„Ei­nes rei­chen Lan­des wie Ös­ter­reich nicht wür­dig“

Wie geht es mit un­se­rer Ge­sund­heits­ver­sor­gung wei­ter? Drei Ärz­te­kam­mer-prä­si­den­ten über die stei­gen­den War­te­zei­ten, die herr­schen­de Zwei­klas­sen­me­di­zin und dar­über, war­um die Pri­mär­ver­sor­gung die Land­ärz­te ver­treibt.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK -

IN­TER­VIEW.

Die Ärz­te­kam­mer ist in ei­ner schwie­ri­gen Si­tua­ti­on. Ih­re fak­ti­sche Macht ist von Po­li­tik und So­zi­al­ver­si­che­run­gen mas­siv ein­ge­schränkt wor­den. Bei den gro­ßen Rich­tungs­ent­schei­dun­gen ist man nur Zu­schau­er. Aber mit Mil­lio­nen Pa­ti­en­ten­kon­tak­ten jähr­lich bleibt man ein po­li­ti­scher Fak­tor, der Stim­mun­gen be­ein­flus­sen kann. Und so sucht man den Weg zu­rück auf das po­li­ti­sche Par­kett. Denn das Kam­mer­sys­tem hängt auch von der zu­künf­ti­gen Ver­sor­gungs­struk­tur ab. In Vel­den kam es zum Gip­fel­tref­fen zwi­schen Kärn­tens Prä­si­den­tin Pe­tra Preiss, Ös­ter­reichs Prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res und Stei­rer­prä­si­dent Her­wig Lindner.

Es geht nicht um den Kanz­ler. Im Mo­ment re­den haupt­säch­lich Po­li­ti­ker, die das Sys­tem ma­xi­mal als Pa­ti­ent, aber nicht von in­nen ken­nen­ge­lernt ha­ben, und sie füh­len sich als Ex­per­ten be­ru­fen, die sie aus un­se­rer Sicht in kei­ner Wei­se sind.

Haust du mei­nen, dann hau ich dei­nen – wenn man bei die­sen ös­ter­rei­chi­schen Po­lit­spie­len dann Ge­schäf­te mit der Ge­sund­heits­po­li­tik macht, dann ist das schlecht für die Ge­sund­heits­po­li­tik. Dass Ärz­te im Par­la­ment mit­re­den sol­len, ist mir ein An­lie­gen – und nicht, wie es die Po­li­tik jetzt ge­macht hat, die Ärz­te aus al­len Ent­schei­dungs­gre­mi­en her­aus­zu­drän­gen. Das ge­hört ge­än­dert.

Ein Arzt be­kommt im Quar­tal pro Pa­ti­ent von der Wie­ner GKK 45 Eu­ro, der Pa­ti­ent kommt im Schnitt drei Mal, das sind pro Kon­sul­ta­ti­on 15 Eu­ro. Da­mit wird man ge­zwun­gen, dass man sehr vie­le Pa­ti­en­ten sieht, weil man sonst nicht ein­mal Ba­sis­kos­ten ab­de­cken kann. Das Durch­schnitts­ein­kom­men ei­nes Wie­ner All­ge­mein­me­di­zi­ners liegt zwi­schen 5000 bis 6000 Eu­ro brut­to im Mo­nat. Dass das ein be­son­ders gu­tes Ge­schäft ist, wür­de ich mich nicht zu sa­gen trau­en. Man wird nicht reich. Und die meis­ten Kol­le­gen ha­ben als An­trieb den Wunsch, so­zi­al tä­tig zu sein.

Es gibt ja auch ge­nug Ärz­te, die zu­sätz­li­che Jobs zu ih­rer Arzt­tä­tig­keit ma­chen.

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