Pfle­ge- Sys­tem: Woran es krankt

Der Un­fall von 7 Frau­en in ei­nem „ To­des- Ta­xi“zeigt auf tra­gi­sche Wei­se Kne­bel­ver­trä­ge für aus­län­di­sche Hel­fe­rin­nen bei uns in Ös­ter­reich auf.

Kronen Zeitung - - Erste Seite - An­na Rich­ter- Trum­mer

85.000 Rund- um- dieUhr- Pfle­ge­rin­nen ( meist aus dem Aus­land) sind in Ös­ter­reich im Ein­satz. Un­fäl­le und Kne­bel­ver­trä­ge zei­gen auf: Das Sys­tem krankt.

Sie fah­ren oft oh­ne Li­zenz und oh­ne Kon­trol­le Tau­sen­de Ki­lo­me­ter zwi­schen Ös- ter­reich und dem Hei­mat­land. Wie je­ner Trans­por­ter, der am 14. Ok­to­ber 12 Kin­der zu Wai­sen mach­te. Sie- ben Pfle­ge­rin­nen star­ben in der Slo­wa­kei. Sie al­le wa­ren in Ös­ter­reich in das von ei­ner Ver­mitt­lungs­agen­tur vor­ge­schrie­be­ne „ To­des- Ta­xi“ge­stie­gen, um da­heim ein paar Ta­ge mit ih­rer Fa­mi­lie zu ver­brin­gen.

„ Frau­en in die­sem Be­ruf ken­nen die Ge­fahr und ha­ben oft gro­ße Angst“, so Kat­ha­ri­na Sta­ra­no­va ( 39). Sie war selbst jah­re­lang als Be­treue­rin tä­tig und weiß um die Miss­stän­de und Tricks di­ver­ser Agen­tu­ren, die als „ schwar­ze Scha­fe“Pfle­ge­rin­nen in die to­ta­le Ab­hän­gig­keit trei­ben. „ Schuld sind schmut­zi­ge Klau­seln. Sie ma­chen die selbst­stän­di­ge 24St­un­den- Pfle­ge­rin zur Skla­vin. Um ar­bei­ten zu kön­nen, muss sie die­se Ver­trä­ge aber un­ter­fer­ti­gen.“Das sind die um­strit­te­nen Klau­seln:

Ge­ne­ral­voll­macht – sie gibt der Agen­tur al­le Rech­te, selbst den Ge­wer­be­schein darf die Be­treue­rin nicht se­hen. In So­zi­al­ver­si­che­rung und Steu­ern hat sie kei­nen Ein­blick.

In­kas­so­klau­sel: Die Agen­tur kas­siert das Ein­kom­men, zieht ei­gen­mäch­tig Ge­büh­ren ( Dol­met­scher, Heim­rei­se etc.), selbst de­fi­nier­te Pö­na­len ( Straf­zah­lun­gen) und Pro­vi­sio­nen ab. Erst dann zahlt sie den Rest der Pfle­ge­rin aus.

Ver­tre­tungs­klau­sel: Die Be­treue­rin kann nicht selbst ent­schei­den, wen sie wann be­treut. Die Agen­tur or­ga­ni-

siert auch ei­gen­mäch­tig Ver­set­zun­gen, oft um er­neut Pro­vi­sio­nen zu kas­sie­ren.

„ Das ist ei­ne Schein­selbst­stän­dig­keit und ei­ne ganz kla­re Um­ge­hung des Ar­beit­neh­mer­schut­zes“, so Ju­dith Schw­ent­ner von den Grü­nen. Doch kaum je­mand scheint In­ter­es­se zu ha­ben, dar­an et­was zu än­dern. Der Grund da­für ist wohl auch ein fi­nan­zi­el­ler: Laut ak­tu­el­ler WI­FO- Stu­die wä­re die Be­treu­ung vier­mal (!) so teu­er, wenn die 24St­un­den- Kräf­te an­ge­stellt wä­ren; bei den stei­gen­den Pfle­ge­kos­ten wä­re das ei­ne Bank­rott­er­klä­rung für den So­zi­al­staat.

Fo­to: Fo­to­lia/ Ro­bert Kneschke

Die Pfle­ge von Men­schen ist her­aus­for­dernd und braucht Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Im­mer wie­der wer­den aber auch be­rei­chern­de Mo­men­te ge­schil­dert – von bei­den Sei­ten.

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