„So et­was hab ich noch nie er­lebt“

In Don­ners­bach­wald wü­te­te das Un­wet­ter Frei­tag­nacht mit al­ler Wucht. Brü­cken und Au­tos wur­den mit­ge­ris­sen.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK -

Mehr Iro­nie geht fast nicht: Dort, wo noch we­ni­ge St­un­den zu­vor ein Un­wet­ter wü­te­te, scheint in­zwi­schen die Son­ne. Die Ver­wüs­tung, die der Stark­re­gen im ober­stei­ri­schen Ort Don­ners­bach­wald mit sich brach­te, ist aber wei­ter­hin zu se­hen. Schon am Weg dort­hin macht sich die Na­tur­ge­walt be­merk­bar: Ein Teil der Stra­ße wur­de in den Don­ners­bach ge­ris­sen. Vor­erst ist die Stel­le nur mit ei­nem Blink­licht ab­ge­si­chert. Es gibt Wich­ti­ge­res zu tun.

Das be­stä­ti­gen zwei Bur­schen, die mit Be­sen Dreck von der Stra­ße keh­ren. „Das ist gar nichts im Ver­gleich zu wei­ter drin­nen“, er­klä­ren sie. Im Dorf­kern prä­sen­tiert sich ein be­klem­men­des Bild: Die Stra­ßen sind ver­schlammt. Kein Wun­der, trat doch zwölf St­un­den zu­vor der Don­ners­bach über die Ufer. „Ich woh­ne seit mei­ner Ge­burt hier, aber so et­was ha­be ich noch nie er­lebt“, er­zählt Hel­mut Weich­bold und zeigt auf ei­ne Brü­cke hin­ter sei­nem Haus oder dar­auf, was da­von üb­rig ge­blie­ben ist. Die Flut hat die Brü­cke weg­ge­ris­sen. „Das Was­ser hat sich wei­ter drin­nen auf­ge­staut und ist in meh­re­ren Tran­chen da­her­ge­rauscht. Bei der ers­ten war die Brü­cke aber schon weg“, er­klärt der Don­ners­bach­wal­der, des­sen Bru­der Ur­ban am Orts­an­fang wohnt. Auch die­ser Teil des Dorfs blieb nicht ver­schont. „Ei­nen hal­ben Me­ter hoch ist der Bach über die Ufer ge­kom­men. Das ging von ei­ner Se­kun­de auf die an­de­re und dann hat es nur noch ge­hei­ßen, dass wir die Au­tos in Si­cher­heit brin­gen sol­len. Es war schreck­lich“, schil­dert er die Um­stän­de.

Zu spät war es für ei­nes der bei­den von Man­fred Schwarzlech­ner: „Ich ha­be nicht an das Au­to in der Ga­ra­ge ge­dacht, aber da war es schon zu spät. So­gar der letz­te Küh­ler­grill hat noch et­was ab­be­kom­men. Du kannst nicht an al­les den­ken. Du bringst ein­fach al­les, was geht, in Si­cher­heit“, er­klärt der Päch­ter des Lo­kals Wof­fen­haus. Das zwei­te Au­to stand vor der Tür und wur­de von der Flut mit­ge­ris­sen. „Ein Holz­s­tip­fel hat das Au­to auf­ge­hal­ten. Sonst hät­te ich es wahr­schein­lich im Bach ge­fun­den“, so Schwarzlech­ner wei­ter, der die Hilfs­be­reit­schaft der Don­ners­bach­wal­der be­tont. „Oh­ne die vie­len Frei­wil­li­gen wüss­ten wir nicht, wie es wei­ter­geht. In­zwi­schen schaut das Haus im Erd­ge­schoß wie­der halb­wegs in Ord­nung aus. Und ich bin froh, dass wir jetzt wie­der Strom ha­ben.“

Dass es bei Stark­re­gen zu Über­flu­tun­gen kommt, ist für das Don­ners­bach­tal nichts Neu­es. „Da­von geht im­mer Ge­fahr aus, kei­ne Fra­ge. Das letz­te Mal war es in den 50er­jah­ren so schlimm, aber da war ich noch nicht auf der Welt“, er­zählt Hel­mut Weich­bold. Da­mals sei auch die am Frei­tag nie­der­ge­ris­se­ne Brü­cke hö­her ge­baut wor­den. „Aber das hat jetzt auch nichts mehr ge­nutzt.“Es war üb­ri­gens nicht die ein­zi­ge Brü­cke, die der Wucht des Was­sers nicht stand­hielt.

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