Un­ser neu­es Le­ben nach dem Herzinfarkt

Jo­sef Le­der­bau­er war 59, als er ei­nen Herzinfarkt er­litt. Bei Li­li Marx kam die Krank­heit mit 68. Im Ge­spräch bli­cken sie zu­rück und er­klä­ren, was sich seit­dem ver­än­dert hat und wel­che Un­ter­stüt­zung sie ge­fun­den ha­ben.

Kurier Magazine - Herz - - HERZINFARKT MEDICO SPEZIAL - VON THE­RE­SA GIRARDI

» Mei­nen ers­ten Ge­burts­tag feie­re ich am 10. Mai, mei­nen zwei­ten am 28. Ok­to­ber“, sagt Jo­sef Le­der­bau­er mit ei­nem Au­gen­zwin­kern. Der mitt­ler­wei­le 68-Jäh­ri­ge er­in­nert sich noch gut an den Tag im Herbst 2009, als ihn beim Golf­spiel plötz­li­che Schmer­zen in Brust und Schul­ter über­kom­men. „Es be­gann aus hei­te­rem Him­mel. Ich dach­te, mich zu we­nig auf­ge­wärmt zu ha­ben. Glück­li­cher­wei­se hat mei­ne Frau, die als Anäs­the­sieschwes­ter tä­tig war, die Warn­zei­chen so­fort er­kannt.“ Heu­te ist er gut auf­ge­wärmt. Wir tref­fen ihn beim Prohe­art-herz­trai­ning des Stei­ri­schen Herz­ver­ban­des, an dem Le­der­bau­er wö­chent­lich teil­nimmt. Das ge­sund­heits­ori­en­tier­te Kraft­trai­ning soll Wohl­be­fin­den und die kör­per­li­che Fit­ness der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer för­dern. „Da­zu ge­hört zum Bei­spiel, dass man mit Mus­kel­trai­ning dem al­ters­be­ding­ten Mus­kelab­bau und Os­teo­po­ro­se, aber auch Blut­hoch­druck, Fett­stoff­wech­sel­stö­run­gen und Al­ters­dia­be­tes ent­ge­gen­wirkt“, er­klärt Prä­si­den­tin Jut­ta Zirkl. Auf den Herz­ver­band sei er zu­fäl­lig ge­sto­ßen, so Le­der­bau­er, als er bei der halb­jähr­li­chen Nach­un­ter­su­chung beim Kar­dio­lo­gen war. Seit sei­ner­ope­ra­ti­on­be­weg­ter­sich­so­viel­wie mög­lich – ne­ben Tur­nen und Mus­kel­trai­ning hat er auch das Golf­spie­len nie auf­ge­ge­ben. An dem Tag, den Le­der­bau­er sei­nen zwei­ten Ge­burts­tag nennt, wird klar, dass sei­ne Herz­kranz­ge­fä­ße be­reits stark ge­schä­digt sind. Um die »

not­wen­di­ge­ener­gie­zu­fuhr­zum­herz­mus­kel wie­der her­zu­stel­len, ent­schei­den sich die Ärz­te für ei­nen drei­fa­chen By­pass. „Ich wur­de am of­fe­nen Her­zen ope­riert, ins­ge­samt sie­ben St­un­den lang. Was da ei­gent­lich vor sich ge­gan­gen ist, ha­be ich aber erst viel spä­ter rea­li­siert“, blickt er zu­rück.

STA­TIO­NÄ­RE RE­HA. Auch die Angst wird erst zum The­ma, als Le­der­bau­er auf sta­tio­nä­re Re­ha fährt und das Ge­sche­he­ne noch ein­mal Re­vue pas­sie­ren lässt. Das ers­te Jahr nach ei­nem über­stan­de­nen Herzinfarkt ist das kri­tischs­te, sa­gen ihm die Ärz­te. „Wenn bei den mor­gend­li­chen Ge­sprächs­run­den Stüh­le leer blie­ben und ein­zel­ne Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten nicht mehr auf­tau­chen, kommt man schon ins Gr­ü­beln.“Was ihm Kraft ge­ge­ben hat? Die un­mit­tel­ba­re Um­ge­bung, der Freun­des­kreis, sei­ne Familie. „Man fällt in ein tie­fes Loch und muss zu­se­hen, wie man da von selbst wie­der her­aus­kommt. Ei­ne gu­te ärzt­li­che Be­hand­lung ist die ei­ne Sa­che. Das an­de­re ist die ei­ge­ne Kopfarbeit. Da­bei hat mir mein Um­feld sehr ge­hol­fen.“In den ers­ten Wo­chen kann Le­der­bau­er nur we­ni­ge Me­ter selbst­stän­dig ge- hen, nach ei­ni­ger Zeit wer­den es meh­re­re Run­den ums ei­ge­ne Haus. Vor un­se­ren Au­gen steigt er schwung­voll aufs Er­go-bi­ke: „Man freut sich, wenn die Trai­nings­ein­hei­ten Wir­kung zei­gen. Ich füh­le mich so gut wie noch nie – auch mei­ne La­bor­wer­te spre­chen die­sel­be Spra­che.“Vor sei­nem Herzinfarkt hat­te Le­der­bau­er kei­ne Be­schwer­den, war Nicht­rau­cher und er­nähr­te sich weit­ge­hend ge­sund. Schließ­lich war es der ho­he Blut­druck, den die Ärz­te als Übel­tä­ter iden­ti­fi­zier­ten. „Auch den ha­be ich heu­te glück­li­cher­wei­se im Griff. Da bin ich da­hin­ter, mes­se täg­lich und neh­me mei­ne Me­di­ka­men­te ge­wis­sen­haft.“

FA­MI­LIÄ­RE VOR­BE­LAS­TUNG. Bei Li­li Marx war der Aus­lö­ser an­de­rer Na­tur. Zu ho­he Blut­fett­wer­te, die zu lang­sa­men Ve­rän­de­run­gen an den Ge­fäß­wän­den und ir­gend­wann zum In­farkt führ­ten. Be­reits ih­re Mut­ter und Groß­mut­ter wa­ren an Herz-kreis­lauf-er­kran­kun­gen ver­stor­ben. „Ich wuss­te um das fa­mi­liä­re Ri­si­ko, war aber über­zeugt, ich hät­te das kri­ti­sche Al­ter be­reits über­lebt“, sagt die heu­te 75-Jäh­ri­ge. Als sie bei der Gar­ten­ar­beit ei­nen star­ken Stech­schmerz in der obe­ren Ma­gen­ge­gend ver­spürt, denkt sie zu­nächst nicht an ein Herz­lei­den. „Die Be­schwer­den wur­den im­mer schlim­mer. Ich be­kam kei­ne Luft mehr und rief mei­nen Sohn an, der die Ret­tung ver­stän­dig­te.“Noch vor Ort stellt der Not­arzt die Initi­al­dia­gno­se. Im­spi­tal­wird­das­ver­schlos­se­ne­ge­fäß wie­der ge­öff­net und mit zwei Stents ver­se­hen, die ei­ne er­neu­te Ge­rinn­sel­bil­dung ver­hin­dern sol­len. Nach der er­folg­rei­chen Ope­ra­ti­on lernt Marx, ih­ren Cho­le­ste­rin­spie­gel durch ei­ne Er­näh­rungs­um­stel­lung güns­tig zu be­ein­flus­sen.mit­aus­dau­er-un­d­kraft­trai­ning wird ihr Stoff­wech­sel an­ge­kur­belt und die Pa­ti­en­tin wie­der be­las­tungs­fä­hig ge­macht. „Um ei­ne me­di­ka­men­tö­se The­ra­pie, die das Cholesterin dau­er­haft senkt, kom­me ich aber nicht her­um“, er­klärt sie.

BE­WE­GUNG. Über ih­ren Arzt fin­det auch Marx zum Herz­ver­band. Ne­ben der stren­gen Me­di­ka­men­ten­ein­nah­me sei Be­we­gung das Um und Auf, sagt er ihr. Ein­mal die Wo­che nimmt sie nun am Grup­pen­wan­dern teil – und die Ge­mein­schaft wirkt sicht­lich mo­ti­vie­rend.die­sport­li­che­pen­sio­nis-

„Man fällt in ein tie­fes Loch und muss zu­se­hen, wie man da von selbst wie­der her­aus­kommt – auch mit Kopfarbeit.“Jo­sef Le­der­bau­er

tin kann ih­rer Krank­heit mitt­ler­wei­le auch Po­si­ti­ves ab­ge­win­nen: „Ich es­se bewusster, bin ins­ge­samt ge­las­se­ner ge­wor­den. Wenn es ir­gend­wo zwickt, ver­fal­le ich nicht in Pa­nik, son­dern ver­su­che, nach vor­ne zu bli­cken.“Vor­sor­ge und Prä­ven­ti­on soll­te man sich drin­gend zu Her­zen neh­men – da sind bei­de Be­trof­fe­nen ei­nig. Die drit­te Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­pha­se, die am­bu­lan­te Re­ha, hat Marx und Le­der­bau­er ge­hol­fen, zu­rück in ei­nen selbst­stän­di­gen All­tag zu fin­den. „Das Le­ben geht wei­ter. Auch den Stress kann man nicht im­mer ver­hin­dern.“Was sich ge­än­dert hat? „Jetzt ha­ben wir ein Werk­zeug zur Hand, mit dem wir dar­auf re­agie­ren kön­nen.“Seit Ju­li 2017 wird die am­bu­lan­te Herz-re­ha für Per­so­nen im Pen­si­ons­al­ter von der Stei­ri­schen Ge­biets­kran­ken­kas­se nicht mehr über­nom­men. Der Herz­ver­band hat ei­ne Pe­ti­ti­on in­iti­iert, die das än­dern soll. Für wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu die­ser Initia­ti­ve die Sei­te mit der Gra­tis-app „Short­cut Re­a­der“scan­nen

Li­li Marx (re.) geht ger­ne wan­dern. Ne­ben Me­di­ka­men­ten ge­hört re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung zu den wich­tigs­ten Hilfs­mit­teln im All­tag – ge­mein­sam fällt die­se noch leich­ter

Jo­sef Le­der­bau­er beim Herz­trai­ning des Stei­ri­schen Herz­ver­bands, an dem er wö­chent­lich teil­nimmt

Die ers­ten Wo­chen sind be­son­ders hart. Nach ei­ni­ger Zeit be­ginnt die Be­treu­ung Wir­kung zu zei­gen – das mo­ti­viert

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