Von al­ter­na­tiv­los kann kei­ne Re­de sein!

Kleine Zeitung Steiermark - - FRONT PAGE - Mo­ni­ka Köppl-tu­ry­na

Die Pflicht­mit­glied­schaft ist al­ter­na­tiv­los, weil sonst kei­ne ge­rech­te Lohn­fin­dung mög­lich ist. So lau­tet die­ser Ta­ge die Ar­gu­men­ta­ti­on von Wirt­schafts- und Ar­bei­ter­kam­mer, ob­wohl laut Ge­setz ja der ÖGB die Kol­lek­tiv­ver­trä­ge ver­han­delt. Die­ses Ar­gu­ment ist leicht zu wi­der­le­gen – schließ­lich kommt der Rest der Welt auch oh­ne Pflicht­mit­glied­schaft aus. Und trotz­dem wer­den auch die In­ter­es­sen der Schwei­zer, deut­schen, ita­lie­ni­schen ... Ar­beit­neh­mer an­ge­mes­sen ver­tre­ten, um nur in ei­ni­ge Nach­bar­län­der zu bli­cken.

Fakt ist, dass die Lohn­ver­hand­lun­gen in Ös­ter­reich ex­trem zen­tra­li­siert sind. Ein Ver­gleich von 34 Län­dern zeigt, dass Ös­ter­reich die mit Ab­stand ge­rings­te Fle­xi­bi­li­tät in der Lohn­fin­dung auf­weist. An­de­re Län­der be­wei­sen, dass die Lohn­fin­dung auch an­ders or­ga­ni­siert wer­den kann und die Ar­beit­neh­mer trotz­dem nicht un­ter die Rä­der ge­ra­ten.

Zum Bei­spiel in Schwe­den, wo es eben kei­ne Pflicht­mit­glied­schaft gibt. Dort sind für 88 Pro­zent der Ar­beit­neh­mer Kol­lek­tiv­ver­trä­ge in

Kraft (in Ös­ter­reich 98 Pro­zent). Die Kol­lek­tiv­ver­trä­ge wer­den aber zu gut drei Vier­teln durch ei­ne Kom­bi­na­ti­on von Bran­chen- und Fir­me­nebe­ne fest­ge­legt. In Dä­ne­mark wie­der­um gel­ten für et­wa 80 Pro­zent der Ar­beit­neh­mer Kol­lek­tiv­ver­trä­ge, die zwi­schen Ar­beit­ge­ber­ver­band und Ge­werk­schaft aus­ge­han­delt wer­den (eben­so oh­ne Pflicht­mit­glied­schaft). An­ders als in Ös­ter­reich um­fas­sen die­se Ver­trä­ge aber kei­ne Löh­ne auf Bran­chen­ebe­ne. Es gilt ein Min­dest­lohn, und was dar­über hin­aus­geht, wird auf Be­triebs­ebe­ne zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ver­han­delt. Finn­land oder Is­land lie­fern Lö­sun­gen da­für, wie Kol­lek­tiv­ver­trags­löh­ne auch für Be­trie­be gül­tig wer­den, die die­se nicht mit­ver­han­delt ha­ben. Et­wa über die Re­ge­lung, dass ein Kv­lohn für die ge­sam­te Bran­che gilt, wenn er mehr als 50 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten er­fasst. ie Ab­schaf­fung der Pflicht­mit­glied­schaft wür­de zwei­fel­los Än­de­run­gen nach sich zie­hen. Das kann aber kein Grund sein, die Idee al­lein des­we­gen zu ver­wer­fen. Von al­ter­na­tiv­los kann kei­ne Re­de sein.

ist Se­ni­or Eco­no­mist bei der Denk­fa­brik Agen­da Aus­tria

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