„Nie­mand un­ter­stützt Fuß­gän­ger“– und Rad­fah­rer sind em­pört

Die­ses The­ma lässt Klei­ne-zei­tung-le­ser in­ten­siv dis­ku­tie­ren: die Kon­flikt­zo­ne Rad­ler – Fuß­gän­ger – Au­tos.

Kleine Zeitung Steiermark - - GRAZ -

Wir kämp­fen seit Jah­ren ge­gen den Wahn­sinn, der von Rad­fah­rern ver­ur­sacht wird, es gibt kei­ne Rück­sicht. Wenn man et­was ge­gen Rad­fah­rer sagt, wird man wüst be­schimpft, ich bin so­gar als al­ter Trot­tel be­zeich­net wor­den. Ich bin au­ßer­dem mehr­mals an­ge­fah­ren, Freun­din­nen von mir so­gar ver­letzt wor­den. Ei­ni­ge Rad­fah­rer küm­mert das nicht, sie ha­ben Fah­rer­flucht be­gan­gen. Es wird oft frei­hän­dig und te­le­fo­nie­rend ge­fah­ren, bei Rot die Kreu­zung ge­quert ... Aber so­lan­ge es kei­ne Kon­trol­len und Stra­fen gibt, weil man Rad­fah­rer als Wäh­ler braucht, wer­de ich nicht mehr zur Wahl ge­hen. Weil nie­mand die Fuß­gän­ger un­ter­stützt.

Wal­traud Ko­gel­nik Ich muss sa­gen, dass Sicht­wei­se sehr ein­sei­tig wahr­neh­me. Mö­gen Sie recht ha­ben, dass Rad­fah­rer „schein­bar“ge­gen den Rest der Welt agie­ren und Un­fäl­le her­bei­füh­ren, je­doch las­sen Sie un­er­wähnt, dass Rad­fah­rer nicht nur ver­meint­lich, son­dern auch fak­tisch die Schwä­che­ren sind. Es geht nur um Rück­sicht­nah­me und die müss­te von Au­to­fah­rern aus­ge­hen. Wenn Sie mir nicht glau­ben, dann neh­me ich Sie ger­ne auf ei­ne 100-km-run­de mit, ich neh­me ja an, dass Sie Sport­ler sind und nicht nur so übers Rad­fah­ren schrei­ben, und dann zei­ge ich Ih­nen, was ich so er­le­be. ich Ih­re Ma­rio Pölz­gut­ter Ih­rem Kom­men­tar ist Ih­nen ei­ne Streit­schrift für die Au­to­fah­rer­lob­by, die vor al­lem den Rad­fah­rer als Ag­gres­sor aus­er­ko­ren hat, ge­lun­gen. Der Rad­fah­rer, der hin­ter Sträu­chern, Lit­faß­säu­len, par­ken­den Au­tos und Pla­kat­stän­dern lau­ert, um über wehr­lo­se Au­to­fah­rer her­zu­fal­len, die völ­lig kon­zen­triert, un­ab­ge­lenkt, ent­spannt den flu­ten­den Ver­kehr be­ob­ach­tend auf den Stra­ßen ein­her­fah­ren. Und soll­te sich der Rad­fah­rer nach sei­nem hin­ter­häl­ti­gen Ma­nö­ver, nach­dem er das Fahr­zeug des Fein­des völ­lig zer­stört hat, ei­ner „Stadt­le­gen­de“fol­gend, auch noch über den klei­nen Krat­zer am Rad­rah­men auf­re­gen, füh­len wir uns völ­lig in un­se­rer Mei­nung über die­se An­ar­chos auf zwei Rä­dern be­stä­tigt, gell, Herr Hub­mann? Was wol­len Sie da­her be­wir­ken? Da­zu ist die Be­richt­er­stat­tung über die de­so­la­te Luft­si­tua­ti­on von der Klei­nen Zei­tung im Ver­gleich zur Rad­fah­rer­mi­se­re (?) mar­gi­nal! Ich er­mun­te­re Sie, Ih­rer fein­staub­be­las­te­ten Lun­ge ei­nen Ruck zu ge­ben und aufs Rad um­zu­stei­gen. Sie wer­den ei­ne völ­lig an­de­re Sicht­wei­se auf „Stadt­le­gen­den“ha­ben! Ot­mar Wries­nik Ihr Ar­ti­kel mit der ten­den­ziö­sen Schlag­zei­le „Rad­fah­rer miss­ach­ten oft Ver­kehrs­re­geln“ist be­dau­er­lich un­aus­ge­wo­gen. So wich­tig es ist, auch Rad­fah­rer zu mehr Dis­zi­plin zu er­mah­nen, wä­re es an­ge­brach­ter, her­vor­zu- he­ben, dass Rad­fah­rer nicht das Pro­blem, son­dern ein we­sent­li­cher Teil der Lö­sung des Ver­kehrs­di­lem­mas sind. Es ist ei­ne ver­kehrs­po­li­ti­sche Schan­de, dass das im­mer kost­ba­re­re Gut „Ver­kehrs­flä­che“so in­ef­fi­zi­ent und un­ge­recht ver­teilt ist.

Der Lö­wen­an­teil wird Kfz zu­ge­schanzt, wäh­rend Rad­fah­rer ne­ben oft lee­ren Geh­we­gen in ge­fähr­li­cher Wei­se auf viel zu en­ge und mit Schi­ka­nen wie Ge­lei­sen, Schlag­lö­chern und Eis­rän­dern ge­spick­te Fahr­bah­nen in das Ge­drän­ge mit Schwer­ver­kehr und Pkw ge­pfercht wer­den, wo sie als Frei­mit wild den Be­dro­hun­gen durch Kfz in Form von Drän­ge­lei­en, Vor­rang-miss­ach­tun­gen und abrupt ge­öff­ne­ten Au­to­tü­ren aus­ge­setzt sind. Die paar Ali­bi­rad­we­ge für we­ni­ge Haupt­stre­cken sind völ­lig un­zu­rei­chend für ei­ne all­tags­taug­li­che Rad­ver­kehrs­lö­sung. Statt Rad­fah­rer pau­schal zu ver­na­dern, wä­re es an­ge­brach­ter, ihr Um­welt­be­wusst­sein und den Mut zu wür­di­gen, sich täg­lich trotz der wid­ri­gen Um­stän­de in den ge­fähr­li­chen Wett­streit mit Kfz um ei­nen Platz auf der Fahr­bahn zu stür­zen.

Nor­bert Leit­geb

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