Je­der ge­gen je­den

Zur Na­tio­nal­rats­wahl gibt es im Fern­se­hen rund 50 (!) Dis­kus­si­ons­sen­dun­gen. Der ORF macht am Di­ens­tag mit sei­nen TV- Du­el­len der Spit­zen­kan­di­da­ten den An­fang. Pe­ter Filz­mai­er ana­ly­siert all die­se De­bat­ten im An­schluss in der „ ZiB 2“und be­schreibt für die

Kronen Zeitung - - Wahl Extra - Pe­ter Filz­mai­er ist Pro­fes­sor für Po­li­tik­wis­sen­schaft an der Do­nau- Uni­ver­si­tät Krems und der Karl- Fran­zens- Uni­ver­si­tät Graz.

Wer hat ge­won­nen? Das wer­den nach den Zwei­er­kon­fron­ta­tio­nen von Chris­ti­an Kern, Se­bas­ti­an Kurz, Heinz- Chris­ti­an Stra­che, Ul­ri­ke Lun­acek und Mat­thi­as Strolz vie­le Po­li­tik­be­ob­ach­ter fra­gen. Der Ha­ken dar­an: Die Fra­ge­stel­lung ist falsch. Es geht ja nicht um ei­nen Re­de­wett­be­werb, son­dern um Ein­flüs­se auf das Wahl­ver­hal­ten.

Wenn ein ÖVP- An­hän­ger Kurz im Fern­se­hen su­per fin­det, bringt das nichts. Die schwarz- tür­ki­se Par­tei hät­te die Stim­me die­ses Fans so­wie­so be­kom­men. Oder es wei­chen Wäh­ler der FPÖ nicht von ih­rer Lieb­lings­par­tei ab, bloß weil Stra­che ein­mal nicht in Form ist. Stamm­wäh­ler der SPÖ wie­der­um blei­ben sol­che, egal, ob Kern sprach­lich mehr oder we­ni­ger ge­lingt.

Die rich­ti­ge Fra­ge lau­tet: Fan­den Sie Kan­di­dat X auf dem Bild­schirm bes­ser, und wer­den Sie – in ein paar Wo­chen, nicht et­wa am Dis­kus­si­ons­abend – sei­ne Par­tei wäh­len, ob­wohl Sie an­sons­ten für ei­ne an­de­re Par­tei ge­we­sen oder da­heim ge­blie­ben wä­ren? Ne­ben den Stim­men der Un­ent­schlos­se­nen ist das die ein­zi­ge Mög­lich­keit, dass ein De­batt­en­er­geb­nis et­was am Wahl­re­sul­tat än­dert.

Über­läu­fer zwi­schen den Par­tei­en sind frei­lich sel­ten, da fix ent­schlos­se­ne Wäh­ler ei­ne Wun­sch­wahr­neh­mung ha­ben. Sie wol­len bei „ ih­rem“Kan­di­da­ten vor al­lem die Stär­ken se­hen, beim Geg­ner schaut man auf Schwä­chen. Par­tei­gän­ger er­klä­ren am Stamm­tisch oder im In­ter­net stets, dass der Dis­ku­tant der ei­ge­nen Par­tei ein Ge­nie und al­le Ge­gen­über qua­si Idio­ten wä­ren. Manch­mal oh­ne die Sen­dung ge­se­hen zu ha­ben.

Par­tei­en be­trei­ben genau­so „ Echo“- Po­li­tik, in­dem Funk­tio­nä­re und im Wahl­kampf en­ga­gier­te Be­ra­ter ver­kün­den, war­um der ei­ge­ne Chef siegt. Der SPD ist in Deutsch­land gar das pein­li­che Hop­pa­la pas­siert, mit dem­ent­spre­chen­den Ju­be­l­an­zei­gen zu wer­ben, be­vor Mar­tin Schulz über­haupt mit An­ge­la Mer­kel dis­ku­tiert hat­te.

In Wahr­heit ist es sehr schwie­rig, in­halt­lich zu punk­ten. 70 Pro­zent un­se­rer Ein­drü­cke beim Fern­se­hen sind bild­lich. Zählt man Kör­per­spra­che und Stimm­la­ge da­zu, al­so Din­ge un­ab­hän­gig vom geis­ti­gen Wert des Ge­sag­ten, sind wir bei 90 Pro­zent. Für die Schlag­kraft der Ar­gu­men­te bleibt so­mit we­nig üb­rig.

At­trak­ti­ves Aus­se­hen al­lein reicht den­noch nicht. Dass der braun­ge­brann­te John F. Ken­ne­dy 1960 US- Prä­si­dent wur­de, weil er im Fern­seh­stu­dio den schwit­zen­den Richard Ni­xon schlug, das ist ein mo­der­nes Mär­chen.

Ach ja, apro­pos Schlag­kraft: So­wohl in Bra­si­li­en als auch in Grie­chen­land oder Ge­or­gi­en stan­den Po­li­ti­ker auf, um Mit­be­wer­ber live und im wört­li­chen Sinn zu schla­gen. Ge­wählt wur­den sie des­halb nicht.

Auch so kann ein po­li­ti­scher Schlag­ab­tausch in TV- Dis­kus­sio­nen aus­se­hen: Im grie­chi­schen ( Fo­to un­ten) und ge­or­gi­schen Fern­se­hen flo­gen zwi­schen Volks­ver­tre­tern die Fäus­te.

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