Wer schuld war, kann nur das Ge­richt klä­ren

Roll­stuhl­fah­rer krach­te in ei­ne ge­öff­ne­te Au­to­tür; am Pkw ent­stand To­tal­scha­den. Die Ver­si­che­rung des E-roll­stuhl-fah­rers wei­gert sich, den Scha­den zu be­zah­len.

Kleine Zeitung Steiermark - - BESSER LEBEN -

Wer schuld ist, der be­zahlt den Scha­den!“, lau­tet ein Grund­satz der Recht­spre­chung. „War­um zahlt dann die Ver­si­che­rung den Scha­den am Au­to mei­nes Soh­nes nicht?“, be­klag­te sich ein Le­ser beim Om­buds­mann und be­rich­tet, dass der Len­ker ei­nes un­be­leuch­te­ten Elek­troscoo­ters am Geh­weg un­ge­bremst in die Au­to­tür sei­nes Soh­nes ge­fah­ren sei und die­se be­schä­digt ha­be. Weil die Tür nicht mehr schließt und das Au­to des­halb funk­ti­ons­un­tüch­tig ist, ent­stand ein To­tal­scha­den. War­um lehnt dann aber die Kärnt­ner Lan­des­ver­si­che­rung ei­ne Scha­den­re­gu­lie­rung ab, wenn doch „ein­deu­tig ein Ver­schul­den des E-scoo­ter-fah­rers“vor­lie­ge, wie un­ser Le­ser über­zeugt ist.

sei im kon­kre­ten Fall zur „Scha­dens­ab­wehr“ver­pflich­tet, er­klär­te uns Di­rek­tor Ger­hard Schöff­mann von der Kärnt­ner Lan­des­ver­si­che­rung. Er kön­ne kei­ne Leis­tung an­bie­ten, weil der Roll­stuhl­fah­rer und Ver­si­che­rungs­neh­mer strikt dar­auf be­har­re, dass ihn kein Ver­schul­den tref­fe.

„Es han­delt sich hier um ei­ne Scha­den­er­satz­for­de­rung ge­gen­über ei­nem ver­meint­li­chen Schä­di­ger“, er­klärt der Ver­si­che­rungs­ex­per­te Rein­hard Je­se­ni­tsch­nig. Ob die­se teil­wei­se oder zur Gän­ze be­rech­tigt ist, sei ei­ne Fra­ge der Beur­tei­lung von Sach­ver­stän­di­gen und letzt­lich der Be­wer­tung durch Rich­ter un­ter­wor­fen. „Da­her kann bei strit­ti­ger Ver­schul­dens­la­ge ei­ne Klä­rung nur über ein ge­richt­li­ches Ver­fah­ren er- reicht wer­den. Die Be­weis­last liegt nach un­se­rem Rechts­sys­tem bei dem­je­ni­gen, der für sich ei­nen Nut­zen er­zie­len, al­so Scha­den­er­satz er­hal­ten will“, fügt der Ex­per­te an.

der Ver­si­che­rung sei auf­grund der vor­lie­gen­den Un­ter­la­gen nach­voll­zieh­bar. „Die­se er­we­cken den An­schein, dass ein – zu­min­dest über­wie­gen­des – Ver­schul­den beim Au­to­len­ker liegt, der knapp an der Geh­steig­kan­te par­kend die Fah­rer­tür ge­öff­net hat“, so Je­se­ni­tsch­nig. Ein Mit­ver­schul­den des Roll­stuhl­fah­rers wür­de sich er­ge­ben, wenn er ei­ne für den Geh­steig zu ho­he Ge­schwin­dig­keit ge­wählt, ver­spä­tet auf das Öff­nen der Pkw­tür re­agiert hät­te oder ein Rich­ter zur An­sicht ge­langt, dass die Be­leuch­tung zur bes­se­ren Sicht­bar­keit hät­te ein­ge­schal­tet sein müs­sen. Al­le die­se Be­haup­tun­gen, die ein Mit­ver­schul­den be­grün­den könn­ten, müss­te der Pkw-fah­rer aber be­wei­sen.

„Der Ver­such, den Scha­den­er­satz ge­richt­lich durch­zu­set­zen, ist mit ei­nem Ri­si­ko ver­bun­den.“

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.