Ver­bre­chen an Töch­tern

Die Ver­stüm­me­lung von Frau­en ist weit ver­brei­tet und auch in Eu­ro­pa ein Pro­blem. Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ge­hen nur lang­sam vor­an.

Kleine Zeitung Steiermark - - INTERNATIONAL - Von Mat­thi­as Reif

Der sechs­te Fe­bru­ar ist der In­ter­na­tio­na­le Tag ge­gen weib­li­che Ge­ni­tal­ver­stüm­me­lung (Fe­ma­le Gen­der Mu­ti­la­ti­on, FGM). Auch die mon­te­ne­gri­ni­sche Re­gie­rung will nun ju­ris­tisch ge­gen die Be­schnei­dung von Frau­en vor­ge­hen, wie ges­tern ver­laut­bart wur­de. Ei­ne vor­be­rei­te­te Ge­set­zes­no­vel­le sieht künf­tig ei­ne Frei­heits­stra­fe von bis zu acht Jah­ren vor. Im Eu-raum ist die­se bru­ta­le Prak­tik ver­bo­ten, in Ös­ter­reich gilt es als schwe­re Kör­per­ver­let­zung und Ein­griff in die se­xu­el­le In­te­gri­tät.

Schät­zun­gen der Unicef zu­fol­ge sind welt­weit rund 200 Mil­lio­nen Frau­en da­von be­trof- fen, min­des­tens 30.000 in Deutsch­land und ei­ni­ge Tau­send in Ös­ter­reich. In et­wa 30 Län­dern wird die­ser bru­ta­le Ein­griff in un­ter­schied­li­cher Aus­for­mung vor­ge­nom­men. Ob­wohl vie­le die­ser Na­tio­nen mehr­heit­lich mus­li­misch sind, ist FGM nicht di­rekt auf den Is­lam zu­rück­zu­füh­ren. So ist FGM et­wa auch in Äthio­pi­en weit ver­brei­tet, ei­nem mehr­heit­lich christ­li­chen Land. Un­ter dem Deck­man­tel der Tra­di­ti­on wer­den im­mer noch Mil­lio­nen Mäd­chen – häu­fig im Kin­des­al­ter – un­ter gro­ßen Schmer­zen ver­stüm­melt. Dies re­flek­tiert laut Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on die tief­ver­wur­zel­te Un­gleich­heit zwi- schen den Ge­schlech­tern. Den Op­fern soll ih­re se­xu­el­le Lust ge­nom­men wer­den, um sie auf die­se Wei­se vor Sün­de und Fremd­ge­hen zu „be­wah­ren“.

Sta­tis­ti­ken wei­sen welt­weit rück­läu­fi­ge Pro­zent­zah­len aus. Dies sei aber ir­re­füh­rend, meint Men­schen­rechts­ex­per­tin Pe­tra Bayr, weil sie häu­fig mit ra­pi­de wach­sen­den Be­völ­ke­rungs­zah­len ein­her­ge­hen. Tat­säch­lich neh­me die Zahl der Op­fer al­so vie­ler­orts zu oder blei­be sta­bil.

In Deutsch­land will man so­ge­nann­te Fe­ri­en­be­schnei­dun­gen här­ter be­stra­fen: weil in Eu­ro­pa le­ben­de Fa­mi­li­en auch Ur­lau­be in der vor­ma­li­gen Hei­mat nut­zen, um ih­re Töch­ter die­sem me­di­zi­nisch un­nö­ti­gen, ge­fähr­li­chen Ein­griff aus­zu­set­zen. 1985 1990 Wo am häu­figs­ten ver­stüm­melt Län­der­aus­wahl mit der höchs­ten Op­fer-quo­te (Frau­en zwi­schen 15 und 49 Jah­ren), in Pro­zent So­ma­lia 1995 2000 2005 Gui­nea Dschi­bu­ti Sier­ra Leo­ne

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