23 Frau­en und nur ein Mann!

Wenn es po­li­tisch um die Gleich­be­hand­lung von Frau­en und Män­nern geht, en­ga­gie­ren sich vor al­lem Frau­en. Wo blei­ben denn die Män­ner?

Kronen Zeitung - - Hohes Haus -

Die Na­tio­nal­rats man­da­ta­re ar­bei­ten in 41 Aus­schüs­sen, ei­ner da­von der Gleich­be­hand­lung s aus­schuss. Dort ging es die­se Wo­che um Be­nach­tei­li­gun­gen im Job, se­xu­el­le Be­läs­ti­gung so­wie Hass im Netz. Wich­ti­ge The­men al­so. Um­so er­staun­li­cher: Der Aus­schuss zählt 24 Mit­glie­der, da­von 23 Frau­en und nur ein Mann!

Wie sieht das die Ob­frau, Ex- Frau­en­mi­nis­te­rin Gabriele Hei­nisch- Ho­sek ( SPÖ)? „ Ich or­te schon man­geln­des In­ter­es­se der Män­ner!“Ei­ne bes­se­re Durch­mi­schung der Ge­schlech­ter kann sie sich als Ob­frau zwar wün­schen, aber nicht durch­set­zen. Denn die Klubs ent­sen­den die Mit­glie­der. Wür­de sie sich et­wa Pe­ter Pilz im Aus­schuss wün­schen? „ Nein, ich kann mir schwer vor­stel­len, dass wir ihn herz­lich emp­fan­gen“, so SPÖ- Frauen­spre­che­rin Hei­nisch- Ho­sek.

Wer traut sich nun als ein­zi­ger Mann in die Frau- en­run­de? Es ist SPÖG­leich­be­hand­lungs­spre­cher Ma­rio Lind­ner, ein Stei­rer. Darf man ihn als Hahn im Korb be­zeich­nen? Oder emp­fin­det er das als Be­läs­ti­gung? „ Das darf man schon sa­gen“, meint er und zeigt sich sehr en­ga­giert. „ Gleich­be­hand­lung ist nicht nur Frau­en­sa­che! Wich­tig ist, dass sich auch Män­ner mas­siv ein­brin­gen!“Lind­ner ou­tet sich als „ der ers­te of­fi­zi­ell be­ken­nen­de ho­mo­se­xu­el­le Ab­ge­ord­ne­te im Par­la­ment“. Sein An­lie­gen: Dis­kri­mi­nie­run­gen und Be­läs­ti­gun­gen müss­ten öf­fent­lich ge­macht wer­den. Da­zu will er mehr Män­ner er­mun­tern. Lei­der hät­ten Män­ner meist gro­ße Scheu, Pro­ble­me zu­zu­ge­ben. Wünscht er sich ei­ne # MeToo- Be­we­gung für Män­ner? „ Ja, denn die Be­nach­tei­li­gung von Män­nern geht in der Öf­fent­lich­keit meist un­ter“, meint Lind­ner.

Auch Män­ner füh­len sich be­läs­tigt

Jüngs­ter Auf­re­ger im Aus­schuss war der neue Be­richt der Gleich­be­hand­lungs­an­walt­schaft. Er ent­hüllt, dass sich auch Män­ner über Dis­kri­mi­nie­rung in der Ar­beits­welt be­schwe­ren. So be­klagt et­wa ein Ho­tel­an­ge­stell­ter an­züg­li­che Sprü­che und pein­li­che Be­rüh­run­gen sei­ner Vor­ge­setz­ten. Die se­xu­el­le Be­läs­ti­gung woll­te und konn­te er nicht mehr er­tra­gen.

Wel­che Rol­le spielt da­bei die # MeToo- Be­we­gung? Wie schätzt das Frau­en­mi­nis­te­rin Ju­lia­ne Bo­gnerS­trauß ein? „ Ge­ne­rell hat die # MeToo- De­bat­te vie­le Men­schen er­mu­tigt, ihr ei­ge­nes Schick­sal nicht mehr län­ger zu ver­schwei­gen. Da­her kann man durch­aus da­von aus­ge­hen, dass auch ver­mehrt be­trof­fe­ne Män­ner dar­un­ter sind“, so die Mi­nis­te­rin.

Klar ist al­ler­dings: Im Kampf der Ge­schlech­ter lei­den vor al­lem Frau­en! Geht es um se­xu­el­le Be­läs­ti­gung in der Ar­beits­welt, so sind 96 Pro­zent der Be­trof­fe­nen Frau­en und 94 Pro­zent der ( mut­maß­li­chen) Be­läs­ti­ger Män­ner! Im­mer mehr Men­schen brau­chen und su­chen Hil­fe, auch ge­gen Hass im Netz. Das sei ei­ner ih­rer Ar­beits­schwer­punk­te, be­kräf­tigt die Mi­nis­te­rin und neu ge­wähl­te ÖVP- Frau­en­che­fin Ju­lia­ne Bo­gner- Strauß.

Vi­el­leicht wis­sen man­che männ­li­che Ab­ge­ord­ne­te gar nicht, was sie im Gleich­be­hand­lungs­aus­schuss ver­säu­men. Denn dort dis­ku­tier­te die „ Frau­en­run­de“auch ge­sund­heit­li­che Un­ter­schie­de von Frau­en und Män­nern. Ei­ne neue Stu­die lie­fert Fak­ten. Zum Bei­spiel ster­ben Män­ner et­wa drei­ein­halb­mal häu­fi­ger durch Selbst­mord als Frau­en! Ob das nicht auch Män­ner in­ter­es­siert?

Aus­schuss­ob­frau Gabriele Hei­ni­schHo­sek or­tet man­geln­des In­ter­es­se der Män­ner.Ma­rio Lind­ner, ein­zi­ger Mann un­ter vie­len Frau­en. Bei ei­nem Stei­rer­fest im Par­la­ment zeigt er sich bo­den­stän­dig. Frau­en­mi­nis­te­rin Ju­lia­ne Bo­gnerS­trauß: Die # MeToo- De­bat­te hat Men­schen er­mu­tigt, ihr Schick­sal zu of­fen­ba­ren.

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