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Kleine Zeitung Steiermark - - HANDELSWARE MENSCH -

kei­ner­lei An­spruch auf die Ein­hal­tung ethi­scher Grund­sät­ze er­hebt. Der Fall Ney­mar zeigt dras­tisch, wie sich der Mensch als Han­dels­wa­re vor­füh­ren lässt. Die ohn­mäch­ti­ge Ge­sell­schaft macht mit oder sieht mit of­fe­nem Mund ta­ten­los zu. Die pha­sen-

Awei­se auf­kei­men­de Em­pö­rung wird höh­nisch ab­ge­schmet­tert. Schon lan­ge be­wegt sich der Trans­fer­markt im Fuß­ball auf Ab­we­gen, nun droht er nicht mehr her­aus­zu­fin­den aus der Ex­trem­si­tua­ti­on, in die er sich hin­ein­ma­nö­vriert hat. Stim­men aus dem Volk zei­gen, dass die Sum­me als nicht mehr er­fass­bar er­ach­tet wird. Es ist das Un(be)greif­ba­re, das uns rat­los zu­rück­lässt. Liess­mann ver­weist hier auf die Be­dürf­nis­se der Ge­sell­schaft und sieht ei­ne his­to­ri­sche Par­al­le­le. „Dass der Wert von Fuß­bal­lern in as­tro­no­mi­sche Hö­he ge­trie­ben wer­den kann, hat we­nig mit den Ei­gen­schaf­ten die­ser Sport­ler zu tun, aber sehr viel da­mit, was ei­ne Ge­sell­schaft für wich­tig er­ach­tet. Und da steht mas­sen­wirk­sa­mer Sport eben an ers­ter Stel­le, wie auch schon im an­ti­ken Rom, in dem die er­folg­rei­chen Wa­gen­len­ker zu den best­be­zahl­ten Men­schen zähl­ten.“uch auf an­de­ren Ebe­nen stellt sich die Fra­ge nach dem Wert des Men­schen. Wer­den Bür­ger der USA oder aus Groß­bri­tan­ni­en von Ter­ro­ris­ten wie dem IS ent­führt, wird kein Lö­se­geld ge­zahlt. Sind die­se Men­schen nicht „wert­voll“ge­nug? Be­grün­det wird das Vor­ge­hen mit dem Ar­gu­ment, sich nicht er­press­bar ma­chen zu las­sen. Der Tod wird in Kauf ge­nom­men. Oft fol­gen Mi­li­tär­ak­tio­nen, die ein Viel­fa­ches ver­ple­xen

Bsch­lin­gen und vie­le un­schul­di­ge Op­fer for­dern. Die Wi­der­sprüch­lich­kei­ten sind auch in an­de­ren For­ma­ten an­zu­tref­fen, et­wa im Ge­sund­heits­we­sen, wenn es zur letz­ten al­ler Fra­gen kommt. Ist ei­ne kos­ten­in­ten­si­ve künst­li­che Le­bens­ver­län­ge­rung bei aus­sichts­lo­ser Pro­gno­se noch zu recht­fer­ti­gen? ere­ch­nen lässt sich der Mensch aber oh­ne­hin per­ma­nent, im All­tag. Wir schlie­ßen Le­bens­ver­si­che­run­gen ab und wer­den von Per­so­nal­ab­tei­lun­gen als Ar­beits­ein­hei­ten ge­führt. Auf al­len Ebe­nen kommt es im Span­nungs­feld zwi­schen der Ethik und der Öko­no­mie zur dau­er­haf­ten Aus­ein­an­der­set­zung. So­lan­ge die bei­den Par­tei­en ein­an­der die Waa­ge hal­ten, blei­ben die Sys­te­me funk­ti­ons­tüch­tig. Wenn das Un­gleich­ge­wicht zu­un­guns­ten mo­ra­li­scher Wer­te über­hand­nimmt, droht die Ent­glei­sung. Im­mer we­ni­ger Olig­ar­chen be­stim­men über die Ge­schi­cke ei­ner im­mer ge­rin­ger qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit. Dass der Fuß­ball zu­sam­men­bricht, ist vor­erst noch nicht zu er­war­ten. Hilft nur ein Crash?

Liess­mann sieht beim Sport als Mas­sen­phä­no­men mit den da­zu­ge­hö­ri­gen Un­sum­men kaum ei­ne Chan­ce für mo­ra­li­sche Ein­wän­de. „Da­ge­gen die Ethik ins Spiel zu brin­gen, fruch­tet we­nig. Wem es dar­um geht, die un­ver­wech­sel­ba­re und gera­de nicht in ei­nem Geld­preis aus­drück­ba­re In­di­vi­dua­li­tät und Ein­zig­ar­tig­keit des Men­schen zu be­to­nen, soll­te lie­ber nicht von ei­nem Wert des Men­schen, son­dern von sei­ner Wür­de spre­chen. Die­se al­lein ist näm­lich nicht quan­ti­fi­zier­bar. So zu­min­dest hat dies Im­ma­nu­el Kant ge­se­hen.“

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