„Es ist wich­tig, den Schü­lern Me­di­en­kom­pe­tenz zu ver­mit­teln“

Wich­ti­ge Grund­la­ge oder schäd­lich fürs Ge­hirn? Un­se­re Le­ser dis­ku­tie­ren über die Not­wen­dig­keit von ipads in Schul­klas­sen.

Kleine Zeitung Steiermark - - LESERFORUM -

Ich ge­hö­re zu den Ers­ten, die auf­schrei­en, wenn ana­lo­ges Rech­nen, Schrei­ben, Zeich­nen etc. zu­guns­ten di­gi­ta­ler Me­di­en an Be­deu­tung ver­liert. Aber: Das ei­ne schließt das an­de­re nicht aus. Der stei­gen­de Ein­satz di­gi­ta­ler Me­di­en ent­spricht ein­fach un­se­rer Zeit, al­les an­de­re wä­re welt­fremd. Es geht da­bei nicht nur dar­um, den Schü­le­rin­nen den Um­gang mit di­gi­ta­len Me­di­en zu er­klä­ren, son­dern um die Ver­mitt­lung von Me­di­en­kom­pe­tenz. Wie nut­ze ich was, mit wel­chen Vor­und Nach­tei­len. Denn das ist es ja größ­ten­teils, was ih­nen fehlt: di­gi­ta­le Me­di­en ziel­ge­rich­tet nut­zen und nicht als Spiel­zeug be­trach­ten.

Der Hin­weis auf das ex­trem dy­na­mi­sche Wachs­tum ist rich­tig. Und ge­ra­de des­halb muss die­ser Be­reich ins Schul­sys­tem ein­zie­hen. Wenn die Schu­le da nicht mit­hal­ten kann, ist un­ser Bil­dungs­sys­tem wohl be­denk­lich. Der Hin­weis, dass bud­ge­tä­re Mit­tel feh­len, dass es mo­men­tan nur ein „Fei­gen­blatt“ ist, stimmt wahr­schein­lich. Aber ge­ra­de dann muss dar­an ge­ar­bei­tet wer­den, dass Bil­dung dem Sta­tus quo ent­spricht. Nur dann wer­den die Schü­le­rin­nen auch zu kri­ti­schem Um­gang be­fä­higt.

Un­vor­stell­bar

Noch nicht ein­mal 80 Jah­re sind seit Ein­füh­rung der Hef­te in den Schul­klas­sen ver­gan­gen. Da­vor gab es Schie­fer­ta­feln und Grif­fel und die da­für ge­eig­ne­te Kur­rent­schrift. Es ist da­her mü­ßig, über Vor- oder Nach­tei­le der ipads nach­zu­den­ken. Wenn die­se Ge­rä­te im All­tag al­ler jun­gen Men­schen vor­han­den sind, wer­den sie auch ge­nutzt. Da­her ist auch der Um­gang mit die­sen neu­mo­di­schen Ge­rä­ten zu leh­ren und zu er­ler­nen. Die nächs­te Stu­fe der Be­quem­lich­keit wird si­cher ein Ge­rät sein, das Spra­che in Schrift um­setzt und hän­di­sches Schrei­ben ab­lö­sen wird. Haupt­au­gen­merk wä­re viel­mehr auf sin­n­er­fas­sen­des ra­sches Le­sen zu rich­ten. Die­se Fä­hig­keit wird der­zeit un­ge­nü­gend ge­för­dert. Da­her sind ipads in der Schu­le durch­aus ge­eig­net, so­fern das Bil­derl­schau­en im Klas­sen­zim­mer ver­bo­ten wird und der rich­ti­ge Um­gang mit dem In­ter­net die der­zeit gläu­bi­gen Nut­zer zu Men­schen formt, die kri­tisch wer­den, sind und blei­ben. Aber ist dies aus staats­po­li­ti­scher Sicht er­wünscht?

Nicht vor 12 Jah­ren

Un­se­re Po­li­ti­ker wol­len un­se­re Kin­der und Ju­gend­li­chen um je­den Preis di­gital kom­pe­tent ma­chen. Da­für soll me­di­en­wirk­sam ab so­fort viel Geld und (Schul-)zeit in­ves­tiert wer­den. Al­le Pflicht­schü­ler sol­len mit Ta­blets o. Ä. aus­ge­stat­tet wer­den. Laut wirk­li­chen Fach­leu­ten – statt „Ex­per­ten“aus Wirtschaft und Po­li­tik – er­reicht man da­mit das Ge­gen­teil. War­um fragt man nicht den Arzt und Hirn­for­scher Prof. Dr. Man­fred Spit­zer oder den Me­di­en­päd­ago­gen Prof. Ge­rald Lembke, die bei­de vor dem Ar­bei­ten am PC bis zum Al­ter von 12 Jah­ren aus­drück­lich war­nen? War­um nimmt man sich nicht an der It-eli­te im Si­li­con Val­ley ein Bei­spiel? Die hält ge­ne­rell ih­ren hoff­nungs­vol­len Nach­wuchs mög­lichst lan­ge vom Bild­schirm ab und baut für sie Wal­dorf­schu­len. Auch der le­gen­dä­re Ste­ve Jobs be­zeich­ne­te sich selbst üb­ri­gens als „Low­tech Pa­rent“, der sei­ne Kin­der viel lie­ber im Frei­en spie­lend ler­nen sah und den Me­di­en­kon­sum sei­ner Kin­der sehr streng be­grenz­te und kon­trol­lier­te.

Chi­na als Chan­ce

Das State­ment Al­f­red Gu­sen­bau­ers lässt den Schluss zu, dass er sich ei­nen star­ken Füh­rer für die Welt wün­schen wür­de. Nun kann man dar­über dis­ku­tie­ren, ob Do­nald Trump so ein Mann wä­re, aber der Wunsch selbst ist für ei­nen ehe­ma­li­gen so­zia­lis­ti­schen Bun­des­kanz­ler, sa­gen wir, über­ra­schend. Wer wird aber jetzt die „Ar­beit“ma­chen? Den IS be­kämp­fen, Nord­ko­rea die Atom­bom­ben weg­neh­men oder ver­hin­dern, dass Russ­land das Bal­ti­kum in­ha­liert, weil in Kö­nigs­berg ein Rus­se le­ben soll? Ja, wer?

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