Pro­zess um be­tro­ge­nen Be­trü­ger

The­ra­peut knöpf­te Pa­ti­en­ten 885.000 Eu­ro ab. Er in­ves­tier­te in Mit­häft­ling – die­ser will aber nie­mals Geld ge­se­hen ha­ben.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK -

Freun­de wer­den die zwei Haupt­be­schul­dig­ten in dem Be­trugs­pro­zess wohl kei­ne mehr: „Sag end­lich die Wahr­heit, sitz nicht da wie ein Aff!“, schnauz­te et­wa der Er­stan­ge­klag­te sei­nen Sitz­nach­barn ges­tern am Gra­zer Straf­lan­des­ge­richt an. Der Mann, „ein cha­ris­ma­ti­scher Phy­sio­the­ra­peut“, soll Pa­ti­en­tin­nen (29 Op­fer sind be­kannt) die un­glaub­li­che Sum­me von 885.000 Eu­ro ab­ge­knöpft ha­ben. Das Geld be­nö­tig­te er an­geb­lich, um die Ent­wick­lung sei­nes bahn­bre­chen­den An­ti-schnarch-pa­tents vor­an­zu­trei­ben. Das er­gat­ter­te Geld über­gab er aber an ei­nen Tür­ken, den er im Ge­fäng­nis ken­nen­ge­lernt hat­te. Die­ser be­nö­tig­te die Eu­ros wie­der­um für die Re­no­vie­rung sei­nes Ke­b­ab­hau­ses. Ge­se­hen hat der The­ra­peut sein (er­gau­ner­tes) Geld dann nie mehr.

Rich­ter Rai­mund Frei muss mehr­mals den Kopf schüt­teln, als er die Ge­schich­te vom be­tro­ge­nen Be­trü­ger hört: „Ich ver­ste­he das nicht. Wie­so ha­ben Sie ihm das Geld wei­ter­ge­ge­ben?“ – Der Phy­sio­the­ra­peut hat kei­ne schlüs­si­ge Er­klä­rung: „Es ist eh Wahn­sinn. Es war aber al­les glaub­wür­dig von ihm.“Glaub­haft sei ihm et­wa er­klärt wor­den, dass die Fa­mi­lie des Tür­ken ei­ne Pis­ta­zi­en­plan­ta­ge be­sitzt – die­se wur­de ihm als Si­cher­heit an­ge­bo­ten. Si­cher mach­te den The­ra­peu­ten auch ein tür­ki­sches Spar­buch, wel­ches so echt war, dass es Re­chen­feh­ler ent­hielt. „Ja, ich bin schul­dig. Aber es wa­ren kei­ne 885.000, son­dern 600.000 Eu­ro“, sagt der Erst­be­schul­dig­te.

Zum Zweit­an­ge­klag­ten: „Mein Man­dant hat gar nie ein Geld be­kom­men“, sagt des­sen Ver­tei­di­ger ent­schlos­sen. Ne­ben­bei durch­leuch­tet er das An­ti-schnarch-pa­tent: „Das sind drei Luft­bal­lons in ver­schie­de­nen Stär­ken. Pa­ti­en­ten ka­men beim Auf­bla­sen drauf, dass sie nicht mehr schnar­chen.“Der An­walt des The­ra­peu­ten kon­tert: „Er hat sich per­sön­lich nicht be­rei­chert. Er hat al­les wei­ter­in­ves­tiert. Da­bei wur­de er vom Zweit­an­ge­klag­ten wie ei­ne Weih­nachts­gans aus­ge­nom­men.“– Ver­tagt.

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