Ab heu­te soll al­les an­ders sein

Kein Plan, kei­ne Stra­te­gie: Seit­dem in der ÖVP Se­bas­ti­an Kurz die Macht über­nom­men hat, tritt die SPÖ auf der Stel­le.

Kleine Zeitung Steiermark - - THEMA DES TAGES -

ANALYSE.

Mit Jah­res­be­ginn war al­les gut. Kanz­ler Chris­ti­an Kern prä­sen­tier­te sei­nen Plan A und mach­te auch da­nach al­les rich­tig. Doch dann kam Kurz. Seit dem Macht­wech­sel in der ÖVP ist die SPÖ wie ge­lähmt. Po­li­tik­be­ra­ter Tho­mas Ho­fer: „Kern hät­te es Wolf­gang Schüs­sel gleich­tun, das schwar­ze Knit­tel­feld be­schwö­ren und Neu­wah­len aus­ru­fen müs­sen. Das hat er nicht ge­tan. Seit­dem ist er Pas­sa­gier.“

an der Spit­ze konn­te vom Ap­pa­rat nicht auf­ge­fan­gen wer­den, denn zwi­schen Ball­haus­platz (Kanz­ler­amt) und Lö­wel­stra­ße (Par­tei) herrsch­te Krieg. Die Ver­ant­wort­li­chen für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kam­pa­gne spre­chen bis heu­te nicht die glei­che Spra­che. Ex­ter­ne Be­ra­ter wer­fen Plä­ne um. In­ter­ne Zwis­tig­kei­ten er­rei­chen um­ge­hend das Licht der Öf­fent­lich­keit. Wer was kom­mu­ni­ziert, bleibt dem Zu­fall über­las­sen. Das Par­tei­pro­gramm, das samt grif­fi­gem Slo­gan beim Par­tei­rat prä­sen­tiert wer­den soll, dringt über ei­ne In­dis­kre­ti­on in die Öf­fent­lich­keit.

Ak­tu­el­le Um­fra­gen sind nicht ge­eig­net, die Stim­mung zu ver­bes­sern. „Wir ha­ben das Match eh schon ver­lo­ren“, tönt es qu­er durch den Ka­der der Par­tei. „Die, die nicht an den Sieg glau­ben, sind am fal­schen Platz“, kon­tert Ge­werk­schaf­ter Bep­po Mu­chitsch. In den Um­fra­gen tritt die SPÖ auf der Stel­le, liegt mit rund 27 Pro­zent der Stim­men um sechs Pro­zent hin­ter der ÖVP. „Da ist kein Guss, kei­ne Stra­te­gie, kein macht­stra­te­gi­sches Zen­trum. Da­her bleibt die SPÖ pi­cken, wo sie ist“, sagt Ho­fer. Das Pro­blem: Kurz wil­de­re im Fp-la­ger, Kern könn­te das nur aus­glei­chen, in­dem er in Grün- und Ne­os-schich­ten vor­stößt. „Das ist durch das An­tre­ten von Pe­ter Pilz und das chao­ti­sche Wahl­kampf­ma­nage­ment schwie­rig ge­wor­den.“Zu­mal Kern durch sei­ne Aus­sa­gen in Rich­tung Wert­schöp­fungs­ab­ga­be auch ur­sprüng­lich Kern-af­fi­ne Wirt­schafts­trei­ben­de wie­der ver­trie­ben ha­be.

zog die Reiß­lei­ne. Am Frei­tag gab es ei­ne Aus­spra­che mit dem SPÖ-CHEF. Am Mon­tag über­sie­del­te Jo­han­nes Vet­ter als Kam­pa­gnen­lei­ter vom Kanz­ler­amt in die Par­tei­zen­tra­le. Am Di­ens­tag wur­de ei­ne Straf­fung der Or­ga­ni­sa­ti­on be­schlos­sen. Kern-stell­ver­tre­ter und Kärn­tens LH Pe­ter Kai­ser: „Es braucht kla­re Ab­läu­fe und Zu­stän­dig­kei­ten, ab heu­te wird man das auch se­hen.“Im Üb­ri­gen sei­en Selbst­zwei­fel zehn Wo­chen vor der Wahl nicht an­ge­bracht: „Wir müs­sen nicht als Ers­ter am Start sein, son­dern als Ers­ter im Ziel.“Kai­ser mahnt Ge­las­sen­heit ein: „In der Ru­he liegt die Kraft.“Soll­te der ei­ne oder an­de­re „noch ei­ne Hand­breit vom ge­mein­sa­men Seil ent­fernt sein, dann wer­den wir ihn hin­füh­ren“.

Der stei­ri­sche Spit­zen­kan­di­dat, Mi­nis­ter Jörg Leicht­fried, stößt ins sel­be Horn. „Der Wahl­kampf be­ginnt für uns heu­te. Die in­ner­par­tei­li­chen Be­find­lich­kei­ten sind nicht ent­schei­dend.“Es ge­he nur dar­um, wo­für die Be­we­gung ste­he und wer Kanz­ler wer­den sol­le. un­ter an­de­rem in der Wie­ner SPÖ, wir­ken in­zwi­schen hand­zahm. Wohn­bau­stadt­rat Michael Lud­wig rech­net fest da­mit, „dass heu­te ein Ruck durch die Par­tei ge­hen wird, wenn Kern sei­ne Plä­ne prä­sen­tiert“. Lei­se Kri­tik wagt die Ju­gend. Sj-che­fin Ju­lia Herr for­dert, die SPÖ sol­le mehr auf so­zia­le The­men set­zen, „die sind un­ser Ass im Är­mel“. Leu­te wie Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil, „die im­mer wie­der aus­sche­ren“, rück­ten die Par­tei in ein schlech­tes Licht. Do­sko­zil nä­he­re sich zu­se­hends den Stand­punk­ten von ÖVP und FPÖ an.

Der par­tei­in­ter­ne Dis­put – soll man auf das The­ma Si­cher­heit set­zen oder nicht – ist je­doch ent­schie­den. Man kann dar­auf nicht ver­zich­ten, Do­sko­zil ist das Ge­sicht der SPÖ da­zu.

Den Wahl­kampf ge­win­nen kann die SPÖ aber nur auf ih­ren ei­ge­nen Stär­ke­fel­dern, rät auch Ho­fer. Und hof­fen, dass Se­bas­ti­an Kurz Feh­ler macht.

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