In der Fal­le

Kronen Zeitung - - WIEN -

„ Als­dann, de Gschicht war a so“, be­rich­te­te Herr D. dem Be­zirks­rich­ter. „ I war nei­lich we­gen aner fieb­ri­gen Er­kran­kung a paar Ta­ge bett­lä­ge­rig, und weil i a al­lein­ste­hen­der Wit­wer bin, in dem Fall al­lein­lie­gend, war i auf de Guat­heit von mein Nach­barn angwiesn; wo­bei i sagn mu­ass, dass se der Mann in wahr­haft selbst­lo­ser Wei­se um mi küm­mert hat. Er hat­mi­mitTee­ver­sorgt, hat­ma a Essn bracht und is ma in de Apo­the­kn grennt, er hat se in auf­op­fern­der Wei­se um mi ang­num­ma, nur mitn Fern­sehn, da is eahm was Bleds pas­siert.

I sag zu eahm zeit­lich in der Fruah: , Könntn S ma net viel­leicht mein Fern­se­her nebns Bett stelln, da­mit i a bis­serl schaun kann?‘ Mant er: , Mit Ih­ne­rer An­gi­na dürfn S in Kopf net auf de Seitn be­we­gen, Se dürfn nur vor­wärts schaun, wia a jun­ger Mensch in die Zu­kunft, drum werd i Ih­na den Kastn aufs Bett stelln. Se habn ja zum Glück so a Kran­knklapp­ti­scherl, auf den i Ih­na im­mer des Essn ser­vier, da stell ma heut in Fern­se­her drauf.‘

Drauf hat er ma mein im­mens schwern Fern­se­her, a Qua­li­täts­ap­pa­rat aus de 90erJahr mit vierzg Ki­lo, di­rekt über mein Bauch auf a klans Klapp­ti­scherl gstellt, hat eahm eing­schalt und is, weil i eahm an dem Tag frei­gebn hab, für vie­r­azwanzg St­und furtgan­ga. So nah hab i no nie ferngs­ehn wia an dem Tag – und aa no nie so lang. Von neu­ne Vur­mit­tag bis um Mit­ter­nacht is der Ap­pa­rat di­rekt über mein Kör­per gstandn, und i hab net auf­steh kön­na, weil mi des Ti­scherl wia a recht­ecki­ge Bauch­bindn an mei Bett ge­fes­selt hat. Mit an Bla­sen­drang, der nur ver­gleich­bar mitan­prall­ge­füll­ten Spritz­lutsch­ker ist, ha­bi um­Viertl ans in der Nacht an Flucht­ver­such

gmacht und wollt mi wia a ein­zwick­te Blind­schleichn aus mein TV- Ge­fäng­nis be­frein. Da­bei hab i lei­der den Fern­seh­ap­pa­rat vomBett obe­ghaut, er is mit Blitz und Dun­ner zer­sprun­ga, und mei Un­ter­nach­bar, der was se wäh­rend mei­ner ganzn Krank­heit nie um mi küm­mert hat, is mittn in der Nacht kum­ma und hat ma de Woh­nung auf­brochn, weil er glaubt hat, mit mir is was gschehn. Mit mir is über­haupt nix gschehn, weil der hülfs­be­rei­te Un­ter­mensch mei Gang­tür auf a Spandl­holz zsammghaut hat. Dass S ma ja kan strafn, Herr Rat! I wüll nur a Geld von der Ver­si­che­rung.“

Die Haus­halts­ver­si­che­rung des un­ter­halb Woh­nen­den über­nimmt jetzt die Scha­dens­re­gu­lie­rung.

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