Oh­ne Me­di­en­po­li­tik kei­ne Er­folgs­chan­ce

Kleine Zeitung Steiermark - - MEDIEN -

Un­ge­ach­tet des Neu­zu­gangs oe24.tv be­steht die hie­si­ge Pri­vat­fern­seh­land­schaft vor al­lem aus drei Sen­dern: Ser­vus TV ge­hört Red-bull-ei­gen­tü­mer Dietrich Ma­te­schitz, ATV Film­rech­te­händ­ler Her­bert Kloi­ber und Puls 4 zu Pro­sie­ben­sat.1, der nach RTL zweit­größ­ten Tv-pro­gramm­grup­pe Eu­ro­pas. Sie er­zielt in Ös­ter­reich mehr Tv-wer­be­ein­nah­men als der ORF und hat halb so viel An­teil am Pu­bli­kums­markt (17,5 vs. 35 Pro­zent).

Nach­dem Ma­te­schitz Ser­vus TV 2016 we­gen drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­ver­lus­te zu­sper­ren woll­te, ge­stand Kloi­ber sol­che in zwei­stel­li­ger Hö­he ein und will ATV ver­kau­fen. Ne­ben Pro­sie­ben­sat.1 gilt die „Kro­ne“als ein­zi­ger In­ter­es­sent. Fern­seh- ge­gen Zei­tungs­markt­füh­rer: Im Sin­ne von Me­di­en­viel­falt ist das ei­ne Wahl zwi­schen Pest und Cho­le­ra. Der Zweck des Sen­der­er­halts wird aber auch die­ses Mit­tel hei­li­gen. Es ist die Rech­nung für das his­to­ri­sche To­tal­ver­sa­gen der Me­di­en­po­li­tik. Statt zu (re)agie­ren, pflegt sie seit Jahr­zehn­ten das Ablauf­mus­ter: igno­rie­ren, hin­hal­ten, aus­sit­zen. Statt – wie na­iv be­ab­sich­tigt – den ös­ter­rei­chi­schen An­bie­tern zu hel­fen, ge­fähr­det sie de­ren Chan­cen im Wett­be­werb.

Das be­gann vor 40 Jah­ren mit der An­pas­sung von Pres­se­för­de­rung an den Fi­nanz­be­darf von Par­tei­zei­tun­gen statt an den Me­di­en­wan­del. Es ging wei­ter vor 30 Jah­ren mit der Zu­las­sung ös­ter­rei­chi­scher Kar­tell­bil­dun­gen durch deut­sche Kon­zer­ne. Es setz­te sich fort vor 20 Jah­ren durch die ver­zö­ger­te Ein­füh­rung von Pri­vat­ra­dio zur Ver­län­ge­rung der Vor­herr­schaft des ORF. Und es fand vor zehn Jah­ren kein En­de, als Pro­sie­ben­sat.1 den Stadt­sen­der Puls TV über­nahm.

Ös­ter­reich hat 2003 als letzter Staat Eu­ro­pas ter­res­tri­sches Pri­vat­fern­se­hen zu­ge­las­sen. Wäh­rend die Po­li­tik wähn­te, von ihr kon­trol­lier­te An­bie­ter durch Mo­no­po­le schüt­zen zu kön­nen, funk­tio­nier­te Fern­se­hen ab­ge­se­hen von Sprach­räu­men längst gren­zen­los. Die be­reits 1984 ge­star­te­ten Deut­schen wa­ren in Ös­ter­reich zu eta­bliert, um da­ge­gen fast 20 Jah­re spä­ter er­folg­reich ei­nen hei­mi­schen Sen­der po­si­tio­nie­ren zu kön­nen.

Wenn Spö-me­di­en­mi­nis­ter Thomas Droz­da nun die­ses Ver­sa­gen sei­ner Vor­gän­ger aus­ba­den muss, zieht er hof­fent­lich die Leh­re, dass nur ra­sches po­li­ti­sches Han­deln im tech­nisch ra­sant ver­än­der­ten Markt be­rech­tig­te na­tio­na­le An­lie­gen wah­ren kann. Die Neu­ge­stal­tung der Rah­men­be­din­gun­gen für ORF (Rund­funk­ge­bühr), pri­vat­wirt­schaft­li­che An­bie­ter (Pres­se­för­de­rung) und glo­ba­le Netz­wer­ke (Me­di­en­recht) in Ös­ter­reich ist über­fäl­lig. Me­dien­be­ra­ter Pe­ter Plaik­ner Pe­ter Plaik­ner ist Me­dien­be­ra­ter und Po­li­tikana­lyst

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