„ENT­SCHEI­DEND IST IM­MER DER TAG“

Rein­hold Kerbl, Vor­stand der Abt. für Kin­der und Ju­gend­li­che am Lan­des­kran­ken­haus Leo­ben und Lei­ter des Kin­der­schlaf­la­bors.

Kurier Magazine - Kinder - - Schlafen -

Ab wann spricht man bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen von Schlaf­pro­ble­men? Rein­hold Kerbl:

Bei Er­wach­se­nen spricht von Schlaf­stö­rung, wenn min­des­tens zwei Näch­te pro Wo­che über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum ein Schlaf­pro­blem be­steht. Bei Kin­dern gibt es kei­ne De­fi­ni­ti­on. Ent­schei­dend ist, wie es dem Kind tags­über geht: Ist es plötz­lich hy­per­ak­tiv, schlecht ge­launt oder wenn die Schul­leis­tung plötz­lich ab­sinkt oder so­zia­le Pro­ble­me auf­tau­chen, soll­te man über Schlaf­pro­ble­me nach­den­ken.

Wie vie­le der Kin­der und Ju­gend­li­che sind be­trof­fen?

Da Schlaf­stö­run­gen nicht de­fi­niert sind, di­ver­gie­ren die Stu­di­en stark. M an­geht von zehn bis 40 pro­zent aus. Schlaf­stö­run­gen zäh­len so­mit zu den häu­figs­ten Be­find­lich­keits stö­run­gen und sind im sel­ben Be­reich wie Kopf­schmer­zen an­zu­sie­deln.

Wel­che Ur­sa­chen gibt es?

Es gibt 97 ver­schie­de­ne Schlaf­stö­run­gen – es ist al­so ein sehr brei­tes Ge­biet und es ist sehr stark al­ters ab­hän­gig. Im Klein­kin­der- und Vor­schul­al­ter ent­ste­hen Schlaf­pro­ble­me aus Ängs­ten – Alb­träu­me, Ängs­te vor ei­nem schlech­ten Traum oder vor Räu­bern. I ms chul al­ter kommt es zu schlaf­man­gel durch zu viel Me­di­en kon­sum vor der nacht­ru­he. Man nennt das so­zia­ler Jet­lag: Die Kin­der spie­len im Bett noch stun­den­lang mit dem Han­dy. Beim ju­gend­li­chen ver­schiebt sich die Schla­fen­geh­zeit oft stark nach hin­ten. Statt um 21 Uhr ge­hen sie erst nach Mit­ter­nacht schla­fen. Die­se Pha­sen­ver­schie­bung um meh­re­re Stun­den führt zu ei­nem enor­men Schlaf­de­fi­zit, weil sich die Auf­steh­zeit nicht än­dert. Das macht die schlech­te Be­find­lich­keit am nächs­ten Mor­gen. Das schlaf­de­fi­zit kann am wo­chenen- de nicht kom­pen­siert wer­den. Bei Kin­dern oder Ju­gend­li­chen sind Schlaf­stö­run­gen üb­li­cher­wei­se nicht or­ga­nisch, son­dern ver­hal­tens be­dingt.

Was soll­ten El­tern un­ter­neh­men, wenn ihr Kind tags­über auf­fäl­lig wird?

Zu­nächst soll­te ein Kin­der­arzt das Kind so­ma­tisch un­ter­su­chen und mit den El­tern ei­ne ge­naue Ana­mne­se er­stel­len. Üb­li­cher­wei­se kommt man nicht um ein Schlaf­pro­to­koll her­um. Die­ses wird über 14 Ta­ge ge­führt, da­mit der Arzt sieht, wie lan­ge das Kind schläft, wie oft es auf­wacht, wann es schla­fen geht, wel­che Pro­ble­me in der Nacht be­ste­hen. In den meis­ten fäl­len reicht da­nach ei­ne gu­te be­ra­tung über Schlaf­hy­gie­ne. Steckt et­was Or­ga­ni­sches da­hin­ter, wird das Kind im Schlaf­un­ter­sucht. Die­ak­ti­gra­fie, ei­ne Art Arm­band­uhr, misst die Ak­ti­vi­tä­ten des kin­des bei tag und nacht und gibt be­reits über vie­le Din­ge Aus­kunft. Gold­stan­dard ist na­tür­lich das Schlaf­la­bor. Die meis­ten Schlaf­pro­ble­me sind haus­ge­macht und ein­fach än­der­bar, wo­bei die Be­trof­fe­nen und El­tern da­zu be­reit sein müs­sen.

Wie viel Schlaf soll­te sein?

Bei er­wach­se­nen sind es zwi­schen vier bis fünf Stun­den bei den Kurz- und elf bis zwölf Stun­den bei­den Lang schlä­fern. Da­zwi­schen ist der Norm be­reich. Ob man Lang-oder Kurz schlä­fer ist, bil­det sich schon im kin­des­al­ter her­aus­bil­det. Da­her ist das schwer zu ver­all­ge­mei­nern. Das Ent­schei­den­de ist im­mer die Ta­ges­ver­fas­sung. «

Univ.-prof.dr. Rein­hold KerblVor­stand der Abt. für Kin­der und Ju­gend­li­che am LKH Leo­ben

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