Die Gü­te des Kai­sers Ti­tus

Kleine Zeitung Steiermark - - TRIBÜNE -

Im an­ti­ken Büh­nen­klas­si­ker „An­ti­go­ne“wird die Ti­tel­hel­din von Kö­nig Kre­on zum To­de ver­ur­teilt, weil sie es wag­te, ge­gen des­sen Wil­len ei­nen an­geb­li­chen Va­ter­lands­ver­rä­ter zu be­er­di­gen. In Mo­zarts „La cle­men­za di Ti­to“, der­zeit ein Hö­he­punkt bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len, be­gna­digt der rö­mi­sche Kai­ser Ti­tus ei­ne Grup­pe von Ver­schwö­rern, ob­wohl ihm die­se nach Thron und Le­ben trach­te­ten.

Un­ter­schied­li­cher kann Herr­schaft nicht aus­ge­übt wer­den: hier die Will- kür ei­nes rach­süch­ti­gen Ty­ran­nen, dort die Be­son­nen­heit und Gü­te ei­nes vä­ter­lich ver­zei­hen­den An­füh­rers.

„Ich be­gna­di­ge al­le, ver­ge­be al­len“, sagt Ti­tus am En­de der Oper und gibt da­mit ein Vor­bild für al­le, die hin und wie­der Macht aus­üben (müs­sen), sei es als El­tern, Vor­ge­setz­te oder Po­li­ti­ker.

Scha­de nur, dass der ech­te Kai­ser Ti­tus nicht an­nä­hernd so gü­tig war wie bei Mo­zart dar­ge­stellt. Aber das müs­sen die Her­ren Er­dog˘an, Ma­du­ro & Co. ja nie er­fah­ren ...

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