Der tie­fe Fall der Fa­vo­ri­ten

Frank­reichs po­li­ti­sche Land­schaft ist im Um­bruch. Bei der Prä­si­dent­schafts­wahl im Früh­jahr ist al­les mög­lich.

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK -

ANA­LY­SE.

Nun ist auch noch Frank­reichs Ex-pre­mier Manuel Valls auf der Stre­cke ge­blie­ben. Vor ihm hat­ten sich be­reits Staats­chef François Hol­lan­de und sein Vor­gän­ger Ni­co­las Sar­ko­zy aus dem Prä­si­dent­schafts­ren­nen ver­ab­schie­det. Die Sym­pa­thi­san­ten der So­zia­lis­ten ha­ben Valls ei­ne Ab­fuhr er­teilt. Sie ha­ben dem er­fah­re­nen Re­al­po­li­ti­ker ei­nen Mann aus der zwei­ten Rei­he vor­ge­zo­gen, ei­nen Vi­sio­när: Be­noît Ha­mon, ehe­mals Bil­dungs­mi­nis­ter, hat sich bei den Vor­wah­len durch­ge­setzt.

Er wer­de nun den Blick he­ben, den Ho­ri­zont an­vi­sie­ren, den Fran­zo­sen ei­nen Weg in die Zu­kunft wei­sen, hat der frisch Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat ge­sagt. Er hät­te auch sa­gen kön­nen: Fünf Jah­re lang hat Hol­lan­de her­um­la­viert, bis wir al­le die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren ha­ben. Da­mit ist Schluss. Der neue Mann hat schon Zei­chen ge­setzt. Er pro­pa­giert ein vom Staat auf­zu­brin­gen­des Grund­ein­kom­men für al­le Er­wach­se­nen. Bis zu 400 Mil­li­ar­den Eu­ro wür­de das kos­ten. Kühn­heit ist die­sem Vor­ha­ben nicht ab­zu­spre­chen. Toll­kühn ist es.

Ha­mon ist nicht der Ein­zi­ge, der mit der Ver­gan­gen­heit bre­chen will. Die in der Wäh­ler­gunst vor ihm lie­gen­den Be­wer­ber ver­su­chen das Glei­che. Der par­tei­lo­se Ex-wirt­schafts­mi­nis­ter Em­ma­nu­el Ma­cron ver­si- chert, er wer­de das Land jen­seits aus­ge­tre­te­ner so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher oder kon­ser­va­ti­ver Pfa­de in die Mo­der­ne füh­ren. Ma­ri­ne Le Pen, Che­fin des rechts­po­pu­lis­ti­schen Front Na­tio­nal, pro­pa­giert den Aus­tritt aus der EU. Und der Kon­ser­va­ti­ve François Fil­lon hat an­ge­kün­digt, er wol­le das Land in so­zi­al­li­be­ra­lem Sin­ne um­krem­peln. In Frank­reich schlägt die St­un­de der Er­neue­rer.

tut not. Wirt­schafts­und Iden­ti­täts­kri­se ha­ben sich in der Amts­zeit Hol­lan­des ver­schärft. Die Ar­beits­lo­sig­keit ist hö­her als zu Be­ginn sei­nes Man­dats, die In­te­gra­ti­on der Mus­li­me stockt. Au­ßen­po­li­ge­kür­te tisch droht der Zer­fall Eu­ro­pas, den der neue Us-prä­si­dent Do­nald Trump und Kreml­chef Wla­di­mir Pu­tin ge­nüss­lich be­schwö­ren. Das zur Füh­rung be­ru­fe­ne Duo Mer­kel/hol­lan­de ist Im­pul­se zur Er­neue­rung Eu­ro­pas schul­dig ge­blie­ben. Da­bei wird sich die EU nur ge­eint ge­gen die auf mul­ti­la­te­ra­le Zu­sam­men­ar­beit we­nig ge­ben­den Groß­mäch­te Russ­land, USA und Chi­na be­haup­ten kön­nen.

Ha­mon hat das Glück, dass er das Ver­spre­chen ei­nes Grund­ein­kom­mens für al­le wohl nicht ein­lö­sen, sei­ne An­hän­ger nicht ent­täu­schen muss. Mei­nungs­for­scher pro­phe­zei­en ihm Platz fünf. An­ders sieht es für die gro­ßen drei aus, die sich ernst­haft

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