Hin­ter der Spit­ze klafft ei­ne Lü­cke

Der Er­folg der Öfb-da­men soll auch dem stei­ri­schen Frau­en­fuß­ball Flü­gel ver­lei­hen. Ihm fehlt es der­zeit in der Brei­te.

Kleine Zeitung Steiermark - - SPORT -

ANALYSE.

Noch vor we­ni­gen Wo­chen war der stei­ri­sche Frau­en­fuß­ball – eben­so wie der ös­ter­rei­chi­sche – le­dig­lich ein Ni­schen­pro­dukt. Da­bei ist es noch gar nicht lan­ge her, dass der SK Sturm mit sei­ner Da­men­mann­schaft für ei­ne ös­ter­rei­chi­sche Re­kord­ku­lis­se ge­sorgt hat: Im Ok­to­ber des Vor­jahrs sa­hen 1835 Fans, wie die Gra­ze­rin­nen in der Cham­pi­ons Le­ague zu Hau­se dem FC Zü­rich mit 0:6 un­ter­la­gen. An­schlie­ßend soll­ten acht Mo­na­te ver­ge­hen, ehe der stei­ri­sche Frau­en­fuß­ball ins Ram­pen­licht zu­rück­kehrt. Mit Sa­rah Pun­ti­gam, So­phie Mai­er­ho­fer, Carina Wen­nin­ger, Bar­ba­ra Dunst und Vik­to­ria Schna­der­beck kämp­fen heu­te Abend gleich fünf Stei­re­rin­nen um den Ein­zug ins Emend­spiel.

Ob ei­ne der­ar­ti­ge Quo­te aus stei­ri­scher Sicht wie­der­hol­bar ist? Die Chan­cen ste­hen nicht schlecht, kür­te sich die stei­ri­sche U14-aus­wahl der Mäd­chen heu­er doch zum ös­ter­rei­chi­schen Meis­ter. „Die bes­ten Spie­le­rin­nen kom­men ins Na­tio­na­le Zen­trum für Frau­en­fuß­ball nach St. Pöl­ten, wo wir schon mit vie­len Mäd­chen ver­tre­ten sind“, er­klärt Do­ris Sey­bold als Frau­en­be­auf­trag­te des Stei­ri­schen Fuß­ball­ver­bands. Der Er­folg an der Spit­ze scheint ab­so­lut ge­ge­ben, wie auch die Auf­trit­te des ös­ter­rei­chi­schen Vi­ze­meis­ters Sturm be­wei­sen.

D„Da­für be­trei­ben wir ei­nen sehr gro­ßen Auf­wand. In den ver­gan­ge­nen drei Wo­chen ha­ben wir 17 Trai­nings und drei Spie­le ab­sol­viert“, sagt Bernd Muth, als Mit­glied des Trai­ner­stabs der Sturm-da­men ein Ken­ner des stei­ri­schen Frau­en­fuß­balls. och wo Licht ist, ist be­kannt­lich auch Schat­ten. „Bei uns gibt es ein­deu­tig zwei Po­le: die Spit­ze und die Brei­te. In der Brei­te sind wir nicht gut auf­ge­stellt“, ana­ly­siert Sey­bold. Die An­zahl der Teams geht ste­tig zu­rück, al­lein ein Blick in die Lan­des­li­ga, die dritt­höchs­te Spiel­klas­se, spricht Bän­de. Dort ha­ben sich im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Sai­son bzw. zum Sai­son­en­de sechs Mann­schaf­ten auf­ge­löst. Selbst die Zweit- und Dritt­plat­zier­ten, St. Ruprecht/ra­ab und Zelt­weg, tre­ten nicht mehr an. Um die Lan­des­li­ga er­hal­ten zu kön­nen, wur­den die viert­klas­si­gen Ober­li­gen aus­ge­dünnt.

„Die Grün­de, war­um Ver­ei­ne den Spiel­be­trieb ein­stel­len, sind viel­schich­tig: Für die ei­nen sind die Fahrt­kos­ten zu hoch, den an­de­ren feh­len neue Spie­le­rin­nen“, er­läu­tert Sey­bold. Hin­zu kommt, dass der Frau­en­fuß­ball häu­fig vom En­ga­ge­ment Ein­zel­ner und Freund­schaf­ten in­ner­halb der Mann­schaft ge­prägt ist: Spie­le­rin­nen kom­men und ge­hen im Dop­pel­pack. Das er­schwert die Ka­der­pla­nung mas­siv, zu­mal der Pool an vor­han­de­nen

LSpie­le­rin­nen über­schau­bar ist. Weil Muth be­sag­te Aus­wahl auf dem stei­ri­schen Trans­fer­markt ver­misst, be­steht der 34-Frau­en-ka­der des SK Sturm mitt­ler­wei­le aus 13 Kärnt­ne­rin­nen. „Der Vor­wurf, dass wir durch die Stei­er­mark fah­ren und Spie­le­rin­nen ein­sam­meln, stimmt al­so nicht“, sagt Muth. ösen lässt sich das Pro­blem der feh­len­den Brei­te wohl nur im Kin­des­al­ter, wie ein Blick auf die Fuß­ball­plät­ze ver­rät. Dort zeigt sich gleich, ob Spie­le­rin­nen be­reits im Volks­schul­al­ter ak­tiv ge­we­sen sind. Wer erst als Ju­gend­li­che an­fängt, kann die­sen Rück­stand kaum auf­ho­len. „Bei den Bur­schen ler­nen die Mäd­chen ein kräf­ti­ges, zwei­kampf­be­ton­tes Trai­ning“, er­klärt Muth. Im­mer­hin, so Sey­bold, spie­len in mehr als 90 Pro­zent der stei­ri­schen Bur­schen­mann­schaf­ten auch Mäd­chen mit. Da häu­fig je­doch der im Al­ter von 14 Jah­ren er­laub­te Über­gang vom Bur­schen- in den Frau­en­fuß­ball miss­lingt, blei­ben vie­le auf der Stre­cke. Eben­so ein Nach­teil: Nam­haf­te stei­ri­sche Ver­ei­ne wie Kap­fen­berg und Hart­berg mit ih­ren gro­ßen Ju­gend­ab­tei­lun­gen sucht man im Frau­en­fuß­ball (noch) ver­ge­bens.

Mit ei­nem neu­en För­der­pro­jekt will der Stei­ri­sche Ver­band in den kom­men­den Jah­ren rei­ne Mäd­chen­mann­schaf­ten von der U7 bis zur U12 for­cie­ren. „Wenn Mäd­chen in oder ge­gen Bur­schen­mann­schaf­ten spie­len, ist das für ih­re Ent­wick­lung am bes­ten“, sagt Sey­bold. Sie hofft eben­so wie Muth auf ei­nen Em­be­ding­ten Auf­wind im Frau­en­fuß­ball, wo­bei der Sturm-be-

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