Ge­richt lässt Bau­be­hör­de ab­blit­zen

Nach Kol­lek­tivstra­fe für Be­woh­ner ei­nes Gra­zer Mehr­par­tei­en­hau­ses stell­te Ge­richt Ver­fah­ren ein. Doch Fall bleibt span­nend.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK -

Die be­trof­fe­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer wa­ren vor ei­nem Jahr aus al­len Wol­ken ge­fal­len, als sie Straf­be­schei­de der Gra­zer Bau- und An­la­gen­be­hör­de in der Post fan­den. Je­weils 500 Eu­ro soll­ten die mehr als zwei Dut­zend Be­woh­ner des Mehr­par­tei­en­hau­ses am Gra­zer Süd­ti­ro­ler Platz zah­len. Grund: In Ge­schäfts­lo­ka­len im Erd­ge­schoß war vor Jah­ren um­ge­baut wor­den, der Ab­schluss der Bau­ar­bei­ten wur­de der Be­hör­de da­mals aber nie ge­mel­det. Nach dem Buch­sta­ben des Ge­set­zes wur­den die be­tref­fen­den Rä­um­lich­kei­ten seit­her un­recht­mä­ßig be­nutzt – wo­für aus Sicht der Bau­be­hör­de al­ler­dings je­der ein­zel­ne Woh­nungs­be­sit­zer im Haus ge­ra­de­ste­hen muss (wir be­rich­te­ten).

Die Em­pö­rung un­ter den Be­woh­nern ist seit­her rie­sig. „Wo­her soll ich wis­sen, was da im Erd­ge­schoß ge­macht wird? Ich ha­be hier im Haus ein­fach nur ei­ne Woh­nung“, sagt ei­ner der Be­trof­fe­nen. In der Fol­ge setz­te es et­li­che Ein­sprü­che ge­gen die Straf­be­schei­de, ei­ner da­von lan­de­te in­zwi­schen vor dem Lan­des­ver­wal­tungs­ge­richt, das jetzt sein Ur­teil fäll­te: Das Straf­ver­fah­ren ge­gen den Woh­nungs­in­ha­ber wird ein­ge­stellt.

Be­grün­dung der Rich­ter: Nach­dem der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer kei­ner­lei Ver­fü­gungs­ge­walt über die um­ge­bau­ten Rä­um­lich­kei­ten im Erd­ge­schoß hat, kön­ne er auch für de­ren il­le­ga­le Be­nüt­zung nicht zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den. Be­langt wer­den kön­nen dem­nach nur je­ne Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, „de­nen auch das aus­schließ­li­che Nut­zungs- und Ver­fü­gungs­recht zu­kommt“– sprich: Nur die tat­säch­lich vom Um­bau be­trof­fe­nen Ei­gen­tü­mer im Erd­ge­schoß dür­fen ge­straft wer­den.

Bau- und An­la­gen­be­hör­de hat man den Ge­richts­ent­scheid noch nicht er­hal­ten und will des­halb vor­erst kei­ne Stel­lung­nah­me ab­ge­ben. In­tern sorgt das Ur­teil aber für Ver­wun­de­rung, denn bis vor Kur­zem sei die Rechts­la­ge stets ein­deu­tig aus­ge­legt wor­den: Die Ei­gen­tü­mer sei­en über die Ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft für das ge­sam­te Haus ver­ant­wort­lich und wür­den bei Ver­feh­lun­gen ein­zel­ner Par­tei­en auch ge­mein­sam be­langt.

Der Fall vom Süd­ti­ro­ler Platz ist nun aber be­reits der zwei­te, in dem das Lan­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu­guns­ten der Ei­gen­tü­mer ent­schei­det. In ei­ner ähn­lich ge­la­ger­ten An­ge­le­gen­heit ha­ben die Rich­ter das Straf­ver­fah­ren eben­falls ein­ge­stellt. Die Gra­zer Bau­be­hör­de leg­te ge­gen das Ur­teil Re­vi­si­on ein, die vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof auch zu­ge­las­sen wur­de. Seit­her liegt die Cau­sa beim Höchst­ge­richt in Wi­en. Die Ent­schei­dung er­war­ten Ju­ris­ten mit Span­nung.

Ob die Be­hör­de auch in der Cau­sa Süd­ti­ro­ler Platz ge­gen das Ur­teil be­ruft, ist noch of­fen.

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