„ Man muss im­mer wis­sen, was man kann!“

Wohn­bau­stadt­rat Micha­el Lud­wig ( SPÖ) über sein neu­es Bü­ro, den Wahl­kampf, die Bür­ger­meis­ter- Nach­fol­ge und Mi­nis­ter Do­sko­zil.

Kronen Zeitung - - Wien - Micha­el Pom­mer

Herr Stadt­rat, Sie hat­ten ih­ren Sitz bei Wie­ner Woh­nen in der Bar­ten­stein­gas­se und sind jetzt ins Rat­haus über­sie­delt. Ein neu­es Bü­ro und ein schö­nes noch da­zu. Sie ha­ben sich al­so schon ge­holt, was Ih­nen zu­steht?

( lacht) Ich bin sehr ger­ne in mei­nem Bü­ro in der Bar­ten­stein­gas­se ge­we­sen. nach der Über­sie­de­lung der Zen­tra­le von Wie­ner Woh­nen zu den Ga­so­me­tern mach­te es aber kei­nen Sinn mehr. Ab jetzt sind al­le Stadt­rä­te im Rat­haus. Ge­mein­sam ist bes­ser als ein­sam.

Am Don­ners­tag hat­te der Bür­ger­meis­ter Ge­burts­tag. Ha­ben Sie ihm gra­tu­liert?

Selbst­ver­ständ­lich. mit ei­nem Buch­ge­schenk, so wie je­des jahr. Die­ses mal „ Ge­schmack Eu­ro­pa“, weil wir bei­de lei­den­schaft­li­che Eu­ro­pä­er sind und bei­de auch ger­ne es­sen.

Gu­sen­bau­er, Sil­ber­steinAf­fä­re, die an­geb­lich ge­hack­ten E- Mails, die Ter­ror- Mau­er. So gut läuft es im Wahl­kampf für die SPÖ nicht, oder?

Wir soll­ten uns nicht so sehr auf die Rand­the­men des Wahl­kampfs kon­zen­trie­ren, son­dern auf die in­halt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung. Da ha­ben wir gu­te Vor­stel­lun­gen. Wir soll­ten uns nicht in ne­ben­schau­plät­ze ver­wi­ckeln las­sen.

Bür­ger­meis­ter Micha­el Häupl hat ja ge­sagt: „ Op­po­si­ti­on ist ei­ne eh­ren­haf­te Rol­le.“Se­hen Sie das auch so?

Ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung ist mir lie­ber.

Wie soll so ei­ne Be­tei­li­gung aus­se­hen? Vi­el­leicht doch mit der FPÖ?

Zu­erst brau­chen wir ein gu­tes Er­geb­nis für die SPÖ. nach der Wahl wird man se­hen, wel­che Pro­gram­me die stärks­te Über­ein­stim­mung fin­den. Aber es gibt bei der FPÖ schon The­men, bei de­nen ei­ne Zu­sam­men­ar­beit schwie­rig ist.

Schwie­rig? Ein ka­te­go­ri­sches Nein ist das aber nicht.

Die Fra­ge stellt sich nicht. Ich bin nicht ar­ro­gant und möch­te dem Wäh­ler­wil­len nicht vor­grei­fen.

Wä­re Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil ein bes­se­rer Bun­des­par­tei­vor­sit­zen­der als Chris­ti­an Kern?

mi­nis­ter Do­sko­zil leis­tet her­vor­ra­gen­de Ar­beit, er deckt den The­men­be­reich

Mi­nis­ter Do­sko­zil leis­tet her­vor­ra­gen­de Ar­beit und ge­nießt ein star­kes Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung.

Si­cher­heit in ei­nem groß­ar­ti­gen Aus­maß ab und ge­nießt ein star­kes Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung. Die Fra­ge stellt sich aber nicht.

Blick nach Wi­en. Laut ei­nem Rech­nungs­hof­roh­be­richt gibt es bei Wie­ner Woh­nen ei­nen Bud­get­ver­lust von 833 Mil­lio­nen Eu­ro, 121 Mil­lio­nen Eu­ro an Fehl­ver­rech­nun­gen usw. Was ist los bei Wie­ner Woh­nen?

Wie­ner Woh­nen be­fin­det sich in ei­nem gi­gan­ti­schen Um­struk­tu­rie­rungs­pro­zess. Bei den Zah­len han­delt es sich um Bi­lanz­ver­lus­te, die seit Be­ste­hen sum­miert wur­den. Wenn Sie so wol­len, Fremd­ka­pi­tal, das auf­ge­nom­men wur­de. Dem ste­hen aber rea­le Wer­te ge­gen­über. Et­wa durch die Sa­nie­rung von 30.000 Woh­nun­gen. Seit dem jahr 2014 gibt es auch hier kei­nen Ver­lust mehr. Es hat ei­ne Trend­wen­de statt­ge­fun­den. Die Fehl­ver­rech­nun­gen wur­den eben­falls aus vie­len jah­ren zu­sam­men­ge­rech­net und sind nicht zum Scha­den der mie­ter er­folgt.

Lob, aber von den Bür­gern, nicht von der ei­ge­nen Par­tei, gibt es für den Wi­en- Bo­nus im Ge­mein­de­bau.

mir war wich­tig, je­ne men­schen zu be­vor­zu­gen, die län­ger in Wi­en le­ben. 60 Pro­zent je­ner, die ei­ne städ­ti­sche oder ge­för­der­te Woh­nung be­zie­hen, ha­ben von dem Wi­en- Bo­nus pro­fi­tiert.

Soll­te es ei­nen Wi­en- Bo­nus bei So­zi­al­leis­tun­gen ge­ben?

Ich se­he na­tür­lich den wirt­schaft­li­chen Rah­men und kann nur sa­gen, der Wi­en- Bo­nus hat sich sehr be­währt. Ich glau­be, dass man prin­zi­pi­ell je­ne be­vor­zu­gen soll­te, die län­ger in der Stadt sind.

Zur Nach­fol­ge­de­bat­te. Sie wol­len ja be­kannt­lich Bür­ger­meis­ter wer­den . . .

Ich ha­be an­ge­bo­ten, mich zur Ver­fü­gung zu stel­len, wenn es dar­um geht, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. jetzt stellt sich die Fra­ge, wie der Par­tei­vor­sitz in der SPÖ Wi­en im jän­ner ge­re­gelt wird.

Gibt es neue Ge­gen­kan­di­da­ten?

mir ist je­de und je­der recht.

Ha­ben Sie sich schon ein Team zu­sam­men­ge­stellt?

Zu­erst wird man Ent­schei­dun­gen tref­fen müs­sen, dann wird man nach in­halt­li­chen Schwer­punkt­set­zun­gen Per­so­nel­les re­geln.

Für Wi­en brauchst a Gspür. Das ha­ben Sie?

Ich den­ke, dass ich be­wie­sen ha­be, dass ich für die Wei­ter­ent­wick­lung der Stadt ei­ni­ges bei­ge­tra­gen ha­be. Das kann man im­mer auch kri­ti­sie­ren, aber ich glau­be, man weiß auch, was man an mir hat.

Sie ha­ben ei­ne brei­te Mehr­heit hin­ter sich, sa­gen Sie. Wie sieht die aus?

Durch vie­le Ge­sprä­che in­ner­halb der SPÖ ha­be ich den Ein­druck ge­won­nen, dass es ei­ne sehr star­ke Zu­stim­mung aus den Be­zirks­or­ga­ni­sa­tio­nen gibt. Genau­so, wie auch aus wei­ten Tei­len der Be­völ­ke­rung.

Hat Sie der letz­te SPÖ- Lan­des­par­tei­tag mit 67,8 Pro­zent dar­in be­stä­tigt?

je­der an­de­re kan­di­dat braucht auch erst ein­mal ei­ne Zwei­drit­tel­mehr­heit.

Wo­bei so­gar Fi­nanz­stadt­rä­tin Re­na­te Brau­ner 67,5 Pro­zent er­reich­te. Nach die­ser Lo­gik wä­re auch sie ei­ne fi­xe Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­tin.

Rich­tig, aber zwei­mal Zwei­drit­tel­mehr­heit geht sich nicht aus.

Hat die­se neu­er­li­che Nach­fol­ge­de­bat­te, aus­ge­löst von Micha­el Häupl, Chris­ti­an Kern wirk­lich ge­hol­fen?

Im Wahl­kampf soll­ten an­de­re The­men ei­ne Rol­le spie­len. mit Schwer­punk­ten, die die Zu­kunft des lan­des be­tref­fen.

Falls es mit dem Bür­ger­meis­ter nicht klap­pen soll­te, wie wä­re es mit dem Bun­des­kanz­ler? Ex- Wohn­bau­stadt­rat Wer­ner Fay­mann hat es ja vor­ge­lebt.

Das ist nicht mein Ziel. man muss im­mer wis­sen, was man kann!

Ich den­ke, dass ich in meh­re­ren Funk­tio­nen be­wie­sen ha­be, dass ich für die Wei­ter­ent­wick­lung der Stadt ei­ni­ges bei­ge­tra­gen ha­be.

Wohn­bau­stadt­rat Micha­el Lud­wig ( SPÖ) in sei­nem neu­en Bü­ro im Wie­ner Rat­haus: „ Ge­mein­sam ist bes­ser als ein­sam.“

Micha­el Lud­wig, Kanz­ler Kern und Micha­el Häupl.

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