Wel­chen Wert hat der Mensch?

Kleine Zeitung Steiermark - - FRAGE DER WOCHE -

Die Norm soll das Maß der Welt be­stim­men, doch die den Blau­en Pla­ne­ten be­völ­kern­de Spe­zi­es be­wegt sich in zahl­lo­sen Be­rei­chen au­ßer­halb jeg­li­cher Ord­nung im Sin­ne der Ver­nunft. Sie bringt das Kli­ma zum Kip­pen, saugt die Res­sour­cen ab, be­feu­ert po­ten­zi­el­le Kriegs­her­de durch schran­ken- und ge­wis­sen­lo­sen Waf­fen­han­del, tö­tet, aber bringt den Hun­ger nicht zum Er­lie­gen. Wie al­so ist er zu be­stim­men, der Wert die­ses Men­schen, der zu al­lem Mög­li­chen und schein­bar Un­mög­li­chen fä­hig ist?

„Al­le Men­schen sind frei und gleich an Wür­de und Rech­ten ge­bo­ren“, heißt es in der All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rech­te, aber schon ei­nen Wim­pern­schlag nach dem ers­ten Blick auf das Licht der Welt ist die Idee von der Ega­li­tät zer­ron­nen. Und aus der Fließ­ge­schwin­dig­keit des auf un­zäh­li­gen Bah­nen fort­schrei­ten­den Le­bens gibt es kein Ent­rin­nen. Das ak­tu­el­le Bei­spiel von aus­ufern­dem ir­di­schen Han­deln be­trifft ei­nen kon­kre­ten Aspekt des der Lust am Spiel ver­fal­le­nen Men­schen, er­hält aber durch die Di­men­si­on ei­nen all­ge­mei­nen, über­ge­ord­ne­ten Cha­rak­ter. 222 Mil­lio­nen aus dem öl- und gas­ge­tränk­ten Ka­tar stam­men­de Eu­ro wur­den vom fran­zö­si­schen Fuß­ball­klub Pa­ris St.-ger­main an den FC Bar­ce­lo­na über­wie­sen, um ei­nen ein­zi­gen Spie­ler zu er­wer­ben. Der gu­te Mann heißt Ney­mar, kommt aus Bra­si­li­en und ist ge­wiss ein Meis­ter sei­nes Fachs. Aber an die­sem Punkt muss der Ein­wand Platz fin­den, die­se Form des Men­schen­han­dels hier nicht ins Gro­teskwahn­wit­zi­ge ab­glei­tet.

Der Phi­lo­soph Kon­rad Paul Liess­mann stellt die Grund­satz­fra­ge. „Wie und in wel­chem Sinn lässt sich von ei­nem Wert des Men­schen spre­chen? Geht nicht, wer in ei­nem ethi­schen Sin­ne vom Wert des Men­schen spre­chen möch­te, in die Fal­le, die der Wert­be­griff selbst be­reit­stellt?“Der Be­griff selbst stammt, wie Liess­mann fest­hält, aus der Na­tio­nal­öko­no­mie. „Der Wert be­schreibt, was Din­ge am Markt wert sind: ih­ren Preis, ih­ren Geld­wert. Im Vo­ka­bu­lar der Öko­no­mie ist der Be­griff sub­jekt­be­zo­gen und heißt: Et­was ist mir et­was wert, und die­se Wert­schät­zung drü­cke ich durch das aus, was ich da­für be­reit bin zu zah­len.“Bei Sum­men der ge­nann­ten Grö­ßen­ord­nung schei­nen je­doch sämt­li­che Kon­troll­me­cha­nis­men zu ver­sa­gen. Liess­mann ver­folgt hier in­des ei­nen durch­aus prag­ma­ti­schen An­satz. „Von ei­nem Wert des Men­schen zu spre­chen ist nur dann sinn­voll, wenn sich dar­in die Wert­schät­zung aus­drückt, mit der Men­schen ein­an­der ge­gen­über­tre­ten. Das meint al­ler­dings we­ni­ger ei­ne mo­ra­lisch ver­stan­de­ne Form der Ach­tung oder An­er­ken­nung, son­dern – we­sent­lich nüch­ter­ner – den ima­gi­nä­ren oder rea­len Preis, den ich be­reit bin, für ei­nen Men­schen oder für das, was ich von ihm will, zu zah­len“, so der an der Uni­ver­si­tät Wi­en auch Ethik leh­ren­de Phi­lo­soph. ber der Preis ist hoch. Die Gre­mi­en der Fuß­ball­be­hör­de ka­pi­tu­lie­ren

Adem Markt, wohl wis­send, dass sie, sich in Si­cher­heit wäh­nend, al­le im sel­ben Boot sit­zen. Wa­gen wir an die­ser Stel­le ei­nen ra­di­ka­len Ver­gleich. Wie vie­le Flücht­lin­ge, die täg­lich im Mit­tel­meer um ihr Le­ben kämp­fen, er­ge­ben ei­nen Ney­mar? Ist es zu­läs­sig, auf die­se Wei­se ge­ob

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