Auf­re­gung um Kun­st­uni-ga­gen

Kein Ös­ter­rei­cher für Zeit­ge­schich­te-pro­fes­sur? Rech­nungs­hof­be­richt schlägt Wel­len. Öh-chefs ge­gen Be­triebs­rat.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK -

Für Un­ru­he an der Geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der Karl-fran­zens-uni­ver­si­tät Graz sorgt – wie be­rich­tet – die Nach­be­set­zung des be­kann­ten Zeit­his­to­ri­kers und lang­jäh­ri­gen Rek­tors Hel­mut Kon­rad. Von rund 70 Be­wer­bun­gen – nicht nur aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum – wur­den just zwei Schwei­zer und vier Deut­sche, aber kein Ös­ter­rei­cher zum „Vor­sin­gen“, al­so dem Hea­ring ge­la­den. Es wä­ren hier deut­sche Seil­schaf­ten am Zug, die zweit­ran­gi­ge Be­wer­ber aus­ge­sucht hät­ten, grum­mel­ten In­si­der. Ei­ner der Gut­ach­ter, Pie­ter Jud­son von der Eu­ro­pa-uni­ver­si­tät Florenz, be­en­de­te sei­ne Teil­nah­me un­ter Pro­test. Ge­lei­tet wird die Kom­mis­si­on von Si­mo­ne De An­ge­lis, der zu­vor in der Schweiz tä­tig war. Es sei ei­ne Frech­heit, dass hoch­ka­rä­ti­ge Leu­te nicht ein­mal in die en­ge­re Wahl ge­kom­men wä­ren.

Rek­to­rin Chris­ta Neu­per, die letzt­lich die Be­stel­lung exe­ku­tie­ren muss, hält sich vor­erst be­deckt. Man ha­be noch nicht den Vor­schlag er­hal­ten. Fakt ist: An der Fa­kul­tät sind die Ös­ter­rei­cher am Auss­ter­ben: 33 von 38 Pro­fes­so­ren kom­men aus Deutsch­land. Ähn­li­che Ver­hält­nis­se herr­schen auch an der Ka­tho­lisch-theo­lo­gi­schen Fa­kul­tät. Un­ter den 91 Be­ru­fun­gen an der Uni Graz der letz­ten vier Jah­re wa­ren 21 Pro­zent Deut­sche. Ge­ra­de bei den Buch­wis­sen­schaf­ten sind vie­le be­sorgt: Wird das Ös­ter­rei­chi­sche un­ter die Rä­der kom­men? Die Hoff­nung der Kri­ti­ker: dass die Rek­to­rin die Vor­schlä­ge zu­rück­weist oder ei­ne Neu­aus­schrei­bung er­zwingt.

Wir­bel auch an der Kun­st­uni Graz. Hier sorgt ein Rech­nungs­hof­be­richt über die ho­hen Ga­gen der Uni­rä­te und das ge­stie­ge­ne Rek­tors­ge­halt für Un­ru­he; die­ser Ta­ge wur­de er im Rech­nungs­hof­aus­schuss im Par­la­ment be­han­delt. Die fünf Uni­rats­mit­glie­der un­ter Lei­tung von Wil­hel­mi­ne Gold­mann (bis 2009 Ma­na­ge­rin bei den ÖBB) kas­sie­ren bei jähr­lich et­wa fünf bis neun Sit­zun­gen je­weils zwi­schen 9500 und 16.500 Eu­ro; weit mehr als die Uni­rä­te der an­de­ren – we­sent­lich grö­ße­ren – stei­ri­schen Unis. Der Be­trag sei viel­fach über­höht im Ver­gleich zu den Auf­sichts­or­ga­nen der Bun­des­im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft, die über 140 Mal so viel Bi­lanz­sum­me ha­be, be­harr­te der Rech­nungs­hof. An der Kun­st­uni war­tet man jetzt auf ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung, die ab 2018 (!) zu ei­ner De­cke­lung füh­ren soll, be­stä­tig­te die Sit­zung am Don­ners­tag und Frei­tag.

Der Rech­nungs­hof be­män­gel­te zu­dem den Ge­halts­sprung der Rek­tors­ga­ge von 2007 (da­mals Rek­tor Ge­org Schulz) bis 2014 (Rek­to­rin Eli­sa­beth Freis­muth) von knapp 75 Pro­zent. Dies ver­tei­digt die Kun­st­uni un­ter an­de­rem da­mit, dass Schulz ein be­son­ders ge­rin­ges Ge­halt ge­habt ha­be. Freis­muth – Sek­ti­ons­che­fin im Mi­nis­te­ri­um – wä­re sonst nicht nach Graz ge­kom­men.

Mit ei­ner ge­mein­sa­men Aus­sen­dung gin­gen ges­tern die Stu­den­ten­chefs der Gra­zer Uni, der TU Graz und der Kun­st­uni an die Öf­fent­lich­keit: Sie kri­ti­sie­ren, dass der Be­triebs­rat an der Karl-fran­zen­su­ni­ver­si­tät das Lehr­an­ge­bot zu au­ßer­ge­wöhn­li­chen Zei­ten (abends, am Wo­che­n­en­de) ein­schrän­ken will. Laut Mar­kus Tre­buch (Uni), Pa­trik Buch­haus (TU) und Se­bas­ti­an Höft (Kun­st­uni) wür­de das schwe­re Ein­schrän­kun­gen für Stu­die­ren­de mit Kind, Be­rufs­tä­ti­ge und auch Leh­ren­de be­deu­ten. Die be­son­de­ren Ar­beits­zei­ten sind in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung mit der Uni Graz fest­ge­hal­ten. Nor­bert Swo­bo­da

Ös­ter­rei­cher nicht wür­dig für die Nach­fol­ge von Zeit­his­to­ri­ker Hel­mut Kon­rad? KLZ/HOFF­MANN

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