„Wir sind ja nicht voll­kom­men macht­los“

Mit der Tra­gi­ko­mö­die „Wil­de Maus“de­bü­tiert Jo­sef Ha­der als Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur. Der Ka­ba­ret­tist und Schau­spie­ler über das Neu­an­fan­gen nach 50, den Mit­tel­stand und das Ver­ges­sen.

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR - Von Ju­lia Schaf­fer­ho­fer

IN­TER­VIEW.

Herz­li­che Gra­tu­la­ti­on zur Ber­li­na­le-ein­la­dung! Was be­deu­tet das für Sie als Neo-re­gis­seur? JO­SEF HA­DER: Dass man sehr im Schau­fens­ter steht – mit al­len Vor- und Nach­tei­len. Ich neh­me an, das wird ein Rie­sen­zir­kus, ich ha­be mir vor­ge­nom­men, ein Zir­kus­pferd zu sein, weil ich mich im­mer ger­ne für ei­nen Film, von dem ich über­zeugt bin, vor­ne hin­stel­le.

Es ist und bleibt ein Wett­be­werb. Se­hen Sie auch Nach­tei­le? Ein Wett­be­werbs­film ist ei­ner, den Kri­ti­ker nicht ent­de­cken oder als Ers­te gut fin­den kön­nen. Es wird ei­ni­ge ge­ben, die nicht nur freund­lich drauf­schau­en wer­den.

„Wil­de Maus“er­zählt von ei­nem Klas­sik­kri­ti­ker ei­ner Zei­tung, der ge­kün­digt wird und auf Ra­che­feld­zug geht. Er­in­nert Sie das vi­el­leicht an Ih­re an­fäng­li­che Hass­lie­be zu Kri­ti­kern? Nein, ich bin auch als jun­ger Ka­ba­ret­tist sehr gut von den Kri­ti­kern be­han­delt wor­den. Erst spä­ter, als ich schon ar­ri­viert war, weh­te ein raue­rer Wind – dann hieß es zum Bei­spiel: Dem Ha­der fällt nichts Neu­es mehr ein. Kri­tik fin­det bei Ka­ba­ret­tis­ten aber in ei­nem ge­schütz­te­ren Be­reich statt als im Thea­ter, im Film oder bei der Ber­li­na­le.

Was war das Bö­ses­te, was je­mals über Sie ge­schrie­ben wur­de? Beim ers­ten Mün­chen-auf­tritt schrieb ein Kri­ti­ker der „Süd­deut­schen Zei­tung“, dass ich sehr lang­wei­lig und brav bin. Und dass ich mei­ne Num­mern häk­le wie ein Tisch­de­ckerl. Ich hat­te drei Ta­ge Ma­gen­weh – auch des­we­gen, weil er ein bissl recht hat­te. Nach ein paar Ta­gen ha­be ich dann aber ei­nen Trotz ent­wi­ckelt und mir ge­dacht: Kei­ner schreibt mir je wie­der, dass ich brav bin. In den nächs­ten Jah­ren ha­be ich be­son­ders ar­ge Pro­gram­me ge­macht, den deut­schen Klein­kunst­preis ge­won­nen und spä­ter ei­ne Hym­ne von dem­sel­ben Kri­ti­ker be­kom­men.

Wie viel von Ih­nen selbst steckt in der Fi­gur des Kri­ti­kers? Ich bin die­ser Fi­gur schon in dem Sinn ähn­lich, dass ich sehr dünn­häu­tig und leicht zu ver­letz­ten bin. Aber: Dort, wo die Fi­gur von ei­ner dump­fen Wut und Läh­mung be­fal­len ist, setzt bei mir ein Trotz ein, den ich in Ak­ti­vi­tät um­set­zen kann.

Hat der Au­tor dem Darstel­ler Ha­der die Rol­le maß­ge­schnei­dert? Das ist ei­ne Fi­gur, die auf den ers­ten Blick nicht sehr sym­pa­thisch ist und viel Blöd­sinn macht. Über mich wird im­mer ge­sagt, dass ich al­les spie­len kann und die Zu­schau­er trotz­dem mit mir mit­ge­hen, drum bin ich ganz gut ge­eig­net für die Rol­le. In ei­nem An­fall von Sport­lich­keit ha­be ich mir ge­dacht: dann gleich vol­les Pro­gramm; al­so auch Re­gie. Ich bin eh Ka­ba­ret­tist. Wenn’s schief geht, ver­lie­re ich nicht ganz mei­nen Be­ruf.

Der Film skiz­ziert und per­si­fliert den Mit­tel­stand. Was in­ter­es­siert Sie denn dar­an? Will man tra­gi­ko­misch sein, lan­det man zwangs­wei­se beim Mit­tel­stand. Da ken­ne ich mich am bes­ten aus. Ers­tens: weil ich sel­ber so le­be. Zwei­tens: Will man Ar­beits­lo­sig­keit ko­misch be­schrei­ben, ist es gut, wenn es in ei­nem ge­set­tel­ten Um­feld pas­siert, sonst wirds ja gleich ein So­zi­al­dra­ma. Jour­na­lis­ten ha­ben oft ei­ne ähn­lich ho­he Selbsti­denti­fi­ka­ti­on wie Künst­ler. Mit dem Un­ter­schied, dass sie ein Chef kün­di­gen kann.

Kin­der­wunsch nach 40, chro­ni­sche Selbst­fin­dungs­pha­se, Dau­er­the­ra­pi­en: Die­se The­men

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