Wie sah der Papst Mar­tin Lu­ther?

Kleine Zeitung Steiermark - - MEINUNGEN 7 -

Das Re­for­ma­ti­ons­jahr neigt sich lang­sam, aber si­cher dem En­de zu. Viel wur­de über die über­le­bens­gro­ße Gestalt Mar­tin Lu­thers ge­schrie­ben, noch mehr ge­spro­chen. Und man­ches neue Stan­dard­werk hat sich der oh­ne­hin schon über­aus reich­hal­ti­gen Li­te­ra­tur über den Re­for­ma­tor hin­zu­ge­sellt. Den Theo­lo­gen, His­to­ri­kern und sons­ti­gen Ge­lehr­ten kommt da­bei zu­gu­te, dass Lu­ther selbst ein un­ge­mein pro­duk­ti­ver Schrift­stel­ler war und auf­grund sei­ner Im­pul­si­vi­tät und sei­nes aus­ge­präg­ten Hangs zur Po­le­mik mehr als an­de­re Zeit­ge­nos­sen tie­fen Ein­blick in sein Füh­len und Den­ken gab.

Da­mit ist aber auch schon ein Grund­pro­blem der Re­for­ma­ti­ons­his­to­rie be­rührt: Wie Lu­ther über den „Bapst“im neu­en Ba- by­lon am Ti­ber dach­te, wis­sen wir aus sei­nen zahl­rei­chen Pam­phle­ten und Ti­sch­re­den. Wie dach­ten aber Rom, der Papst und die Kar­di­nä­le über ih­ren ärgs­ten Kon­tra­hen­ten? Mit die­ser nicht un­we­sent­li­chen Fra­ge hat sich die Ge­schichts­schrei­bung bis jetzt nur sehr stief­müt­ter­lich aus­ein­an­der­ge­setzt. Vol­ker Rein­hardt ist es zu ver­dan­ken, dass die­se Lü­cke jetzt ge­schlos­sen ist. In sei­nem span­nen­den, süf­fig zu le­sen­den Buch legt der in Fri­bourg leh­ren­de His­to­ri­ker ge­konnt dar, mit welch er­schre­cken­der Ober­fläch­lich­keit und Ar­ro­ganz die rö­mi­sche Ku­rie auf Mar­tin Lu­ther und die Re­for­ma­ti­on jen­seits des Al­pen­kamms blick­te.

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