Vor­ge­führt

Kronen Zeitung - - POLITIK - chris­ti­an. hau­en­stein@ kro­nen­zei­tung. at

Ei­gent­lich ist US- Prä­si­dent Do­nald Trump es ge­wöhnt, Men­schen vor­zu­füh­ren, sie lä­cher­lich zu ma­chen, sie dumm da­ste­hen zu las­sen. Jah­re­lang hat er das in sei­ner Fern­seh­show „ The App­ren­ti­ce“( deutsch: „ Der Lehr­ling“) durch­ge­zo­gen, durch­ge­fal­le­nen Kan­di­da­ten das Ge­fühl ge­ge­ben, dass sie ah­nungs­lo­se Wa­sch­lap­pen sind.

In der Pres­se­kon­fe­renz mit Is­ra­els Pre­mier Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu im Wei­ßen Haus in Wa­shing­ton war es um­ge­kehrt: auf der ei­nen Sei­te der ab­ge­brüh­te Pro­fi aus Is­ra­el, auf den an­de­ren Do­nald Trump, der Po­lit- Lehr­ling.

Trump konn­te Ne­tan­ja­hu zwar jo­vi­al Bi­bi nen­nen, ihm die Hand auf die Schul­ter le­gen. Über sei­ne bei­spiel­lo­se Ah­nungs­lo­sig­keit über die Ver­hält­nis­se im Na­hen Os­ten konn­te das frei­lich nicht hin­weg­täu­schen. Wie schon so oft, brach­te er ei­gent­lich stän­dig nur ei­nes sei­ner Lieb­lings­wör­ter an - „ de­al“! Er sprach von ei­nem von ihm er­hoff­ten „ big de­al“zwi­schen Is­rae­lis und Pa­läs­ti­nen­sern, gab sich in völ­li­ger Ver­ken­nung der Tat­sa­chen zu­ver­sicht­lich: „ Ich glau­be, sie wol­len ei­nen De­al ma­chen.“Und von ei­nem „ schreck­li­chen De­al“, als es um den Atom­ver­trag mit dem Iran ging. Aber auch dar­auf ging er nicht nä­her ein.

Und als er zu Ne­tan­ja­hu sag­te, dass auch Is­ra­el Fle­xi­bi­li­tät zei­gen und Kom­pro­mis­se ma­chen müs­se, ant­wor­te­te die­ser tro­cken: „ Dar­über re­den wir noch.“

Ne­tan­ja­hu hat al­les an­ge­bracht, was ihm wich­tig war. Er hat Do­nald Trump re­gel­recht vor­ge­führt. Und der hat es nicht ein­mal ge­merkt.

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