Über die Schick­sa­le von Frau­en

Die­se mor­gi­ge Pre­mie­re von Ver­dis „Ai­da“in Salz­burg wird mit Hoch­span­nung er­war­tet.

Kleine Zeitung Steiermark - - SAMSTAG, 5. AUGUST 2017 -

Die­se Auf­füh­rung wird ein­ma­lig, sie wird Ge­schich­te schrei­ben“, ver­si­cher­te Fran­ces­co Me­li schon ita­lie­ni­schen Me­di­en. Der 37jäh­ri­ge Ge­nue­ser Bel­can­tote­nor, der auch uns ein gro­ßes In­ter­view gab (mor­gen zu le­sen auf den Kul­tur­sei­ten), singt in Gi­u­sep­pe Ver­dis „Ai­da“den ägyp­ti­schen Feld­herrn Ra­damès.

Die Pre­mie­re in Salz­burg wird in vie­ler­lei Hin­sicht mit Span­nung er­war­tet:

Ers­tens war Ver­dis 1871 in Kai­ro ur­auf­ge­führ­te Oper erst ein ein­zi­ges Mal in Salz­burg zu hö­ren. 1979 setz­te Ma­e­s­tro Her­bert von Ka­ra­jan auf sei­ne Fa­vo­ri­ten: Mi­rel­la Fre­ni in der Ti­tel­par­tie, Jo­sé Car­re­ras als Ra­damès, Pie­ro Cap­puc­cil­li, Ni­co­lai Ghi­au­rov und Rug­ge­ro Rai­mon­di.

Zwei­tens gilt Ric­car­do Mu­ti (76), der mor­gen ans Pult der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker tritt, als Ver­di-experte, hat die „Ai­da“aber auch schon 38 Jah­re lang nicht mehr di­ri­giert.

Drit­tens gibt es drei Haupt­rol­len­de­bü­tan­ten, dar­un­ter die nicht ganz un­be­kann­te An­na Netreb­ko. Die Starso­pra­nis­tin, die Salz­burg 2002 als Ram­pe für ih­ren Ra­ke­ten­start in den Opern­him­mel zu nut­zen wuss­te und seit da­mals qua­si zum mu­si­ka­li­schen Lu­xus­in­ven­tar des Fes­ti­vals zählt, singt die äthio­pi­sche Prin­zes­sin Ai­da (ein Por­trät von Netreb­ko le­sen Sie eben­falls mor­gen, in un­se­rer Sonn­tags­bei­la­ge).

Und noch ei­nen Neu­ling gibt es: Shi­rin Nes­hat in­sze­niert auf Ein­la­dung des neu­en In­ten­dan­ten Mar­kus Hin­ter­häu­ser erst­mals ei­ne Oper. Was schon vor der Pre­mie­re zu er­fah­ren war: Sie wird in Ver­dis Dra­ma ei­ne sehr re­du­zier­te Re­gie in eher mo­no­chro­mem, zeit­lo­sem Am­bi­en­te lie­fern, stark den Ge­gen­satz zwi­schen Kle­rus und Mi­li­tärs her­aus­strei­chen und die Rol­le der Frau­en deut­lich be­to­nen. Letz­te­res ist ein The­ma, das die seit 1979 in den USA le­ben­de Nes­hat als Fo­to­künst­le­rin und Fil­me­ma­che­rin seit je­her be­schäf­tigt: Frau­en­schick­sa­le in den strik­ten, hier­ar­chi­schen, re­li­giö­sen Ge­sell­schaf­ten des Ori­ents.

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