Ein­fach los­rol­len

Fahr­rad­fah­ren bringt auf kur­zen Stre­cken viel

Kurier Magazine - Herz - - INHALT - VON BAR­BA­RA STIEGER

» Rad­fah­ren boomt – es gibt im­mer mehr An­zug­trä­ger, die sich – be­waff­net mit Ruck­sack, Helm und Ho­sen­bin­der – vor­bei an mor­gend­li­chen Staus auf der Über­hol­spur be­fin­den. Doch der Ein­druck trügt. In Wi­en hat sich der An­teil bei et­wa sie­ben Pro­zent ein­ge­pen­delt und die ehe­ma­li­ge „Rad­ler­hoch­burg“Graz kommt auch nicht mehr so recht in die Gän­ge. Dort ist im ver­gan­ge­nen Jahr die An­zahl der Rad­fah­rer am Ge­samt­ver­kehr in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich – von 16,1 auf 14, 5 Pro­zent – ge­sun­ken. Die Bun­des­re­gie­rung ver­folgt in ih­rer Kli­ma­stra­te­gie­das­ziel,den­an­teil­des

Rad­ver­kehrs an al­len We­gen in Ös­ter­reich bis zum Jahr 2025 zu ver­dop­peln und in den Aus­bau von Rad­weg­net­zen zu in­ves­tie­ren. Mit dem Rad in die Ar­beit zu fah­ren, ent­las­tet je­doch nicht nur die Ab­gas­wer­te und schont das Geld­bör­sel, son­dern ist auch ei­ne ge­sun­de Sa­che für den Kör­per, geht es nach Sport­me­di­zi­ner Robert Fritz. „Es muss nicht im­mer die ganz sport­li­che Her­aus­for­de­rung sein. In un­se­ren Köp­fen ist drin­nen, dass wir ei­ne ge­wis­se Leis­tung brin­gen müs­sen. Wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en be­le­gen, auch fünf bis zehn Mi­nu­ten pro Tag rei­chen aus, um die po­si­ti­ven Ef­fek­te auf die Ge­sund­heit zu nüt­zen. Zu­dem ist das All­tags­rad­fah­ren im­mun­stär­kend“, er­klärt der Ex­per­te.

FLÜS­SI­GER AB­LAUF. Auch psy­chisch kann es nütz­lich sein. Wer sich nach ei­nem an­stren­gen­den Ar­beits­tag auf den Sat­tel schwingt, kann sich man­che Stress­si­tua­ti­on gleich wie­der von der See­le stram­peln. Au­ßer­dem ist es ein fa­bel­haf­ter Aus­gleich zum stun­den­lan­gen Sit­zen auf dem Bü­ro­stuhl. Denn wäh­rend hier die Rü­cken­mus­ku­la­tur ver­küm­mert, wird sie beim Rad­fah­ren trai­niert. Um Gleich­ge­wicht und Po­si­ti­on auf dem Sat­tel zu hal­ten, muss der ge­sam­te Kör­per – al­so vie­le Mus­kel­grup­pen – stän­dig ar­bei­ten. Es macht al­ler­dings ei­nen Un­ter­schied, ob man am Feld­weg da­hin ra­delt oder sich durch den Groß­stadt­dschun­gel kämpft. Wich­tig ist es, mög­lichst­vie­le­stop&go-si­tua­tio­nen zu ver­mei­den und da­für lie­ber ein paar Um­we­ge in Kauf neh­men, um ein gut aus­ge­bau­tes Rad­netz zu be­fah­ren. Vor­teil­haft ist das in ers­ter Li­nie für ei­nen kon­ti­nu­ier­li­chen Be­we­gungs­ab­lauf. Ziel soll­te ei­ne mög­lichst nied­ri­gin­ten­si­ve Fahr­wei­se mit mög­lichst we­ni­gen Zwi­schen­stopps und we­nig Druck am Pe­dal sein. „Ei­ne kon­ti­nu-

ier­li­che Tret­be­we­gung ist wich­tig, da­mit der Mus­kel im­mer wie­der an­ge­spro­chen wird“, so Fritz. Al­so mög­lichst schön gleich­mä­ßig sei­ne Run­den dre­hen, dann ha­ben so­wohl Mus­ku­la­tur als auch Herz-kreis­lauf­sys­tem den größ­ten Nut­zen. Das gilt be­son­ders auch für Stei­gun­gen mit an­schlie­ßen­der Ab­fahrt. Zu­erst fest reintre­ten und dann al­les lau­fen las­sen, ist ge­nau das Fal­sche. „Har­te We­ge“soll­te man lie­ber mit ei­nem nied­ri­gen Gang fah­ren, so­dass da­durch ei­ne ho­he Tritt­fre­quenz mit flüs­si­gen Be­we­gun­gen ent­steht und auch beim Bergab­fah­ren ist es bes­ser, in die Pe­da­le zu tre­ten als es ein­fach lau­fen zu las­sen. Denn das Um und Auf ist die Kon­ti­nui­tät bei et­wa 80 Um­dre­hun­gen. Bei ho­hen Tritt­fre­quen­zen sind die Pha­sen der An­span­nung kür­zer, so­dass der Blut­fluss in­ner­halb ei­nes Mus­kels nur kurz ge­stört ist. Wäh­rend ei­ner Kon­trak­ti­on wer­den die Blut­ge­fä­ße kom­pri­miert und die Zir­ku­la­ti­on des Blu­tes be­hin­dert. Die­se ist aber für den Sau­er­stoff- und Nähr­stoff­trans­port wich­tig. „Durch ei­ne gu­te Durch­blu­tung wer­den Stoff­wech­sel­z­wi­schen­pro­duk­te wie et­wa das Lac­tat bes­ser ab­trans­por­tiert“, er­klärt der Ex­per­te. Auch wenn Rad­fah­ren die Ge­len­ke ent­las­tet, kla­gen Pa­ti­en­ten, die in die Pra­xis des Sport­me­di­zi­ners kom­men, über Knie­schmer­zen und Ver­span­nun­gen im Schul­ter und Na­cken­be­reich. „Ei­ne fal­sche Po­si­ti­on des Sat­tels kann et­wa Knie­pro­ble­me ver­ur­sa­chen. Des­halb soll­te sich das Knie­ge­lenk ober­halb der Pe­da­la­chse be­fin­den. Wich­tig ist auch, dass die Hüf­te beim Fah­ren nicht hin und her kippt, sonst be­kommt man Rü­cken­pro­ble­me“, weiß Robert Fritz. Wer sich ga­ran­tiert rich­tig auf den Sat­tel schwin­gen möch­te, soll­te ein Rad­fach­ge­schäft mit Bi­ke­ana­ly­se auf­su­chen. Hier wer­den Kör­per und Rad ver­mes­sen – da­mit al­les rich­tig ins Rol­len kommt. «

„Im Stadt­ver­kehr ist ein Rad­helm ei­ne Le­bens­ver­si­che­rung. Au­ßer­dem hat man als Er­wach­se­ner ei­ne Vor­bild­wir­kung ge­gen­über Kin­dern.“Robert Fritz, Sport­me­di­zi­ner

Läs­ti­gen Staus oder vol­len U-bah­nen ent­ge­hen und da­bei noch et­was für die Ge­sund­heit tun: Rad­fah­ren hat vie­le Vor­tei­le

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