen wie frag­wür­di­gen Lu­xus leis­ten, sie in drei mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­den Schrift­streit

Wfor­men zu pfle­gen. Als ich sie um die Jahr­tau­send­wen­de in Ar­ti­keln, Re­por­ta­gen und end­lich in mei­nem Buch „Die ster­ben­den Eu­ro­pä­er“wür­dig­te, ge­riet ich in den Ver­dacht, die­se Volks­grup­pe er­fun­den zu ha­ben, um mit ihr mei­ne fi­xe Idee ei­nes über­na­tio­na­len Eu­ro­pas der vie­len Kul­tu­ren bes­ser ver­fech­ten zu kön­nen. Das ist na­tür­lich Hum­bug, die Aro­mu­nen gibt es wirk­lich, sie sind Hun­dert­tau­sen­de, und um die Er­for­schung ih­rer Spra­che, Kul­tur, Ge­schich­te ha­ben sich ge­ra­de ös­ter­rei­chi­sche Wis­sen­schaft­ler wie Max De­me­ter Pey­fuss ver­dient ge­macht.

Kaum war ich da­mals aus Ma­ze­do­ni­en nach Ös­ter­reich zu­rück­ge­kehrt, er­fuhr ich, dass in Bi­to­la, ei­ner schö­nen, me­di­ter­ran an­mu­ten­den Stadt im Sü­den, die ich ge­ra­de be­sucht hat­te, das al­ba­ni­sche Vier­tel mit sei­nen Lä­den und Im­biss­bu­den in Brand ge­steckt wor­den war.

Dass zwi­schen den bei­den Na­tio­na­li­tä­ten nei­di­sche Miss­gunst herrsch­te und sie sich von der je­weils an­de­ren über­vor­teilt fühl­ten, war mir nicht ver­bor­gen ge­blie­ben, trotz­dem über­rasch­te es mich, dass die Ri­va­li­tät in flam­men­den Hass um­ge­schla­gen hat­te. ann im­mer ich seit­her wie­der in Ma­ze­do­ni­en war, hat­te ich den Ein­druck, dass man­ches bes­ser, aber vie­les schlech­ter wur­de: Der al­ba­ni­schen Volks­grup­pe wur­den er­heb­li­che Rech­te zu­ge­bil­ligt, aber sie ist des­we­gen dem Staat ge­gen­über nicht loya­ler ge­wor­den.

Zwi­schen Grie­chen­land und Ma­ze­do­ni­en herrscht ein ku­rio­ser, für bei­de Sei­ten ge­ra­de­zu Streit über nichts an­de­res als den Staats­na­men. Weil sich die eins­ti­ge ju­go­sla­wi­sche Teil­re­pu­blik Ma­ze­do­ni­en als „Re­pu­bli­ka Ma­ke­do­ni­ja“be­zeich­net, blo­ckiert Grie­chen­land al­le Ver­su­che des Lan­des, sich der Eu­ro­päi­schen Uni­on an­zu­nä­hern, fürch­tet es doch, dass Ma­ze­do­ni­en da­mit der­einst sei­ne An­sprü­che auf die grie­chi­sche Pro­vinz „Ma­ke­doníe“be­grün­den wer­de.

Zahl­lo­se Kom­pro­miss­vor­schlä­ge wur­den seit­her von den Grie­chen wie den Ma­ze­do­ni­ern ab­ge­schmet­tert, als wä­re es die edels­te na­tio­na­le Tu­gend, im

Dum den Na­men ei­nes Staa­tes nicht nach­zu­ge­ben. Und in Ma­ze­do­ni­en ist in­zwi­schen ei­ne na­tio­na­lis­ti­sche Par­tei an der Macht, die das Land mit ei­nem bi­zar­ren Kult um den eins­ti­gen Herr­scher der ge­sam­ten hel­le­nis­ti­schen Welt, Alex­an­der den Gro­ßen, ideo­lo­gisch auf­rüs­tet. ie­se Par­tei hängt sehr an Na­men, wie schon ihr ei­ge­ner zeigt, heißt sie doch „In­ne­re Ma­ze­do­ni­sche Re­vo­lu­tio­nä­re Or­ga­ni­sa­ti­on – De­mo­kra­ti­sche Par­tei für Ma­ze­do­ni­sche Na­tio­na­le Ein­heit“, kurz und ein­präg­sam Vm­ro­be­schä­men­der

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